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ÖV-Chauffeure am Handy Nulltoleranz in Zürich – eine allzu harte Praxis?

Telefoniert ein Zürcher Tram- oder Buschauffeur am Steuer, wird er fristlos entlassen. Andernorts ist man weniger rigid.

Tramchaufferin in Bern.
Legende: Winken ist erlaubt, doch während der Fahrt das Handy zu benutzen, ist auch in Bern ein No-Go. Keystone

Dicke Post für die über 1400 VBZ-Chauffeure: In den letzten Tagen erhielten sie von ihrem Arbeitgeber ein Schreiben. Darin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Benützen von Smartphones und Tablets während der Fahrt ausdrücklich verboten ist.

Es handle sich um einen schweren Verstoss gegen die Sicherheits- und Fahrdienstvorschriften, die auch gesetzlich festgelegt seien, sagt VBZ-Sprecherin Daniela Tobler: «Und ein solcher Verstoss führt zu einer fristlosen Kündigung.»

Man wolle künftig fristlose Entlassungen vermeiden, deshalb habe man mit diesem Warnbrief reagiert: «Denn eine fristlose Kündigung ist sowohl für Arbeitgeber wie auch für Arbeitnehmer keine schöne Sache.»

Einzelfall-Beurteilung in Bern und Basel

Andernorts kennt man diese Null-Toleranz-Strategie nicht. In Bern und Basel prüft man jeden Vorfall individuell, heisst es bei den jeweiligen Verkehrsbetrieben. Laut Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer hat das Benutzen von Handys oder Tablets während der Fahrt erst im Wiederholungsfall Konsequenzen:

Unsere Fahrerinnen und Fahrer werden nicht sofort auf die Strasse gestellt.
Autor: Rolf MeyerSprecher Bernmobil

Allerdings, so heisst es in Bern und Basel: In schwerwiegenden Fällen könne das verbotene Benutzen von Handys oder Tablets ebenfalls zu einer Kündigung führen.

Heikle Beweisführung

Die zuständige Gewerkschaft VPOD unterstützt grundsätzlich die klare Haltung der VBZ. Die Sicherheit der Fahrgäste habe oberste Priorität. Das Problem sei aber die Beweisführung. Vielfach würden Chauffeure von Fahrgästen anonym gefilmt, und diese Filmchen dann den Verkehrsbetrieben zugestellt, sagt VPOD-Regionalsekretär Duri Beer: «Allein die Androhung einer fristlosen Kündigung ist ein derart schwerer Eingriff, dass die Beweislage klar sein muss. Oder, dass auch ein Geständnis vorhanden sein muss.»

Und das sei eben nicht immer der Fall. Beer nennt ein aktuelles Beispiel: So sei ein Chauffeur in Zürich freigestellt worden, weil er anonym beschuldigt wurde, während der Fahrt das iPad benutzt zu haben. Obwohl der Chauffeur dies abstreitet und es auch keinen Beweis gibt, läuft das Kündigungsverfahren weiter.

Vielleicht zu Unrecht. Denn nicht immer tippt der Tram- oder Buschauffeur privat auf dem iPad oder Smartphone herum. Für Infos über Streckenunterbrüche oder Unfälle muss der Fahrer beispielsweise sein iPad bedienen können. Allerdings gilt auch hier: Nur, wenn Tram oder Bus stillstehen. Aber niemals während dem Fahren.

23 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Zwei Facetten gehen mir durch den Kopf: erstens sprechen wir von BERUFSchauffeuren. Es darf deshalb JEDERZEIT erwartet werden, dass sich diese professionell verhalten. Handies und Tablets haben hierbei diskussionslos nichts verloren. Zweitens: würde man die Berufsehre dieser Leute nicht seit Jahren skrupellos demontieren und sie zu Hilfsarbeitern degradieren -auch im Lohn-, dann währen viele von ihnen auch nicht so abgelöscht, sondern mit Herz und Seele bei der Sache!!!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Lasst die Leute doch einfach leben. Man kommt sich in der Schweiz ja mittlerweile vor wie in einem eingezäunten Gefängnis. Polizei wohin das Auge blickt, selbst Bus und Bahnpassagiere werden willkürlich kontrolliert. Was bitte haben die für ein Problem? Lasst uns in Ruhe, wir brauchen keine Regierung die uns permanent sagt, was wir tun und lassen sollen!
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  • Kommentar von Franco Caroselli (FrancoCaroselli)
    Das totale Leben in absoluter Sicherheit ist in der Schweiz zu einer Plage geworden. Dank den sogenannten Hilfssheriff, die jeden Polizisten, Lokführer oder Chauffeur fotografieren, bei nur kleiner Fehlhandlung kann zu einer Krankheit werden. Diese Hilfssheriff werden gebeten bloss nie in den Ostblock oder Süden zu reisen. Die Finger würden wund oder im Kopf krank und wo möglich durchdrehen. Dank diesen Hilfssheriff leidet zunehmend die offene Kommunikation Kunde - Personal, und umgekehrt.
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