Offshore-Leaks: Künftige Banker machen den «Geschmackstest»

Mehr als hunderttausend Reiche und Superreiche lagern ihr Geld in Steueroasen wie Singapur oder den Britischen Jungferninseln. Solche Finanztransaktionen wollen gelernt sein. Entsprechendes Wissen vermittelt mitunter die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – innerhalb gewisser Grenzen.

«Ethische Fragen spielen immer eine Rolle in unserer Ausbildung», sagt Christoph Kley, Dozent für Banken- und Finanzwesen an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur, auf Anfrage von SRF. «Es sollte auch klar sein, dass nicht alles, was legal ist, auch ethisch gerechtfertigt ist.»

Ein schmaler Grat, für den angehende Finanzmanager sensibilisiert werden müssen. Doch wie? «Ich nenne das gerne den Geschmackstest, also hat es ein ‹Geschmäckle›», erklärt Kley seine Unterrichtsmethode. «Oder eine andere gute Frage, um das zu testen, ist: Sieht das gut aus, wenn das auf der Titelseite der lokalen Heimatzeitung steht? Wenn nicht, sollte man darüber nachdenken.» Mit diesen Fragen beschäftige er seine Studierenden in konkreten Einzelfällen.

Nicht alle in einen Topf werfen

Für die moralische Empörung, die sich im Zuge der Offshore-Enthüllungen entlädt, hat Kley nicht nur Verständnis: «Es ist zum Teil echte Empörung, und zum Teil finde ich, ist es eine Inszenierung.» Echte Empörung sei es insofern, dass eines durchaus stimme: «Es gibt sehr vermögende Personen, die werfen sehr viel Zeit und sehr viel Geld auf, um die Steuern zu minimieren. Und es gibt auch einige darunter, die Steuern hinterziehen.»

Aber man könne auf der anderen Seite nicht alle in einen Topf werfen, mahnt der Dozent. «Insofern ist die Empörung nicht angebracht. Es sind komplizierte Einzelfälle mit sehr vielen Gesellschaften und Firmen, die involviert sind. Und die kann man dann nicht abschliessend als Steuerhinterzieher brandmarken.»

(eglc;brut)