Ohne Eltern auf Asylsuche

Für die Migrationsbehörden gibt es keine Sommerpause: Neben den zahlreichen Asylsuchenden stellen deutlich mehr Kinder und Jugendliche ohne Eltern einen Antrag auf Asyl.

Symbolbild: Asylbewerber sitzen in einer Unterkunft vor einem Fernseher, im Vordergrund ein «Töggeli-Kasten».

Bildlegende: Immer mehr jugendliche Asylsuchende kommen ohne Eltern – sie brauchen spezielle Betreuung. Keystone

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind 252 Kinder und Jugendliche ohne Familienangehörige in die Schweiz gekommen und haben ein Asylgesuch gestellt. Laut dem Bundesamt für Migration kamen allein aus Eritrea fast drei Mal so viele wie im ganzen letzten Jahr.

Ein grosser Teil der jungen Asylbewerber ist im Kanton Bern untergebracht. Sie leben in Kinderheimen, Pflegefamilien oder im Asylzentrum für Jugendliche. Doch der Platz ist knapp.

Es braucht mehr Plätze

Wie Claudia Ransberger vom Berner Migrationsamt sagt, müssen unbegleitete Jugendliche ab 18 Jahren derzeit in den Asylzentren untergebracht werden – auch wenn dies nur eine Notlösung sei. Ein zweites Zentrum im Kanton Bern für unbegleitete Minderjährige sei unabdingbar.

Jugendliche auf der Flucht brauchen spezielle Betreuung und eine Unterkunft, die von erwachsenen Asylsuchenden getrennt ist. Deshalb hält die Flüchtlingshilfe solche Notlösungen für unbefriedigend, zeigt aber gewisses Verständnis dafür, wenn sie zeitlich begrenzt sind.

Jugendliche können meistens bleiben

Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen müssen die Behörden auch in den nächsten Monaten mit jugendlichen Asylsuchenden rechnen.

Früher hätten sich Mittzwanziger als 16-Jährige auszugeben versucht, weil sie sich bessere Chancen auf Asyl erhofft hätten, sagt ein Betreuer. Heute kämen tatsächlich Teenager in die Schweiz.

Die Jugendlichen seien gut informiert, sagt Ransberger. «Sie haben klare Anweisungen, wie sie vorzugehen haben.»

Die Asylgesuche von Kindern und Jugendlichen werden prioritär behandelt, heisst es beim Bundesamt für Migration. Meist können sie bleiben und werden nicht weggewiesen.

Angst vor Armee

Eritrea ist eines der repressivsten Länder der Welt. Insbesondere die Umstände, unter denen in Eritrea Wehrdienst geleistet werden muss, treibt Jugendliche in die Flucht. Den zum Teil erst 15-jährigen Rekruten drohe im Militär Folter, Hunger und Zwangsarbeit, sagt Stella Jegher von Amnesty International Schweiz.