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Schweiz Olympia-Boykott ist kein Thema

Der deutsche Bundespräsident Gauck reist nicht an die Olympischen Spiele nach Sotschi, auch die Vize-Präsidentin der EU-Kommission, Reding, verzichtet. Sie will dies als Kritik an Russlands Umgang mit Minderheiten verstanden wissen. Und was machen die Schweizer Bundesräte?

Maurer, Burkhalter und Berset (v.l.) in Freizeitkleidung auf der Bundesrats-Reise 2012 im Graubünden.
Legende: Maurer, Burkhalter, Berset: Sie alle reisen im Februar und März nach Sotschi. Keystone

Wenn Sotschi ruft, dann kommt die Schweiz nicht nur mit einer 150-köpfigen Sportler-Delegation, sondern auch mit politischer Prominenz. Bundespräsident Didier Burkhalter wird an der Eröffnungsfeier dabei sein. Dann reist Sportminister Ueli Maurer an und schliesslich wird Bundesrat Alain Berset als Gast bei den Paralympischen Spielen erwartet. Ein bundesrätliches Trio in Russland – allen kritischen Stimmen zum Trotz.

Sport und Politik trennen?

Die Schweizer Regierung ist der Ansicht, «dass der Sport generell und die Teilnahme an Olympischen Spielen im Speziellen keine Plattformen für politische Meinungsäusserungen sein dürfen». Dies gelte sowohl für die Athleten, wie auch für die offiziellen Delegationen. Mit diesen Worten umschrieb der Bundesrat in der nationalrätlichen Fragestunde am Montag seine Haltung zum Thema Olympia-Boykott.

Dafür hat SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr überhaupt kein Verständnis: «Das kann ich nicht nachvollziehen», sagt sie gegenüber SRF. Sie verstehe zwar, wenn Sportler an Olympischen Spielen teilnehmen wollen. Aber bei Politikern fehle ihr dieses Verständnis: «Putin und sein Regime nutzen Sotschi sehr bewusst zu politischen Zwecken.» Der russische Präsident inszeniere dort seine Macht und sende ganz klare politische Botschaften an die Welt aus. «Deshalb muss die Antwort darauf eine politische sein», sagt Fehr.

Schweiz betreibt Menschenrechts-Dialog

Das sieht Nicolas Bideau, der Chef der bundeseigenen PR-Einheit «Präsenz Schweiz», die in Sotschi ebenfalls prominent vertreten ist, freilich anders: «Es ist wichtig, dass man Sport und Politik trennt.» Man müsse aber nicht blind sein. Es gebe Probleme in Russland. Deshalb betreibe die Schweiz einen Menschenrechts-Dialog mit Russland. «Das ist auch wichtig für uns», so Bideau weiter.

Intressant ist: Die Kritik kommt nicht nur von Links. So sagt SVP-Nationalrat Maximilian Reimann, er begrüsse grundsätzlich, dass der deutsche Bundespräsident Gauck nicht nach Sotschi reise. «Auch ich habe grosse Mühe, diese riesigen Milliarden-Geschäfte zu verstehen», so Reimann.

Kann die Schweiz bei Menschenrechten neutral sein?

Ein Boykott der Spiele bringe gerade in Sachen Menschenrechte gar nichts, hält Christa Markwalder dagegen: «Nur wenn man den Dialog auch sucht, kann man Fortschritte erzielen.» Man müsse Russland signalisieren, dass man im politischen, nicht aber im sportlichen Bereich dazu bereit sei, über Menschenrechtsfragen oder solche des Minderheitenschutzes zu diskutieren.

«Gegenüber Menschenrechten sind wir nicht neutral», ist SP-Frau Fehr überzeugt. «Wir haben eine grosse Verpflichtung die Menschenrechte überall einzufordern, wo wir präsent sind.» Die Schweiz könne nicht auf dem internationalen Parkett einfach «Liebkind» spielen.

Die Olympischen Spiele von Sotschi beginnen am 7. Februar 2014, die Paralympics am selben Ort einen Monat später.

24 Kommentare

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  • Kommentar von B. Küng, Seeland
    Ich habe grosse Hochachtung vor Herrn Gauck und Frau Reding. Es sollten alle Politiker und auch Sportler ihrem Beispiel folgen und diesen Spielen fernbleiben. Von den Schweizern kann man natürlich solches nicht erwarten; die kriechen den übelsten Diktatoren und Unrechtsregimen in den ...... (siehe auch Freihandelsvertrag mit China). Auch Fernsehzuschauer sollten die Spiele meiden. Stell Dir vor es ist Olympia und keiner schaut oder geht hin!
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Was Frau Reding von sich gibt, interessiert in Russland niemanden, erst recht nicht vor dem "Jahrhundertereignis" in Sotschi. Wenn schon Kritik, dann aber konsequent sein und erkennen, was in Bezug auf den Umgang mit Minderheiten auch innerhalb der EU-Grenzen abläuft. Beispiele gefällig? An vorderster Stelle Südtirol, wo einiges brodelt. Schon in der UdSSR ging es den ethnischen Minderheiten im Vergleich zu vielen anderen Staaten erstaunlich gut, aber auch im heutigen Russland.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ein viel schlechteres Beispiel als das autonome Südtirol in Bezug zu den russischen Minderheiten hätten sie nicht suchen können. Aber sonst haben sie recht: Es bringt im Endeffekt nichts, wenn man diese Spiele boykottiert.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Geschätzter Herr Planta, Sie sollten sich besser informieren, gerade Sie als ein Bergbewohner. Sie dürfen es mir ruhig abnehmen, dass es in Südtirol mehr brodelt, als es die Medien wahrhaben wollen. Es stimmt zwar, dass Südtirol gegen aussen autonom ist, aber es ist eine stark durchlöcherte Autonomie. Vielen Minderheiten in Russland geht es deutlich besser als den Südtirolern. Versuchen Sie lieber nicht, sich mit den "Nationalen" in Italien anzulegen! Sie würden noch sehr staunen.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Warum soll Sotschi boykottiert werden, wenn die Schweiz schon 1980 zusammen mit fast ganz Europa - Ausnahmen: BRD, Norwegen, Liechtenstein und Monaco - in Moskau dabei war und nur vier Teilverbände absagten? Und nach meiner Erinnerung waren "wir" ja auch vor wenigen Jahren in Peking dabei. Gönnt doch diesen drei sympathischen Herren den Spass! Sooo viel würde es nicht kosten, immerhin vertreten sie uns doch - oder etwa nicht mehr?
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