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Schweiz Olympische Sportförderung: Wer am meisten Geld kriegt

Erstmals hat Swiss Olympic aufgeschlüsselt, welcher Schweizer Sportverband wie stark finanziell unterstützt wird. Die Auswertung von SRF Data zeigt: Die Unterschiede bei der Sportförderung sind zum Teil beträchtlich.

Die finanzielle Unterstützung für den olympischen Spitzensport steigt von Jahr zu Jahr, wie eine Auswertung von SRF Data zeigt. Grösstenteils kommen die Gelder aus dem Lotteriefonds, und auch der Bund sponsert mit mehreren Millionen Franken jährlich kräftig mit. Für die Verwaltung der Gelder ist Swiss Olympic zuständig – der Dachverband verteilt die Subventionen nach eigenem Gutdünken an die verschiedenen Sportverbände. Doch: Welche Sportart sich wie viel vom Kuchen abschneiden darf, war lange ein Geheimnis. Seit Ende 2014 stehen die Zahlen etwas versteckt auf der Website von Swiss Olympic, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Der Turnverband kriegt am meisten

SRF Data hat die Zahlungen an Sommersportverbände für die Periode 2014 bis 2016 ausgewertet. Spitzenreiter ist der Turnverband, der in diesen drei Jahren rund 4,7 Millionen Franken erhält. Er stellt die Athletinnen und Athleten für die olympische Disziplin Kunstturnen, die bei den letzten sechs Olympischen Sommerspielen insgesamt fünf Top-8-Plätze holten – davon eine Goldmedaille. Dennoch: Mit 13,5 Prozent der Verbandsbeiträge ergatterten die Kunstturner lediglich 4,6 Prozent aller Schweizer Top-8-Plätze. Insgesamt holten die Schweizer Delegationen im beobachteten Zeitraum 109 Top-8-Plätze, davon 33 Medaillen.

Bei anderen Verbänden ist das Gegenteil der Fall: Obwohl der Radsportverband Swiss Cycling in den Disziplinen Mountain Bike, Rad Strasse und Rad Bahn seit 1992 über einen Viertel aller Top-8-Plätze holte, erhielt er 2014 bis 2016 nur 11 Prozent aller Verbandsbeiträge.

Der direkte Vergleich zwischen Förderung und Erfolg ist dennoch mit Vorsicht zu geniessen. Einerseits beziehen sich die beiden Grössen auf unterschiedliche Zeiträume – zu den Verbandsbeiträgen vor 2014 veröffentlicht Swiss Olympic keine Zahlen.

Andererseits sei die Chance auf eine Medaille oder einen Top-8-Platz nicht nur von der Höhe der Unterstützung abhängig, so Ralph Stöckli, Chef Leistungssport bei Swiss Olympic. «Im Pferdesport zum Beispiel ist ein Athlet eher abhängig von einem Mäzen, einem Pferdebesitzer, der ihn unterstützt.» Anders sei es zum Beispiel bei den Ruderern, die sich dank eines nationalen Trainingszentrums sehr effizient und verlässlich vorbereiten könnten.

Klarer Kriterienkatalog für Unterstützung durch Swiss Olympic

Klar ist: Die Erfolge an vergangenen Spielen sind Teil der Kriterien, die über die Höhe der Unterstützung durch Swiss Olympic entscheiden. «Wenn ein Verband keinen Erfolg ausweisen kann, wird er in Zukunft weniger Gelder erhalten», so Stöckli, der zusätzlich als Delegationsleiter in Rio fungiert.

Daneben spielten jedoch noch andere Kriterien eine Rolle, zum Beispiel das Interesse an einer Sportart oder die mediale Aufmerksamkeit, die sie kriege. Auch die Grösse der internationalen Konkurrenz sei ausschlaggebend – diese sei beispielsweise in der Leichtathletik viel grösser als beim Fechten. Die Gleichung «Mehr Geld führt zu mehr Erfolg» stimme so also nicht und Vergleiche seien schwierig, gibt Stöckli zu bedenken.

Welche Disziplin ist am erfolgreichsten?

Unabhängig von ihrer Unterstützung schnitten die Schweizer Sommersportverbände seit 1992 unterschiedlich gut ab – ein durchgehendes Muster lässt sich jedoch schlecht erkennen. Konsequent gut abgeschnitten haben, zumindest seit den Spielen im Jahr 2000, lediglich die Disziplinen Triathlon, Mountain Bike und Rad Strasse. Andere Disziplinen scheinen ihre Blüte hinter sich zu haben, dazu zählt zum Beispiel das Rudern.

Auf der anderen Seite müssen sich die Disziplinen Open Water Schwimmen, Turmspringen und Handball seit über 20 Jahren mit lediglich einem Top-8-Platz und null Medaillen zufrieden geben.

Generell scheint die Glanzzeit der Schweizer Sommer-Olympioniken vorbei zu sein – den letzten grossen Erfolg gab es im Jahr 2000 in Sydney zu verzeichnen, als die Delegation 27 Top-8-Plätze holen konnte.

Dennoch: Heuer könnte es wieder aufwärts gehen, wie der gestrige Erfolg in der olympischen Randsportart Schiessen andeutet.

Mitarbeit: Ueli Reist

Datenquellen Visualisierung: Swiss Olympic (obere), Bundesamt für Sport (BASPO, untere)

Top-8-Plätze

Anstelle gewonnener Medaillen wird hier die Anzahl Top-8-Plätze verwendet. Diese ermöglichen einen aussagekräftigere Erfolgsmessung und einen besseren Vergleich zwischen den einzelnen Disziplinen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Nogler (semi-arid)
    Schade wird eines der am weitesten verbreiteten Sportarten in der Schweiz von den meisten Medien nicht mal erwähnt und kaum von jemanden unterstützt, das Schach. Dabei gäbe es gute Gründe: 1. Mit Aljechin und Fischer hatten 2 der 16 Weltmeister Schweizer Bürgerschaft oder Schweizer Wurzeln. 2. Viktor Kortschnoj war 2-facher Vize-Weltmeister, Seniorenweltmeister und mehrfacher Gewinner der Schacholympiade 3. Mit Alexandra Kosteniuk haben wir eine lebende Ex-Weltmeisterin. 4. U18-EM 2014: Bronze
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Wieviel erhält eigentlich der Behindertensport? Davon ist im Artikel nicht die Rede. Auch in dieser Sparte hat es Topathletinnen und Topathleten. Oder ist deren Leistung etwa weniger wert als diejenige der so genannten normalen Athlet/innen? Leider gesichtet auch das SRF in seinen Sportsendungen den Behindertensport nur spärlich. Nie würde eine Disziplin live übertragen. Somit erreichen die Sportler/innen ja auch einen minderen Bekanntheitsgrad und folglich weniger Fans. .
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  • Kommentar von Rolf Järmann (Rolf Järmann)
    Wenn schon die Geldverteilung nach Verband aufgelistet ist, macht es keinen Sinn, die Sportarten zu trennen. Warum sind Kanu Sprint und Kanu Slalom z.B. aufgeteilt? Oder Mountainbike, Rad Strasse und Rad Bahn? Gehört ja jeweils alles zum gleichen Verband. Man müsste also auch die Sportarten zum Verband zusammenschliessen, um eine aussagekräftige Übersicht zu bekommen...
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