Ombudsmann rügt SRF wegen Thiel-Gespräch

Die Sendung «Schawinski» mit dem Satiriker Andreas Thiel hat gegen das Sachgerechtigkeitsgebot verstossen. Zu diesem Schluss kommt der SRG-Ombudsmann Achille Casanova. SRF nimmt die Kritik zur Kenntnis, teilt sie aber nur teilweise.

Video «Andreas Thiel bei Roger Schawinski» abspielen

Andreas Thiel bei Roger Schawinski

29 min, aus Schawinski vom 15.12.2014

Die Ombudsstelle der SRG hat ihren Schlussbericht zur Sendung «Schawinski» vom 15. Dezember 2014 veröffentlicht. In seiner Stellungnahme hält Casanova fest, dass Publikum habe sich über das eigentliche Diskussionsthema «Koran» keine eigene Meinung bilden können. Dies unter anderem deshalb, weil keine echte Diskussion zustande gekommen sei. Damit sei das im Radio- und Fernsehgesetz (RTV) verlangte Sachgerechtigkeitsgebot verletzt worden.

Verwendung von Thiel-Zitat beanstandet

Als weiteren Grund dafür verweist der Ombudsmann auf ein von Schawinski vorgebrachtes Thiel-Zitat aus der «Berner Zeitung», wonach Muslime zwischen Neandertaler und Homo Sapiens stecken geblieben seien. Damit habe Schawinski seinen Gesprächspartner als Rassisten entlarven wollen. Wenn Zitate vollständig und korrekt seien, könne ein solches Vorgehen nicht beanstandet werden.

Dieses Prinzip sieht Casanova im Fall der beanstandeten Sendung jedoch nicht eingehalten. Das von Schawinski verwendete Zitat sei vielmehr «irreführend». Der Ombudsmann spricht in diesem Zusammenhang gar von einer «gravierenden Fehlleistung» Schawinskis. Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Publikum erhielt falschen Eindruck

Aus dem Gespräch mit der «Berner Zeitung» gehe nämlich klar hervor, dass sich die Passage auf den Humor der Muslime beziehe und nicht auf deren Wesen allgemein. Schawinski habe es aber unterlassen, dies in der Sendung zu präzisieren. Dem Publikum sei der falsche Eindruck vermittelt worden, Andreas Thiel würde die Muslime an sich als «zwischen Neandertaler und Homo sapiens stecken geblieben» beleidigen, schreibt Casanova.

SRF widerspricht

«SRF nimmt die Einschätzung des Ombudsmanns zur Kenntnis», schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Wie bereits kommuniziert, betrachte SRF das Gespräch als misslungen. «Dies bedauern wir.»

Nicht nachvollziehen kann SRF die Kritik am Zitat von Thiel: Dessen Antwort sei in der Sendung zwar nicht in voller Länge widergegeben worden. Die Aussage habe aber nur dahingehend verstanden werden können, dass sie sich auf die Muslime bezieht – nicht nur auf deren Witze. «Dies ergibt sich erst recht aus dem Kontext des Interviews und der darin von Andreas Thiel zum Ausdruck gebrachten Haltung über Muslime (‹Die sind alle gehirngewaschen und haben einen an der Waffel›)» hält SRF dazu fest.

Empörung über Schawinski

Insgesamt hatte die Ombudsstelle 164 Beanstandungen formell zu behandeln. 90 Prozent davon kritisierten die Art und Weise, wie der Talk-Master seinen Gast behandelt hat. 117 Beanstander verlangten ausdrücklich die Absetzung Schawinskis. Auf solche Forderungen könne die Ombudsstelle nicht eintreten, schreibt Casanova.