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Tanja Stadler: Ist die Corona-Politik des Bundesrates verantwortbar?
Aus Samstagsrundschau vom 15.01.2022.
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Omikron und Massnahmen Stadler: «Gesellschaft muss entscheiden, was verantwortbar ist»

Eine kürzere Isolations- und Quarantänezeit sei eine Entlastung für die Bevölkerung, sagt die Taskforce-Präsidentin. Doch was bei der Corona-Politik vertretbar sei, liege in den Händen der gewählten Politiker und der Gesellschaft.

Obwohl die Zahlen der mit Corona infizierten Personen stark ansteigen, hat der Bundesrat diese Woche auf weitere Massnahmen verzichtet – er hat hingegen sogar die Quarantäne- und Isolationszeit verkürzt.

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes rechnet damit, dass der Höhepunkt in der Schweiz spätestens Ende Januar erreicht wird. «Danach werden die Zahlen wieder zurückgehen», sagt Tanja Stadler, Präsidentin der Taskforce, in der «Samstagsrundschau».

Entscheidung des Bundesrats ein zusätzliches Risiko?

Die Verkürzung der Isolations- und Quarantänezeit sei eine Erleichterung für die Bevölkerung, sagt Stadler. Ob so allerdings die Ausbreitung des Virus beschleunigt würde, sei nicht klar, ergänzt sie. Diese Massnahmen seien eigentlich vor allem bei tiefen Fallzahlen sinnvoll, um das Virus einzugrenzen.

«Bei den enormen Zahlen, die wir aktuell haben, muss man sich fragen, ob die Person zu Hause immer noch mit höherer Wahrscheinlichkeit infektiös ist als die Durchschnittsperson der Bevölkerung, die nicht in Quarantäne ist.»

Video
Isolationsverkürzung auf dem Prüfstand
Aus 10 vor 10 vom 14.01.2022.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 3 Sekunden.

Wissenschaftliche Daten, die bestätigen, dass man nach fünf Tagen nicht mehr ansteckend ist, gebe es keine. «Manche Menschen werden fünf Tage nach dem positiven Testergebnis noch infektiös sein», sagt Stadler. Es seien allerdings auch viele Geimpfte positiv, bei welchen der Verlauf tendenziell schneller sei. «Aber wie schnell genau – auch dazu gibt es noch keine gesicherten Daten.»

Gesellschaft muss entscheiden, was verantwortbar ist

Könnte man dann nicht gleich, wie etwa die SVP es fordert, auf alle Massnahmen verzichten? «Bei der Isolation wäre ich sehr vorsichtig», sagt die Taskforce-Präsidentin. Man wisse, dass asymptomatische Personen nach zwei bis drei Tagen sehr infektiös seien.

Die Durchseuchungsstrategie, von der in diesen Tagen immer gesprochen wird, müsse man differenziert anschauen, betont Stadler. In einer Pandemie gebe es täglich etwas mehr Durchseuchung. «Diese sagt einfach aus, wie viel Prozent der Bevölkerung das Virus bereits hatten.»

Endemie gleich Ende von Corona?

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Viele Ansteckungen mit milderen Verläufen: Das ist «vielleicht der erste Schritt von einer Pandemie zu einer Endemie». Die Worte von Gesundheitsminister Alain Berset vom Mittwoch lassen Hoffnung aufkeimen.

«Endemisch hat nichts mit Gefährlichkeit zu tun», betont Tanja Stadler, Präsidentin der Taskforce. «Es heisst einfach, dass das Virus da ist und ein erwartetes, gleichmässiges Infektionsaufkommen hat.» Grosse Wellen, welche die Gesundheitsversorgung an den Rand bringen würden, würde es dann nicht mehr geben. «Die Krankheitslast bleibt aber.» Sehr positiv sei, dass die Impfung auch bei Omikron offenbar relativ gut gegen einen schweren Verlauf schütze. «Die Daten deuten darauf hin, dass die Impfung breit schützt», sagt Stadler. «Aber es kann neue Varianten geben, und wir wissen noch wenig darüber, wie gut unsere Immunantwort in einem Jahr sein wird.»

Bei Omikron brauche es nun einen Booster – «und es gibt immer noch Personen, welche die dritte Impfung noch nicht haben, aber berechtigt wären». Für diese sei es in der aktuellen Situation schwierig, sich zu schützen. Dabei müssten die Gesellschaft und die gewählten Politiker entscheiden, was verantwortbar sei – und was nicht. «Die Aufgabe der Taskforce ist es abzuschätzen, was passieren wird.»

Wie gefährlich ist Omikron?

Omikron sei etwa zwei Drittel so aggressiv wie der Wildtyp, sagt Tanja Stadler. Delta war rund doppelt so gefährlich wie das Virus von Anfang 2020. Dass Omikron näher beim Wildtyp sei als bei Delta, sei nicht überraschend, so die Taskforce-Präsidentin. «Omikron ist aus den Viren von 2020 entstanden – hat also nichts mit Alpha oder Delta zu tun.» Eine nicht geimpfte Person habe nun ein ähnliches Risiko, wie es die Gesellschaft im März oder April 2020 hatte. «Potenziell sogar etwas tiefer.»

Da bereits insgesamt rund 90 Prozent der Bevölkerung geimpft oder genesen sind, seien viele zu einem gewissen Grad geschützt. «Daher erscheint Omikron für die Bevölkerung viel harmloser.» Weniger gefährlich ist Omikron laut Stadler aber nicht unbedingt – nur, die Immunantwort vieler Personen ist jetzt viel besser als zu Beginn der Pandemie.

Samstagsrundschau, 15.1.2022, 11:30 Uhr ;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Stöckli  (Lac Léman-Fan)
    T.S.: "bei Omikoron brauche es nun einen Booster...". Hört doch endlich auf mit dieser impfnötigung! Weitere Steuermillionen sollen für eine Booster-Werbung ausgegeben werden., ein Irrsinn. Aber es wird weiter getrampelt, ganz im Sinne von Merkel, 19.02. 2021 am G7-Gipfel: "die Pandemie ist erst besiegt, wenn ALLE Menschen auf der Welt geimpft sind." Es soll mir mal jemand erklären, warum diese Impfung so überlebenswichtig sein soll für die Menschheit - oder vielleicht auch nur für die Elite?
  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen nun die Kommentarspalten und wünschen Ihnen einen angenehmen Samstagabend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Cynthia Meister  (Cyn)
    Wenn die Verkürzung in Zusammenhang mit einem negativen Antigen-Test wäre, denn bestimmt kein Problem. Ohne finde ich eine Verkürzung der Isolationszeit etwas problematisch…