Zum Inhalt springen

Schweiz OSZE-Botschafter: Tragödie als Chance

Bei der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeuges halten sich nach Angaben des Schweizer Botschafters bei der OSZE, Thomas Greminger, zu viele Menschen auf. Angesichts der schwer bewaffneten und wenig vertrauenserweckenden Gestalten vor Ort hat er Sicherheitsbedenken.

Vermummte Männer mit Waffen vor Zivilisten
Legende: Von wenig vertrauenserweckenden Gestalten eingekreist - OSZE-Beobachter an der Absturzstelle. Reuters

«Es hat zu viele Leute. Das beunruhigt uns», sagte Greminger gegenüber «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». Es hielten sich Rebellen, Journalisten und bald auch internationale Delegationen sowie Angehörige bei der Absturzstelle auf. «Immerhin wurde am Samstagnachmittag eine Sicherheitsabschrankung eingerichtet.»

Burkhalter und Greminger
Legende: Botschafter Greminger (rechts, mit OSZE-Präsident Burkhalter): Erstmals wieder Kontakte zu Separatisten. Keystone

Schwer bewaffnete Rebellen

Wenig vertrauenserweckend seien die Leute vor Ort: «Die Rebellen sind schwer bewaffnet - und das ist noch ziemlich diplomatisch ausgedrückt», sagte Greminger weiter. Unklar sei auch, ob die Separatisten die Gruppen unter Kontrolle hätten. «Unsere Beobachter kehren zu ihrer eigenen Sicherheit abends nach Donezk zurück».

Greminger bestätigte frühere OSZE-Angaben, wonach der Zugang zum Unfallort für die OSZE-Experten am Samstag zwar besser war als am Vortag, aber aus Sicht der Organisation immer noch nicht ausreichend. Keine Kenntnisse habe die OSZE davon, dass Rebellen Habseligkeiten der Absturzopfer gestohlen hätten. Leichensäcke würden am Strassenrand für den Weitertransport deponiert.

Legende: Video Chaos nach dem Crash in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 19.07.2014.

Blackbox-Daten fehlen

Die trilaterale Kontaktgruppe (Ukraine, Russland, OSZE) werde mit den Separatistengruppen in Kontakt bleiben, «damit diese ihre Versprechen bezüglich Zugang, Korridor und Zusammenarbeit einhalten», sagte Greminger weiter. Das sei unerlässlich für die Arbeit der internationalen Ermittler. Die OSZE-Beobachter sollen laut Greminger für die Dauer der Untersuchungen vor Ort bleiben.

Zur Blackbox, welche die Rebellen nach eigenen Angaben besitzen sollen und der OSZE übergeben wollen, sagte Greminger: «Wir versuchen, an die Aufzeichnungen zu gelangen, aber bis jetzt haben wir sie noch nicht.»

Vorfall als Chance

Nach dem mutmasslichen Abschuss hofft Greminger auf Verhandlungen über einen umfassenderen Waffenstillstand in der Ukraine. «Die Spannungen sind enorm, aber der Vorfall am Donnerstag könnte auch eine Chance sein.» Nach fast drei Wochen sei danach zum ersten Mal wieder ein direkter Kontakt mit den Separatisten zustande gekommen.

«Wir müssen versuchen, einen Waffenstillstand auszuhandeln, der über das Gebiet der Absturzstelle hinausgeht», sagte Greminger dazu. Das OSZE-Mandat, das am 20. September ausgelaufen wäre, ist nach Gremingers Angaben um sechs Monaten verlängert worden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Schulz, Paderborn
    Wieso eine negative Grundeinstellung. Die sollen froh sein, dass die Freiheitskämpfer das Gebiet sichern. Das ist immer noch ein Kriegsschauplatz, die Kämpfer haben schon so viel Leid gesehen und dann sollen sie auch noch vertrauenserweckend aussehen. Die Leichen wurden in einem großen Gebiet eingesammelt. Alles gut gemacht. Bedankt sich nur keiner. Interteressant dass sich jetzt viele wundern weil ihre negative Vorurteile nicht bestätigt werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nico Basler, Basel
    Mit Mördern verhandelt man nicht!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Und wie einseitig ist das gemeint? Die Amis haben auch schon ein iranisches Zivilflugzeug mit fast 300 Leuten abgeschossen so zur Information...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Wie zwei kleine Kinder, die sich streiten. Bis die Fensterscheibe kaputt geht. Und nun ist sie mit diesem Flugzeugabsturz zerbrochen. Es wäre nun die Chance, den Streit beiseite zu legen. Der Spass ist vorbei. Und man könnte Verantwortung übernehmen. Beide Seiten. Und wer jetzt noch im Puplikum sitzt und versucht, den Streit weiter anzuheizen, ist einfach nur widerlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen