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Parco Nazionale Locarnese Bei diesem Nationalpark scheiden sich die Geister

Rund ums Onsernonetal soll ein neues Schutzgebiet entstehen. Über das Projekt stimmen acht Gemeinden am 10. Juni ab.

Legende: Audio Bald zweiter Nationalpark in der Schweiz? abspielen.
4:12 min, aus Rendez-vous vom 14.05.2018.

Das Onsernonetal wird als die schönste Sackgasse der Welt betitelt. Nur wenige Kilometer Luftlinie von Locarno entfernt ist man in einem abgelegenen kargen Bergtal.

In der Beiz von Loco ist die Sache klar: «Wenn der Park nicht kommt, können wir das Tal schliessen. Dann sind die 700 Menschen hier am Ende», sagt ein Befürworter des Nationalpark-Projekts.

Tessiner Dorf mit Kirche.
Legende: Orte wie Vergeletto im Onsernone sollen dank dem Park weniger Abwanderung erfahren. parconazionale.ch

Der geplante Park käme einem wirtschaftlichen Zustupf für die Täler gleich. Jährlich sollen mehr als fünf Millionen Franken in die Region fliessen. Das meiste davon käme aus Bundesbern.

Lediglich drei Prozent – oder umgerechnet 160'000 Franken – sollen die acht Pfarrgemeinden Onsernone, Ascona, Bosco Gurin, Brissago, Centovalli, Losone, Ronco sopra Ascona und Terre di Pedemonte selber beisteuern. Landschaftlich würde sich nicht viel verändern.

Jäger stellen sich gegen den Park

Was sich ändert, sind die Vorschriften in den so genannten Kernzonen des Parks. Dort darf man dann keine Pilze sammeln oder jagen. Diese Kernzonen sind aber so abgelegen, dass sie von Menschen kaum besucht werden. Durch die neuen Parkvorschriften ändert sich also nicht viel. Das sehen passionierte Jäger natürlich ganz anders. Sie wehren sich mit Händen und Füssen gegen den Park.

Wir wollen, dass diese Gegend bleibt, wie sie ist.
Autor: Renato PedroniHotelier in Brissago

Das Argument der Jäger: Durch das Jagdverbot siedeln sich in den Kernzonen grosse Räuber wie Wölfe an, die früher oder später für Probleme sorgen. Viele Jäger wohnen typischerweise nicht in den abgehängten Tälern. Sie wohnen dort, wo die Wirtschaft brummt.

Alpwiese, in der Ferne Berge.
Legende: Die Region um Bosco Gurin bildet den nördlichen Teil des Nationalparkprojekts Locarnese. parconazionale.ch

Hoffen auf mehr sanften Tourismus

Für Christiano Terribilini, Gemeindepräsident von Onsernone und Park-Promoter, ist der Fall klar. Der Park helfe Touristen anzulocken. Mit dem Label Nationalpark könne diese Gegend hier besser im In- und Ausland verkauft werden. «Wir wollen mit dem Park unsere Landschaft schützen und gleichzeitig dafür sorgen, dass hier das Leben weitergeht», sagt er. Der Park helfe auch mit, die Abwanderung aus den Tälern zu stoppen.

Wenn der Park nicht kommt, können wir das Tal schliessen.
Autor: Gast in der Beiz in LocoBefürworter des Nationalpark-Projekts

Das Label Nationalpark solle den sanften Tourismus fördern: Touristen, die Lama-Trekking machen und in neu hergerichteten alten Häusern übernachten. Das wolle man – und keinen Massentourismus.

Wer schon von den Touristen lebt, ist skeptisch

Den Hotelier Renato Pedroni überzeugt das nicht. Sein Hotel steht unten am See, in Brissago. Auch diese Gemeinde wäre Teil des Parks. Pedroni glaubt nicht, dass der Nationalpark mehr Gäste bringt. Und falls sie trotzdem kommen, brächten sie bloss Verkehr und Umweltverschmutzung.

Der Park würde eine Veränderung mit sich bringen, die dem Hotelier nicht gefällt. Er selber gehe auch viel in die Berge und wolle dort rumlaufen, wie er wolle. «Das wollen auch die Touristen.» Diese Freiheit solle nicht eingeschränkt werden. Und: «Wir wollen, dass diese Gegend bleibt, wie sie ist.»

Brissago-Insel auf dem See.
Legende: Auch die Brissago-Inseln im Lago Maggiore sollen zum Nationalpark Locarnese gehören. parconazionale.ch

Auffallend ist, dass der Widerstand gegen den Nationalpark mehrheitlich von Personen kommt, die nicht in den abgelegenen Bergtälern wohnen. Sie haben Angst, durch den Park etwas zu verlieren. Jene, die wirtschaftlich jedoch bereits viel verloren haben, können diese Angst nicht immer nachvollziehen. Ihnen bietet der Park zumindest die Hoffnung auf ein neues Leben.

Karte des Gebiets.
Legende: Der neue Nationalpark soll zwei Gebiete umfassen, eins um Bosco Gurin, das grössere rund um das Onseernonetal. parconazionale.ch

5 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Ochsner (Hans Ochsner)
    Im Tessin erlebe ich derzeit eine eher mässige Bereitschaft einen guten Service zu erbringen. Man hat es eben nicht so nötig. So wird der Naturschutz der Natur helfen, was sehr zu begrüssen ist. Aber nicht den Beizen die zu sind obwohl gemäss Webpage, Facebook oder Tripadvisor offen. Einmal angebrannt und nie wieder. Zudem: Handwerker die ihre Arbeit nicht erledigen oder verzögern helfen dem Baugewerbe auch nicht. Ich verstehe jeden Deutschschweizer der Material und Leute mitbringt!
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  • Kommentar von Thomas Buri (weder schwarz noch weiss)
    jegliche Art des Naturschutzes und des damit verbundenen Erhaltens von Biodiversität ist zu begrüssen. Besser Gestern als Heute. Es geht dabei auch um die Welt unserer Nachkommen. Hoffe das Projekt wird angenommen.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Genau, Herr Buri, der Schwund an Vogel Vielfalt hat in Frankreich auf Grund der industriellen Landwirtschaft erschreckende Masse angenommen. Da heisst es jedes Stück Landschaft, dass gebeutelten Insekten, Vögel, andere Tier- und Pflanzenarten und den Grossen im Nahrungsgefüge Unterschlupf bieten ist wesentlich. 'GrossRäuber' sollen die besten Garanten für die Herstellung eines jeweiligen Gleichgewichts sind .... nein, ich meine nicht die Jäger ....
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  • Kommentar von Lars Graf (Lars)
    Braucht es nicht und Hilft der Natur nicht.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Herr Graf, warum meinen Sie es helfe der Natur nicht? Eigentlich geht es doch um uns, dass die Spezies Mensch eine Überlebenschance hat. Denn ohne unsere Mitwesen - diese sind müde, haben die Nase gestrichen voll und verabschieden sich - werden wir uns bald selber erübrigt haben. Betrachten wir uns mal in der gewordenen Komplexität des Körpers ein wundersames vielzelliges Wesen? Den Bäumen oft näher als den Menschen fände ich es trotzdem schade, wenn wir uns dermassen aushebeln.
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