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Legende: Video Tamilen-Prediger im Zwielicht abspielen. Laufzeit 11:59 Minuten.
Aus Rundschau vom 11.09.2019.
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Pastor unter Druck Missbrauchsvorwürfe in Tamilen-Kirche

  • Ein tamilischer Pastor aus der Region Bern soll seine Position missbraucht haben.
  • Mehrere junge Frauen berichten von sexuellen Übergriffen – mindestens ein Mädchen soll jünger als 16 gewesen sein.
  • Die Gemeinde Köniz hat ihn angezeigt – wegen Sozialhilfemissbrauchs.

Es sind happige Vorwürfe gegen das Oberhaupt der Tamilischen evangelischen Kirche GGMCI mit Sitz in Bern. In der «Rundschau» berichten junge Frauen von sexuellen Übergriffen durch den 62-jährigen Pastor: «Es ging letztendlich so weit, dass wir Geschlechtsverkehr hatten, mehrmals», erzählt eine junge Frau anonym. Sie sei unter 18 Jahre alt gewesen, als die sexuellen Handlungen mit dem Pastor begannen. In einer schwierigen Lebensphase hatte sie beim ihm Hilfe gesucht.

Legende: Video «Ich war noch nicht 18 Jahre alt.» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.09.2019.

Der Pastor, ein 62-jähriger Tamile aus der Region Bern, ist Gründer und Oberhaupt der Glaubensgemeinschaft GGMCI. Laut Webseite unterhält seine Kirche 25 Gemeinden in fünf Ländern Europas.

Mit Bibelzitaten begründet

Die junge Frau sagt heute, dass der Pastor sie manipuliert habe. Er habe ihr die grosse Liebe vorgespielt und gesagt, Sex sei die höchste Ausdrucksform dieser Liebe. Ein Mann dürfe, auch wenn er verheiratet sei, mit einem unverheirateten Mädchen eine Beziehung eingehen und mit jungen Frauen schlafen – wenn es aus Liebe geschehe. Er habe sein Handeln mit Zitaten aus der Bibel begründet.

Legende: Video «Er sagte, Liebe werde so ausgedrückt.» abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.09.2019.

Die junge Frau erzählt, er habe immer wieder zu ihr gesagt: «Wenn es ein Fehler wäre, was er tue, dann würde ihn Gott bestrafen». Gott würde bei der Predigt nicht mehr wirken. So habe sie ihm geglaubt.

Minderjährige betroffen

Die «Rundschau» erfährt von fünf Frauen aus verschiedenen Ländern, mit denen der verheiratete Pastor sexuelle Handlungen vorgenommen haben soll. Sie alle standen mutmasslich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm.

Eine Frau berichtet, dass der Pastor auf seinen Predigreisen jeweils bei ihrer Familie übernachtet habe und sie, die Tochter, nachts per SMS in sein Zimmer gelockt habe: «Er schrieb mir mitten in der Nacht, er fühle sich so allein, ich solle doch zu ihm rüberkommen». Als sie mit ihm im Bett lag, «kam er immer näher und ich spürte wie er im Intimbereich erregt wurde».

Eine andere Frau schildert detailliert was geschah, als sie im Alter von 13 Jahren aus familiären Gründen bei ihm übernachten musste. Sie hatte Alpträume und der Pastor habe sie zu sich ins Bett geholt. Er habe ihr ins Ohr geflüstert, dass er sie auf andere Gedanken bringen werde. «Dann hat er mich angefasst an den Brüsten, im Intimbereich, den Schamlippen.» Sie spüre das heute noch, sagt sie. Später habe er ihr gedroht, dass sie mit niemandem darüber sprechen dürfe. Sie hat sich daran gehalten – bis sie von der «Rundschau»-Recherche erfahren hat.

Legende: Video «Ich ekle mich bis heute davor.» abspielen. Laufzeit 00:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.09.2019.

Pastor weist Vorwürfe von sich

Der Pastor weist sämtliche Vorwürfe von sich und stellt die Gegenfrage: «Was denken Sie von mir? Ich bin der Pfarrer. (…) Da ist nichts.» Er betont im Interview immer wieder, dass sich ehemalige Mitglieder der Kirche gegen ihn verschworen hätten und ihn fertig machen wollten. Es seien Leute, die er aus der Kirche ausgeschlossen habe. Sie seien von Dämonen besessen.

Legende: Video «Was denken sie von mir – ich bin Pastor!» abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.09.2019.

Anwalt fordert: Täter stoppen

Opferanwalt Christoph Erdös aus Zürich hat Kenntnis von den Vorwürfen gegen den Pastor. Er sagt: «Meiner Meinung nach müsste man so einen Täter ganz klar stoppen in seinem Handeln».

Da der Pastor sämtliche Vorwürfe bestreitet, steht Aussage gegen Aussage. Die Behörden werden jetzt Ermittlungen aufnehmen müssen, denn sexuelle Handlungen mit Kindern gelten als Offizialdelikt.

Möglicher Sozialhilfemissbrauch

Zudem hat der Pastor seit kurzem Probleme mit dem Sozialamt in seiner Wohngemeinde Köniz. Obwohl er laut Kirchenmitgliedern vollamtlicher Pastor ist, bezieht er seit Jahren Sozialhilfe.

Das Sozialamt Köniz gibt aus Datenschutzgründen keine Auskunft zum vorliegenden Fall. Doch die «Rundschau» erfährt, dass eine Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und Sozialhilfemissbrauchs gegen den Pastor eingereicht wurde.

Der Pfarrer bestreitet auch diese Vorwürfe. «Ich nehme keinen Rappen Geld von der Kirche».

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Anne Rosemary  (Anne_Rosemary)
    Ich bin mir sicher, dass die betroffenen Mädchen diese Kommentare mitlesen.
    Ich finde es sehr mutig von ihnen, dass sie so offen über ihren Missbrauch berichten.
    Ihr macht dadurch anderen Mädchen sehr viel Mut ihr Schweigen zu brechen.Ich weiß nicht was schlimmer ist eure dauerhafte Traumatisierung oder das Wegschauen der Gesellschaft besonders seiner Anhänger.Das eine schrecklicher als das andere. Sprachlos ..Ich bin mir sicher, dass SRF nichts herausbringen würde ohne es vorher zu prüfen.
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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Irgendwie komme ich mir wie im falschen und schlechten Film vor.
    Einerseits gibts es hier Kommentare welche sich mehr daran stören, dass der Pastor möglicherweise zu Unrecht Sozialhilfe bezogen hat. Weniger stört es sie dass er möglichweise pubertierende Mädchen genötigt, sexuell und psychisch missbraucht hat.....
    Andererseits gibt es hier Kommentare von seinen Anhängern welche gegen eine Verurteilung ohne Beweise sind, gleichzeitig aber mit Behauptungen nur so um sich werfen.....
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  • Kommentar von Eliah Hofmann  (eliah)
    Wenn einer Vorgibt eng mit Gott und den Heiligen Geist zu wirken, und sowas macht, hat er die Todesstrafe verdient, aber ich vertraue keine Medien. Merkwürdig ist das, wieso diese Frauen nicht schon damals als es geschah, gehandelt haben und erst jetzt? Wo sind die Beweise, jeder kann ja behauten das sowas passiert ist. Wie kann ich dies glauben, wenn die den Pastor veröffentlichen aber diese Mädchen nicht, wenn sie schon zudem stehen! ich stehe nicht hinter ihm, aber will die wahrheit!
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    1. Antwort von Mary Sivap  (Mary_Siva)
      Sie dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um eine andere Kultur handelt. Sex ist ein Tabuthema in Sri Lanka. Missbräuche werden ignoriert und totgeschwiegen. Dass es so lange gedauert hat, bis die Mädchen sich getraut haben, wundert mich nicht. Dass sie sich überhaupt getraut haben, ist ein riesen Schritt in der tamilischen Gesellschaft.
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