Petra Gössi ist die neue FDP-Präsidentin

Die FDP-Delegierten haben Petra Gössi einstimmig zur Parteipräsidentin gewählt. Die Schwyzer Nationalrätin tritt die Nachfolge von Philipp Müller an. Zur Berufspolitikerin mutieren will Gössi jedoch auch an der Spitze der drittstärksten Partei nicht.

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Petra Gössi zur neuen FDP-Präsidentin gewählt

1:45 min, aus Tagesschau vom 16.4.2016

Als Nationalrätin war Petra Gössi bisher wenig bekannt – das dürfte sich nun aber ändern. Die 40-jährige Schwyzerin ist von den FDP-Delegierten zur Parteipräsidentin gewählt worden. Die Wahl war nur noch eine Formsache: Sie war die einzige Kandidatin.

In ihrer Antrittsrede betonte Gössi die Wichtigkeit von Eigenverantwortung. Freiheit und Eigenverantwortung hätten immer die Konsequenz, dass man die Komfortzone verlassen müsse, sagte sie. «Es ist bequemer, immer nach dem Staat zu rufen.» Die FDP sei die einzige Partei, die das Erfolgsmodell Schweiz verteidige, welches von sozialistischen und konservativen Kräften zunehmend in Frage gestellt werde.

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Petra Gössi im Porträt

1:08 min, aus Tagesschau vom 16.4.2016

Für Traditionen und Brauchtum

Gössi, die seit 2011 im Nationalrat sitzt, politisiert im rechten Flügel der FDP. Einen Namen machte sie sich bisher vor allem als Finanzpolitikerin und Interessenvertreterin der Geberkantone beim Nationalen Finanzausgleich (NFA). Als Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gewerbe- und des Hauseigentümerverbands steht die Wirtschaftsliberale zudem dem Gewerbe nah.

Ihre Herkunft in der katholischen Innerschweiz prägten Gössi auch bei der Haltung in gesellschaftlichen Fragen. Traditionen und Brauchtum findet sie entsprechend wichtig. So lehnt sie beispielsweise die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare ab. Auch eine Cannabis-Legalisierung lehnt sie ab.

Mit der SVP hatte Gössi nie Berührungsängste, weder bei kantonalen Wahlen mit gemeinsamen Listen noch in der nationalen Politik. So fiel die Juristin etwa mit klarer Kritik am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf.

Kein Rechtsrutsch

Gleichzeitig fällt es ihr auch nicht schwer, sich abzugrenzen. So ist sie eine klare Befürworterin der bilateralen Verträge mit der EU. Diese sieht sie als Voraussetzung für das Erfolgsmodell Schweiz. Einen Beitritt zur Union lehnt aber auch sie ab.

Als Präsidentin der FDP Schweiz würde sie die Partei ähnlich positionieren, wie der abtretende Parteichef Philipp Müller dies tat. Die FDP werde mit ihr nicht weiter nach rechts rutschen, sagte Gössi in einem Interview.

Gössi wird von den Parteikollegen Caroni und Wasserfallen beglückwünscht.

Bildlegende: Gössi wird von den Parteikollegen Caroni und Wasserfallen beglückwünscht. Keystone

Berufspolitikerin kein Thema

Da Gössi als Nationalrätin keine landesweite Bekanntheit erlangt hatte, kam ihre Ankündigung für eine Kandidatur für das FDP-Präsidium eher überraschend. Doch passt Gössi ins Bild für das Parteipräsidium. Sie gilt als konziliante und verlässliche Schafferin mit klaren Voten.

Trotz der neuen Aufgabe will Gössi ihren Job als Juristin beim Zürcher Vermögensverwaltungs- und Beratungsunternehmen Baryon auf jeden Fall behalten, wie sie in mehreren Interviews betonte. Berufspolitikerin zu werden, schliesst die Nationalrätin aus. Sie will die Bodenhaftung nicht verlieren und weiter am Wirtschaftsleben teilhaben und den Puls der Bevölkerung spüren.

Gössi war von 2004 bis 2011 Mitglied des Schwyzer Kantonsparlaments, die letzten drei Jahre präsidierte sie die FDP-Fraktion. Seit 2012 ist sie Präsidentin der FDP-Kantonalpartei in Schwyz. Dieses Amt gibt sie kommende Woche ab.

Müller geht mit positiven Gefühlen

Zu Beginn der Delegiertenversammlung hatte Philipp Müller seine letzte Rede als Parteipräsident gehalten. Die FDP sei heute sehr gut aufgestellt, sagte er. Müller erinnerte an das Misstrauen vonseiten einiger Freisinnigen, das ihm bei der Wahl zum Parteipräsident vor vier Jahren entgegengebracht worden war: «Das Nasenrümpfen war laut und weit herum im Land zu hören.»

Philipp Müller tritt ab.

Bildlegende: «Ich weiss, wieso Sie so zahlreich erschienen sind: Sie wollen sicher sein, dass er geht», so Müller zu den Delegierten. Keystone

Mit umso mehr Genugtuung sah er auf seine Amtszeit zurück. «Zum ersten Mal seit 1979 haben wir bei den Wahlen wieder zugelegt.» Und das nicht nur bei den nationalen Wahlen. «Seit dem Sommer 2014 gewinnen wir bei den kantonalen und kommunalen Wahlen laufend Wähleranteile.» Das neu besetzte Präsidium übernimmt also eine Partei in einem guten Zustand.

Insgesamt waren Müllers Abschiedsworte weniger eine zukunftsgerichtete Grundsatzrede, denn eine Ansammlung von lustigen Anekdoten und Sprüchen. Die zahlreich erschienenen Delegierten dankten es ihm mit vielen Lachern und lautem Applaus. «Ich weiss, wieso Sie so zahlreich erschienen sind», sagte Müller zu den Delegierten: «Sie wollen sicher sein, dass er geht.»

Übersicht Parolenfassung FDP für Abstimmung am 5. Juni:

  • Änderung des Asylgesetz: Ja
  • «Pro Service public»-Initiative: Nein
  • «Milchkuh-Initiative»: Nein
  • Fortpflanzungsmedizingesetz: Nein
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: Nein