Pflichtlager für Notfälle und Engpässe sollen ausgebaut werden

Die Schweizer Wirtschaft ist verpflichtet, Lager mit lebenswichtigen Gütern anzulegen. Im Kalten Krieg waren sie eine Art Versicherung, gedacht für den Fall, dass die Schweiz von der Versorgung abgeschnitten wird. Trotzdem werden die Pflichtlager nicht abgeschafft, sondern sogar noch ausgebaut.


Gehört Saatgut ins Pflichtlager?

1:56 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.08.2015

Pflichtlager seien wichtiger denn je, sagt Ueli Haudenschild, Mitglied des Leitungsteams im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung. «Wir brauchen die Lager, vielleicht muss ich sagen leider, in den letzten zehn Jahren mehr als je zuvor. Weil einfach die freien Lagermengen der Wirtschaft sehr klein geworden sind.»

Gerade bei den Heil- und Arzneimitteln habe der Bund mehrfach auf diese Lager zurückgreifen müssen. Zuletzt bei den Antibiotika, die Ende des Jahres knapp wurden. Insgesamt sind Waren im Wert von rund drei Milliarden Franken auf Halde gelegt. Damit könnte die Schweizer Bevölkerung notfalls bis zu viereinhalb Monate versorgt werden.

Konsument finanziert die Lager mit

Was drin sein muss im Pflichtlager, bestimmt der Bund. Die Unternehmen müssen dementsprechend bestimmte Vorräte an Speiseölen- und Fetten, Brotgetreide und Benzin, Zucker, Reis und Kaffee vorhalten. Auch die Kosten trägt die Wirtschaft, die sie aber durch Abgaben auf Importe und Preisaufschläge bei den Konsumentinnen und Konsumenten finanziert. Die Preisaufschläge pro Produkt seien marginal, sagt Pflichtlager-Experte Haudenschild.«Bei den Heilmitteln bewegt sich das im Rappenbereich pro Packung und beim Erdöl sogar unter einem Rappen pro Liter Benzin zum Beispiel.»

Insgesamt zahlen Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr rund 15 Franken für die Pflichtlager.

Bauernverband wünscht sich mehr Futtermittel

Auch wenn der Kalte Krieg lange vorbei ist: Die Pflichtlager werden weiter ausgebaut. Neu aufgenommen werden sollten nach Meinung des Bundes zum Beispiel Impfstoffe, ausserdem Saat- und Pflanzgut. Der Bauernverband wünscht sich zudem grössere Vorräte an Futtermitteln. Verbandssprecher Martin Rufer: «Wir schätzen, dass diese Versorgung in Zukunft schwieriger werden kann in gewissen Zeitperioden aufgrund von klimatischen Bedingungen, Wetterereignisssen, aber auch aufgrund von politischen Situationen und entsprechend möchten wir hier gerüstet sein und Saat- und Pflanzgut aufnehmen.»

Die Entscheidung liegt beim Parlament. Der Ständerat hat der Ausweitung auf Saat- und Pflanzgut bereits zugestimmt, der Nationalrat muss erst noch beraten.