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Klinische Studien Pharmaindustrie macht Druck auf Ethikkommissionen

Legende: Audio Weniger klinische Studien abspielen.
2:17 min, aus HeuteMorgen vom 05.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz werden immer weniger klinische Studien durchgeführt.
  • Die Pharmaindustrie sieht vor allem zwei Gründe: Die Schweiz sei klein und die internationale Konkurrenz gross. Zudem seien die Bewilligungsverfahren oft schwerfällig.
  • Die Ethikkommissionen, die den Studien am Menschen jeweils zustimmen müssen, reagieren nun.

185 klinische Studien wurden letztes Jahr in der Schweiz bewilligt. Zehn Jahre zuvor waren es noch fast doppelt so viele. Ein Rückgang, der der Pharmaindustrie Sorgen bereitet, wie Sara Käch vom Dachverband Interpharma sagt.

Der Forschungsplatz Schweiz brauche unbedingt mehr klinische Versuche, wenn er attraktiv bleiben solle. «Es ist auch von Bedeutung für die Universitätsspitäler», sagt Käch. «Wenn diese international den Anschluss an die Spitzenmedizin halten wollen, ist es zentral, dass sie klinische Forschung betreiben können und solche Studien in der Schweiz durchgeführt werden.»

Normalerweise sollten diese Gesuche innerhalb von zwei Monaten durch die Ethikkommissionen beurteilt werden. Das funktioniert nicht.
Autor: Sara KächInterpharma

Starke Konkurrenz

Denn neue Medikamente zu entwickeln und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen, sei eine sehr wichtig Aufgabe, etwa in der Krebsforschung. Für den Rückgang der klinischen Studien in der Schweiz sieht Interpharma verschiedene Gründe: Zum einen sei die Schweiz im internationalen Vergleich ein kleines Land mit eher wenigen Patienten. Und die Konkurrenz sei gross: Länder wie China oder Singapur förderten momentan die klinische Forschung sehr stark.

Zum anderen findet Käch, dass die Bewilligungsverfahren in der Schweiz zu schwerfällig seien. «Normalerweise sollten diese Gesuche innerhalb von zwei Monaten durch die Ethikkommissionen beurteilt werden.» Das funktioniere nicht und bedeute, dass die Fristen immer noch zu lange seien.

Susanne Driessen, die Präsidentin der Schweizerischen Ethikkommissionen, hat ein gewisses Verständnis für diese Kritik. Gleichzeitig betont sie, man habe bereits Schritte eingeleitet, um die Bewilligungsverfahren zu beschleunigen. So soll bei einer klinischen Studie an mehreren Standorten nur noch eine kantonale Ethikkommission über das Gesuch entscheiden.

Missbräuchliche Medikamententests verhindern

«Das hat sich in den letzten Jahren sehr strukturiert und zielführend entwickelt», sagt Driessen. Man sei auf einem guten Weg, um zu verhindern, dass ein Zeitverlust entstehe oder sogar Projekte doppelt beurteilt würden.

Das werde sich bald auch auf die Zahl der bewilligten Versuche auswirken, ist Driessen überzeugt. Zugleich unterstreicht sie aber, dass die Arbeit der Ethikkommissionen auch in Zukunft wichtig sei. Denn es gehe schliesslich darum missbräuchliche Medikamententests zu verhindern.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Lesek Hottowy (Lhot)
    Die schweizer Bürokratie muss sich substantiel verbessern, wenn die Schweiz weiterhin mit der Welt mithalten will. Es ist unverständlich, dass Bewilligungsverfahren über 2 Monate dauern. Leider ist dies nicht nur hier oder bei der Migrationsämtern der Fall, sondern in Steuerämtern und vielen anderen Stellen. Für ein kleines Land wie die Schweiz ist eine Zusammenlegung der Aemter durchaus machbar und eine leistungsabhängige Entlöhnung in den Aemtern dringend notwendig.
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  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Pasteur konnte seine Ansicht durchsetzen, weil er im Gegensatz zu Antoine Béchamp Verbindungen zu einflussreichen Kreisen pflegte. Pasteurs Theorie bringt ein unsterblicher, nie lahmender Goldesel. Die Zahl der angeblich existierenden und krankheitserregenden Mikroorganismen wird täglich größer. Gleichzeitig wachsen die Ängste in der Bevölkerung, immer mehr Medikamente können auf den Markt geworfen und gewinnbringend verkauft werden. Das alles wäre mit Béchamp Theorie nicht möglich gewesen.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    Nachdem Claudia Friesen an der Universität Ulm interessante Beobachtungen mit Methadon und dessen Wirkung an Krebszellen gemacht und die Pharmaindustrie kein Interesse gezeigt hat, kommt nun diese Meldung. Ist das ein Zufall oder Kalkül der Pharmaindustrie? Nach meiner Einschätzung ist dieser Bericht reine Propaganda und der Versuch, sich wieder ins gute Licht zu setzen, der Pharmaindustrie! Dass diese Industrie nur an Studien mit Aussicht auf viel Profit interessiert ist, wurde ja bestätigt.
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    1. Antwort von Cedric Schafroth (Dr. phil. hist.)
      Haben sie die Studie überhaupt gelesen? 1. Waren darin nur Patienten mit Glioblastomen (aggressiver Tumor), eingeschlossen, 2. betrug die Kohortengrösse der Studie "nur" 27 Personen und 3. ich zitiere direkt aus der Studie:" PFS-6 in patients with primary glioblastoma treated this way seems to be at least comparable to that of historic controls." Und sie erwarten ernsthaft, dass ein Pharmaunternehmen, welches immer eine Kosten/Nutzen-Abwägung machen muss, grossflächig darin inverstiert?...
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    2. Antwort von René Balli (René Balli)
      Und wie war es genau mit Tamiflu, Herr Schafroth? Obwohl Milliarden damit umgesetzt wurden, gibt es bis heute keinen offiziellen Wirksamkeitsnachweis! War das auch eine Kosten/Nutzen-Abwägung? Wer die Kosten und den Nutzen bei dieser Geschichte hatte, ist längstens bekannt, irgendwie müssen ja die Roche-Türme bezahlt werden.
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    3. Antwort von Cedric Schafroth (Dr. phil. hist.)
      Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet Herr Balli... ;) Und bzgl. Tamiflu gebe ich Ihnen Recht, der reale Wirkungsnachweis ist mehr als nur umstritten. Trotz allem finde ich es interessant, dass sie auf eine Frage bzgl. Ihrer gemachten Aussage mit einem anderen Topic kontern!
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    4. Antwort von René Balli (René Balli)
      Ich weiche Ihrer Frage nicht aus, Herr Schafroth! Es geht mir gar nicht so sehr darum ob die Beobachtungen von Frau Friesen weiter verfolgt werden, es geht mir viel mehr darum, wie die Industrie reagierte! Nach all den Reaktionen welche ich von der Industrie gehört und gelesen habe, spürt man deutlich, dass diese Industrie eher Angst als Freude von einer Krebsheilung hätte und das ist doch sehr bedenklich, meinen Sie nicht auch? Streben wir nach Gesundheit oder nach Profit der Pharmaindustrie?
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