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Schweiz Pilotprojekt in Zürich: Ganztägige Betreuung an fünf Schulen

An fünf Stadtzürcher Schulen startet ein Pilotprojekt mit Tagesschulen; Schulen, bei denen die Kinder mittags nicht nach Hause gehen, sondern an denen sie essen und betreut werden. Dieses Prinzip kennt man in der Schweiz zwar seit gut 35 Jahren, aber Zürich will es an allen Schulen einführen.

Kinder schreiben etwas auf ihrem Pult.
Legende: Für Stadtzürcher Kinder sind die Sommerferien vorbei. An fünf Schulen werden sie neu ganztags betreut. Keystone

Für Regina Kesselring vom städtischen Schuldepartement ist klar, dass sich ein Grossteil der Eltern in der Stadt Zürich mehr schulische Betreuung für ihre Kinder wünscht: «Wir haben jedes Jahr mehr Kinder und Jugendliche in der Betreuung. Die Tagesschule ist gewissermassen die Antwort auf dieses offenbar grosse Bedürfnis.»

Mittagessen in der Tagesschule statt zuhause

Deshalb will die Stadt Zürich bis ins Jahr 2025 aus jeder städtischen Schule eine Tagesschule machen. Ziel ist es, dass die Schulzeit an allen Schulen einheitlich gestaltet ist. Ab Schulbeginn morgens bis nach Ende der letzten Nachmittagsstunde werden die Kinder an der Schule betreut. Und es gibt ein warmes Mittagessen, das sechs Franken kostet.

Das Interesse der Eltern am Pilotprojekt, das heute startet, sei gross, sagt Kesselring: «Bei diesen fünf Schulen, die starten, hat man gesehen, dass sich die Abmeldungen in einem geringen Umfang bewegen.» Es seien rund zehn Prozent Abmeldungen eingegangen. «Man geht davon aus, dass die Tagesschule ein Selbstläufer ist, und dass man 20 bis 25 – die meisten Volksschulen der Stadt Zürich – in diesem Modell hat.»

SVP spricht von «faktischem Obligatorium»

Die Stadt dürfte sich über die Akzeptanz der Eltern freuen, denn im Vorfeld hatte das Tagesschulprojekt für Kritik gesorgt – unter anderem, weil die Stadt Zürich ursprünglich die Eltern dazu verpflichten wollte, ihre Kinder über Mittag in der Schule zu lassen. Davon ist die Stadt aber wieder abgerückt. Dies auch, weil der Kanton darauf drängte. Marion Voelger von der Zürcher Bildungsdirektion ist überzeugt: «Es ist nicht im Sinne aller Eltern, das Tagesschulen obligatorisch sind. Für uns ist ganz klar, dass Tagesschulen grundsätzlich freiwillig sein müssen.»

Trotzdem sprechen die Kritiker, allen voran die städtische SVP, von einem «faktischen Obligatorium». Es bestehe ein Druck, sein Kind über Mittag in der Schule zu lassen, auch weil die Mittagszeit in Tagesschulen eine halbe Stunde kürzer sei. Da gehe den Familien wertvolle Zeit am Mittagstisch verloren.

Gerade die kürzere Mittagszeit helfe aber, die Kosten tief zu halten, heisst es bei der Stadt Zürich. Zwar kostet die erste Pilotphase fast 20 Millionen Franken. Doch wenn in zehn Jahren die Tagesschulen flächendeckend eingeführt sind, rechnet die Stadt mit Einsparungen von jährlich 30 bis 40 Millionen Franken.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Viele Eltern sehen ihre Kids noch kurz am Abend und gelegentlich am Wochenende. Erziehen, anleiten und Wärme geben, können andere. Wozu braucht man dann überhaupt Kinder? Das hat, wenn man ehrlich ist, sehr viel mit Egoismus zu tun...und wird unter dem Deckmantel des ach so wertvollen Selbständigwerdens verkauft...
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Kinder zeugen, gebären, wochenlanger voll bezahlter Mutterschaftsurlaub und mit 5 Jahren ab in die Obhut des Staates (Tagesschulen)! Dieses Pilotprojekt unterstützt die Konsum- und Spassgesellschaft einmal mehr mit hauptsächlich staatlichen Angestellten und Gelder! Ja, es geht nicht nur ums Geld! Es geht darum, dass beide Eltern (wenn es überhaupt noch einen Vater und eine Mutter fürs Kind gibt!) dem "Stutz" nacheifern können, um sich alles (meist über ihre Verhältnisse!) leisten zu können!
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Die eingewanderten EU-Migranten bringen auch ihre Vorstellungen für erfülltes Leben im Gepäck mit- Kinder abgeben und Geld verdienen. Das soziale (sozialistische) Zürich und Banken-und Wirtschafts-Verbände freuen sich über die Bereitschaft der Eingewanderten, 100% arbeitstätig zu sein und das Mobbing gegen die klassische CH-Familie beginnt. Teilzeitstellen für die arbeitsuchenden CH-Mütter sind Mangelware, die steigenden Lebenskosten können sich eher die Migranten leisten. Viel Kinder leiden.
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