Plastiksäcke an Ladenkassen: 2015 ist Schluss

In der Schweiz dürfen Läden in gut einem Jahr keine Wegwerf-Plastiksäcke mehr gratis abgeben. Für die im Offenverkauf von Früchten und Gemüsen angebotenen Knistersäcke suchen Bund und Detailhandel noch Lösungen.


Die Schweiz ist ein Plastiksack-Sonderfall

3:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.11.2013

Was die EU-Kommission für die Staaten der Gemeinschaft erst anregt, will die Schweiz bereits am 1. Januar 2015 einführen. Ab diesem Datum verbietet der Bundesrat dem Detailhandel per Verordnung, Einweg-Plastiktüten an den Ladenkassen abzugeben.

Damit erfüllt die Landesregierung eine Motion des CVP-Nationalrats Dominique de Buman, der vor bald einem Jahr auch der Ständerat ganz knapp zugestimmt hatte.

Knackpunkt Offenverkauf

Plastiksäcklein mit Einkauf an Ladenkassse

Bildlegende: Plastiksäcke für den Einkauf werden an den Ladenkassen in gut einem Jahr nicht mehr erhältlich sein. Keystone

Allerdings ist die Schweiz mit diesem Verbot der Wegwerfsäcke kein Musterknabe: Andere Staaten wie Frankreich oder Australien haben diese bereits verbannt. Und sogar China kennt ein solches Verbot. Neu will die EU-Kommission den europäischen Staaten nun allgemeine nationale Verbote erlauben.

Der Schweizer Detailhandel und die Grossverteiler hatten die Motion Buman bekämpft. Die Lebensmittelläden bangten nämlich auch um ihre kleinen Knistersäcke, in welchen die Kunden die offen verkauften Früchte und Gemüse einpacken und wägen.

Doch dieses Problem soll in der Verordnung entschärft werden, wie eine Sprecherin des Bundesamtes für Umwelt auf Anfrage erklärte. Beim Verkauf an Marktständen werde es darum gehen, «gute und praxisgerechte Lösungen zu erarbeiten». Das Bundesamt stehe dazu im Gespräch mit dem Detailhandel.

Migros Waadt mit kompostierbaren Plastiksäcken

An den Kassen allerdings verschwinden die bisher für kleinere Einkäufe zusätzlich angebotenen Knistersäcke sicher. Das Verbot zielt aber offenbar primär auf die grösseren Plastiktaschen ab, die an den Kassen erhältlich sind. Damit dürften zumindest die Grossverteiler kaum Probleme haben.

Migros zum Beispiel hat in Genf die weissen Plastiksäckchen schon längere Zeit abgeschafft. Beim stark regional organisierten Detailhändler haben die einzelnen Genossenschaften recht viel Spielraum. So führte die Migros Waadt kürzlich biologisch abbaubare, und kompostierbare Plastiksäcke ein. Die Kunden können die kostenpflichtigen Tragsäcke für den Transport ihrer Einkäufe und später als Säcke für den Kompost nutzen.

Papiertragtaschen weniger gefragt

Und schweizweit verkauft die Migros an den Kassen für zwei Franken Kunststoffsäcke aus Recyclingmaterial. Diese seien sehr stabil und liessen sich nicht nur für die Einkäufe fast unbeschränkt verwenden, betont Migros-Sprecherin Martina Bosshard. Deshalb wiesen sie auch die bessere Ökobilanz als Papiertaschen auf.

Laut der Sprecherin kommt diese Plastiktasche bei den Kunden sehr gut an, während der Verkauf der Papiertragtaschen «leicht rückläufig» sei. Das ist ganz im Sinn der kommenden Verordnung. Diese ziele nämlich darauf ab, so wenig Einwegpackungen wie möglich abzugeben und auf Mehrwegtaschen umzuschwenken.

(SRF 4 News, 7 Uhr, horm)

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wegwerf-Plastiksäcke werden verboten

    Aus Kassensturz Espresso vom 14.12.2012

    Schweizer Läden sollen in Zukunft keine Gratis-Plastiksäcke mehr abgeben dürfen. Der Bundesrat muss im Auftrag des Parlaments ein Verbot ausarbeiten.

    Nach dem Nationalrat hat sich auch der Ständerat für ein Plastiksack-Verbot ausgesprochen. Bei der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz heisst es, der Text des Vorstosses lasse verschiedene Fragen offen. Man warte jetzt die weiteren Schritte der Politik und der Verwaltung ab.

    Tobias Fischer

  • Kampf gegen Gratis-Plastiksäcke in der Romandie

    Aus Rendez-vous vom 5.2.2009

    Die Migros-Genossenschaft Genf stellt seit kurzem keine kostenlosen Plasticsäcke für die Kundinnen und Kunden mehr zur Verfügung. Sie folgt damit dem benachbarten Frankreich, wo solche Säcke schon lange verboten sind.

    Auch das jurassische Parlament hat - gegen den Willen der Regierung - ein kantonales Verbot der kleinen Gratis-Plasticsäcke beschlossen. Der Umweltminister sprach sich gegen den Entscheid aus und verlangte eine nationale Lösung.

    Patrick Mülhauser