Polizei setzte «Heiler» mit Taser ausser Gefecht

Fast 24 Stunden lang hielt der selbsternannte «Heiler» von Bern ein Grossaufgebot der Polizei in Atem. Er hatte sich in seinem Haus verschanzt. Am Mittag beendete die Kantonspolizei den Nervenkrieg: Sie nahm den Mann in Gewahrsam. Im Haus befand sich noch eine zweite Person.

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Neues im Fall vom "Heiler von Bern"

9:32 min, aus Schweiz aktuell vom 15.3.2013

Die Polizei hat am Mittag den selbsternannten Berner «Heiler» in seinem Haus gefasst. Die Beamten der Sondereinheit «Enzian» setzten eine Elektroschock-Pistole, einen so genannten Taser, ein. Der Mann wurde danach ins Spital gebracht.

Der «Heiler» war bewaffnet, als die Beamten ihn stellten. Um welche Art von Waffe es sich handelte, teilte die Polizei nicht mit.

In der Liegenschaft im Berner Stöckackerquartier wurde zudem eine Frau angehalten. Es handelt sich um eine Bekannte des Mannes. Nach Polizeiangaben war sie freiwillig in der Wohnung.

Der «Heiler» hatte sich gut 24 Stunden in seinem Haus verschanzt. Auf den Polizeieinsatz war er vorbereitet – die Tür war mit zusätzlichen Schlössern gesichert.

Der «Heiler» droht und verschanzt sich

Der Mann war am Donnerstagmorgen zum zweiten Mal in Folge nicht vor Gericht erschienen. Er leide an einer «akuten psychischen und physischen Erschöpfung», hiess es in einer Email, die der Verteidiger dem Gericht vorlegte. Bis Ende Woche könne er dem Prozess nicht beiwohnen. Damit gab sich das Gericht nicht zufrieden und stellte einen Vorführungsbefehl aus.

Danach eskalierte die Lage. Zweimal kam der «Heiler» am Donnerstag aus dem Haus, einmal war er laut Polizei mit zwei Messern bewaffnet. Anschliessend verschwand er wieder in der Liegenschaft, ohne dass ihn die Polizei fassen konnte.

Bild der Fassade des Wohnhauses des «Berner Heiler». Hinter den Jalousien ist eine Frau zu sehen.

Bildlegende: Bei der Frau in der Wohnung des «Heilers» handelt es sich um eine Bekannte des Mannes. Keystone

Nach den Worten des Polizeisprechers gestaltete sich der folgende Polizeieinsatz schwierig «wegen der baulichen Situation im Haus». Er spielte damit wohl auf Bilder an, die zeigen, dass der Mann seine Liegenschaft offenbar gegen mögliche Eindringlinge geschützt hatte. Auf den Bildern war zu sehen, dass er an verschiedenen Stellen Überwachungskameras angebracht hatte.

Prozess geht weiter

Dem «Heiler» wird vorgeworfen, 16 Menschen absichtlich mit dem HI-Virus infiziert zu haben. Bereits am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft eine 15jährige Freiheitsstrafe wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung und vorsätzlichen Verbreitens menschlicher Krankheiten gefordert.