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Schweiz Post vom Papst

Ein Schweizer Nationalrat sucht das Gespräch mit dem Papst – und bekommt eine Antwort, die ihn kränkt. Seine homosexuellen Handlungen, so heisst es im Brief aus dem Vatikan, «verstossen gegen das natürliche Gesetz».

Legende: Video Enttäuschende Post aus dem Vatikan abspielen. Laufzeit 07:36 Minuten.
Aus Rundschau vom 21.10.2015.
Hans-Peter Portmann, Nationalrat FDP/ZH in einer Kirche auf einer Bank sitzend.
Legende: Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann ist überzeugter Katholik und schwul. SRF

Nationalrat Hans-Peter Portmann (FDP ZH) lebt seit elf Jahren mit seinem Mann in eingetragener Partnerschaft. Portmann ist Katholik durch und durch. Er war als junger Mann Leiter in der Katholischen Jugendarbeit und wohnte bei einem Pfarrer. Doch ständig hadert er mit der Kirche. «Ich werde wahrscheinlich nie mehr den Frieden finden mit dieser Institution», sagt er im Interview mit der «Rundschau».

Portmann, Bankdirektor und Oberst in der Armee, besuchte im Frühjahr die Botschaft des Vatikans in Bern. Dort legte er seine innere Zerrissenheit dar. Dem Nuntius gab er einen Brief an den Papst mit. Denn Portmann ist nicht klar, auf wessen Seite der Papst steht. Gegenüber Journalisten sagte Franziskus bei seinem Amtsantritt über Homosexuelle: «Wer bin ich, um über sie zu urteilen?»

Unterschiedliche Signale vom Papst

Seitdem sendet der Heilige Vater unterschiedliche Signale aus. Bei seinem USA-Besuch im September umarmte er ein homosexuelles Paar und führte ein langes Gespräch mit ihm. Kurz darauf empfing der Papst eine Standesbeamtin, die sich weigerte, homosexuelle Paare zu trauen. Dies, obwohl ein Gesetz das erlaubt. Die homophobe Beamtin wanderte dafür ins Gefängnis. Der Papst, so sagt Standesbeamtin Kim Davis, habe sie für ihren Mut gelobt.

In Rom findet gegenwärtig die Familiensynode statt. Zweihundert Bischöfe, Kardinäle und Kirchentheoretiker debattieren darüber, was die Kirche mit ihren schwarzen Schafen macht. Mit Geschiedenen zum Beispiel – oder mit Homosexuellen.

Enttäuschung bei Portmann

Politiker Portmann bekam die Antwort aus dem Vatikan kurz vor Beginn der Synode. Das Staatsekretariat bedankt sich im Namen Seiner Heiligkeit für Portmanns Brief. Und es führt aus, homosexuelle Handlungen seien «nicht in Ordnung». «Sie verstossen gegen das natürliche Gesetz.» Konkret: Sie entspringen nicht einer wahren Ergänzungsbedürftigkeit. Im selben Atemzug warnt der Papst vor «neuen Ideologien, welche Partnerschaftsmodelle präsentieren, die mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind».

Hans-Peter Portmann ist enttäuscht. Er hat sich mehr Verständnis vom Papst für seine Lage erhofft. «Für den Ausgang der Familiensynode am kommenden Sonntag bedeutet das nichts Gutes», sagt Portmann. «Es gibt bei den Bischöfen eine Blockade, einen Schritt nach vorn zu machen.»

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Judas Aries (Judas Aries)
    Der Papst kann nur mit gespaltener Zunge reden, wenn er politisch galant allen Seiten gerecht werden will. Auch er muss sich der Verfügung Gottes beugen. Laut 3. Mose 20,13 gilt: „Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt, wie man bei einem Weibe liegt, so haben beide einen Gräuel verübt; sie sollen gewisslich getötet werden.“ Laut Römer 1,27 ist es verboten, wenn „Männer, den natürlichen Gebrauch des Weibes verlassend, in ihrer Wollust zueinander entbrannt sind.“ Römer 1,27. Das ist Politik!
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  • Kommentar von Marlise Hofmann (Bolonka)
    Herr Remark, ich bin mit 45 J. dieser "Institution" freiwillig,beigetreten.Ich kenne Viele, die gerne den umgekehrten Weg machen würden, weil sie mit Vielem einfach nicht einverstanden sind; sie tun es nicht, weil alle ausnahmslos Heimatgefühle empfinden, trotz allem! Ebenso viele haben den Schritt getan, einfach ein Formular ausfüllen - und sie sind nicht mehr was sie waren. Keine Spur von Gehirnwäsche! Fragen Sie doch mal einen Experten auf diesem Gebiet, was denn Gehirnwäsche wirklich ist.
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  • Kommentar von Andreas Remark (andrema)
    Ich frage mich bei solchen Geschichten immer wieder, was einen Menschen dazu bringt, einer Institution die Treue zu halten, die ihn in letzter Konsequenz gar nicht in ihrer Herde haben will. Da scheint wohl die von Klein auf ausgeübte Indoktrination bzw. Gehirnwäsche sich derart massiv in den Hirnwindungen festgesetzt zu haben, dass ein Ausbruch aus dem System quasi einem Verbrechen gegenüber sich selbst wie auch gegenüber dem System gleichkommt. Dabei wäre ein Ausbruch d e r Befreiungsschlag!
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