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Postauto-Skandal Jetzt wollen die Gemeinden ihr Geld zurück

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Skandal um gesetzeswidrige Gewinne bei Postauto ist auch der Ortsverkehr betroffen, wie die «Rundschau» Mitte Woche publik machte.
  • Normalerweise sorgen die Kantone dafür, dass die betroffenen Gemeinden zu ihrem Geld kommen, das sie zu viel bezahlt haben.
  • Nicht aber im Kanton Schwyz – hier sind die Gemeinden selbst gefordert.
Postauto in Wollerau (Symbolbild)
Legende: Postauto in Wollerau (Symbolbild) Keystone

Üblicherweise bezahlen Kantone oder Verkehrsverbunde zumindest einen Anteil an Ortsbus-Verbindungen. Sie sind es denn auch, welche allenfalls zu viel bezahlte Beträge bei Postauto zurückfordern und den entsprechenden Anteil dann den Gemeinden auszahlen.

Der Kanton Schwyz dagegen stellt den Sonderfall dar – hier bestellen die Bezirke oder einzelne Gemeinden die Ortsbusse und müssen diese auch vollumfänglich selbst berappen – entsprechend müssen sie Rückzahlungen auch selbst verlangen. «Ich kenne kein ähnliches Beispiel in anderen Kantonen», sagt Markus Meyer, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr Schwyz.

«Dann wollen wir dieses Geld zurück»

Insgesamt sechs Ortsbus-Linien betreibt die Postauto AG im Kanton, vier davon in Einsiedeln. Bestellt und bezahlt werden diese Linien vom Bezirk – jährlich rund 270'000 Franken. Kein kleiner Posten für einen Bezirk, meint der zuständige Landschreiber Peter Eberle.

«Sollten die Untersuchungen jetzt ergeben, dass auch in unserem Fall gesetzeswidrig zu viel Geld von Postauto verlangt wurde, dann wollen wir dieses Geld zurück», sagt er. Man überlege nun, Postauto AG direkt anzuschreiben und die Firma zu bitten, den speziellen Sachverhalt in Einsiedeln zu untersuchen und dann Bericht zu erstatten.

Der Kanton will helfen

Der Kanton rät den Gemeinden aber, zunächst abzuwarten. «Es macht keinen Sinn, dass Gemeinden oder Bezirke jetzt Einzelzüglein fahren, denn es ist ja noch gar nicht klar, ob unser Ortsverkehr ebenfalls von den falschen Abrechnungen betroffen ist», sagt Markus Meyer. Der Kanton könne sich vorstellen, die Koordinationsaufgabe zu übernehmen und gebündelt für alle Gemeinden und Bezirke die Forderungen bei Postauto zu stellen. Noch vor Abschluss der Untersuchungen aktiv zu werden, mache aber keinen Sinn.

Die Post schreibt auf Anfrage, die laufende Untersuchung schliesse auch den Ortsverkehr ein. Sobald die Fakten geklärt seien, werde Postauto transparent auf die Gemeinden zugehen – bei Fragen könnten sich die Gemeinen auch direkt an Postauto wenden.

Einen Trumpf hat man in Einsiedeln aber noch in der Hand: In den kommenden Monaten soll der Vertrag für den Ortsbus mit Postauto neu verhandelt werden, denn der Auftrag läuft per Ende Jahr aus. «Bevor es da zu einem Abschluss kommt, müssen all unsere Fragen geklärt sein – auch die, ob wir in der Vergangenheit zu viel bezahlt haben», meint Landschreiber Peter Eberle.

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Mehr dazu sehen Sie in der Sendung «Schweiz aktuell» um 19.00 Uhr auf SRF 1.

Die Post – Besitzverhältnisse und Auftrag

9 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Typisch Schweizer Mentalität - die Gier nach "GELD"! Vorerst muss dieser Millionen-Fall minutiös aufgeklärt werden! Dann geht es um die klaren Konsequenzen für die "Täterschaft und deren Mitwissenden-MittäterInnen": rechtlich, finanziell, beruflich! "Falsche Leute, in falschen Positionen" - unbedingte Massnahmen! Dann erst, geht es um die faire Aufteilung der Gelder und deren sorgsamer Umgang!!
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    1. Antwort von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
      @D.C.: Ihrer Massnahmenreihenfolge kann ich voll beipflichten, nicht aber dass Geldgier ein typisch schweizerische Eigenschaft sei. Ich vermute da wird auch mehr an Gerechtigkeit gedacht als an ‚Geldhabenwollen‘ - Dennoch, Gier ist das Grundübel jedes menschlichen Herzens und die Geldliebe eine Wurzel allen Übels. Gerechtigkeit ist eine Person. Ausserhalb dieser Person gibts nie vollständige Gerichtigkeit. Nie.
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Wie sieht das eigentlich bei den SBB diesbezüglich aus?Da werden Bahnhöfe,Schalter und Linien stillgelegt,der Rentabilität wegen,z.B.das bekannte "Läufelfingerli"durch den Hauenstein nach Olten.Die wirklichen,unfrisierten Zahlen kennt wahrscheinlich nicht einmal die zuständige Regierungsrätin.
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  • Kommentar von Raymond Klaus (Ray)
    Absolut richtig. Aber es gibt noch andere Bundes-Betriebe die das gleiche machen.
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    1. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Welche Bundesbetriebe machen das gleiche, bitte? Gibt es Hinweise, Belege? - Haltlose Anschuldigungen wie diese sind unnützes Geschwätz, unehrlich und unschweizerisch.
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    2. Antwort von robert mathis (veritas)
      Tonik ist Ihnen entgangen dass laufend Bundesbetriebe geschlossen werden und das Personal auf der Strasse steht,angeblich wegen Nichtrendite....
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