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Postauto-Skandal Ruoff: «Ich trete nicht zurück»

Legende: Audio Wie weiter nach dem Postauto-Skandal? abspielen.
29 min, aus Samstagsrundschau vom 10.02.2018.
  • Wegen des Buchhaltungsskandals wächst der Druck auf Post-Chefin Susanne Ruoff.
  • Sie räumt in einem Interview Fehler ein, will aber nicht zurücktreten.
  • Auch ihre Vorgänger sowie externe und interne Revisoren hätten die illegalen Machenschaften nicht erkannt.

Seit der Aufdeckung des Buchhaltungsskandals steht die Post-Chefin Susanne Ruoff unter erheblichem Druck. Zurücktreten will sie indes nicht, erklärt sie gegenüber dem «SonntagsBlick».

«Weder gelogen noch sonst etwas Falsches getan»

Sie habe sofort reagiert, als sie im Herbst 2017 von den Vorgängen bei Postauto erfahren habe. Jetzt wolle sie Klarheit schaffen. Und: Sie habe «weder gelogen noch sonst etwas Falsches getan.»

Ruoff hat gemäss eigenen Angaben im vergangenen November von der unrechtmässigen Buchungspraxis bei Postauto erfahren. Sie sei vom Direktor des Bundesamts für Verkehr über fiktive Rechnungen und Verbuchungen informiert worden. Dann habe sie «sofort gehandelt, weil ich eine lückenlose Aufklärung wollte», erläutert die 60-jährige Managerin.

Vorwürfe zurückgewiesen

Dazu habe sie eine Taskforce mit externen Experten gebildet, die dann die illegale Buchungspraxis bestätigt habe. Danach sei klar geworden, dass das Geld zurückgezahlt und die Öffentlichkeit informiert werden müsse.

Vorwürfe, sie habe seit mindestens 2013 von Buchhaltungstricks gewusst und mit dem Management eruiert, wie die Post Gewinne verstecken könne, wies die Konzernchefin zurück. Man habe «getan, was jedes Unternehmen tut: Es überlegt, wie und wo Gewinne anfallen können und wie man diese verwendet. Jedes Management muss dafür Lösungen aufzeigen. Dass man Varianten diskutiert, ist normal.»

«Ich wehre mich gegen Vorverurteilungen»

Ruoff gesteht gegenüber dem Blatt dennoch Fehler ein. Sie hätte sich damals schneller und tiefer mit den Themen rund um die Gewinne bei Postauto beschäftigen sollen, sagt sie. Aber weder sie, ihre Vorgänger noch interne und externe Revisoren hätten die illegalen Machenschaften erkannt, ebenso wenig zunächst die Aufsichtsbehörden.

Wer nach ihrer Auffassung die Schuld für den Skandal trägt, und welches Motiv hinter den illegalen Machenschaften stecken könnte, dazu äussert sich Ruoff nicht: «Ich wehre mich gegen Vorverurteilungen.»

Genügend Rückhalt

Welchen Einfluss die Umbuchungen auf das operative Ergebnis des Unternehmens hatten, und ob dadurch höhere Boni geflossen seien, würden die Untersuchungen zeigen.

Ruoff sieht genügend Rückhalt an der Konzernspitze. Sie habe das Vertrauen und den Rückhalt von Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Mit ihm habe sie geklärt, dass er die Untersuchung leite, um die Objektivität zu gewährleisten.

98 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Immer wieder zeigen solche negativen Beispiele, dass auch in unseren personalintensiven (überbezahlten) Bundesbetriebs-Verwaltungen "Korruption" gar kein Fremdwort ist, das nur in der "Dritten Welt" oder den bekannten "Schurkenstaaten" Alltag ist! Als Bürger der bereits seit 60 Jahren pünktlich Steuern zahlt, hoffe ich, dass dieser "Skandal" gründlich aufgeklärt wird und daraus unmissverständliche Reaktionen eingeleitet werden!
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Wäre sie ein Mann, müsste Sie (vergoldet) gehen. Mal ganz abgesehen davon: wer alles ist in diesen Filz noch involviert? Die Schweiz ist doch kein freies marktwirtschaftliches Land. Viel eher eine Planwirtschaft mit Kartellen und Oligarchen die bestimmen was abgeht. Deshalb werden auch Wirtschaftsverbrecher die Verbindungen zur Politik haben nie bestraft sondern allerhöchst mittels goldigem Fallschirm "entlassen". Aufklärung heisst in der Schweiz: warten bis niemand mehr nachfragt!
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Sehe ich da gewisse Parallelen.. Zuma SA fuehlt sich auch unschuldig und will auch nicht zuruecktreten... urghhh
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