Zum Inhalt springen

Preisabsprachen im Bündnerland Das sagt der Weko-Präsident zum Baukartell-Skandal

Für Andreas Heinemann ist klar: Whistleblower von Missständen müssten besser geschützt werden.

Legende: Audio Weko-Chef Heinemann zum Bauskandal im Engadin abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
02:48 min, aus Nachrichten 3 vom 12.05.2018.

Der Fall sorgt für ein grosses Echo: Die Wettbewerbskommission Weko hat vor gut zwei Wochen mehrere Baufirmen im Engadin gebüsst, weil sie zwischen 1997 und 2012 ein Kartell gebildet haben. Die Baufirmen haben untereinander die Preise abgesprochen und einen Grossteil der Bauaufträge unter sich aufgeteilt.

Es geht um Bauvolumen im Wert von mindestens 100 Millionen. Zu viel bezahlt haben sowohl private Bauherren, als auch die öffentliche Hand. Der Fall der Engadiner Baukartelle ist so umfassend, dass die Weko nicht alle Verfahren abgeschlossen hat. Es geht um 350 bis 400 Bauaufträge.

Bis zu 40 Prozent höhere Preise

Wie hoch der finanzielle Schaden für die privaten Bauherren und die öffentliche Hand ist, lässt sich auch nach den Untersuchungen nur schätzen, so Andreas Heinemann, Präsident der Weko: «Das hat niemand genau berechnet, es gibt allerdings allgemeine ökonomische Studien und der Erfahrungswert liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent an Mehrkosten, die auf die Auftraggeber zukommen.» In Einzelfällen könnten sie aber auch bei 30 bis 40 Prozent liegen.

«Der Baumeisterverband war bis 2008 der Dreh- und Angelpunkt des Kartells.»
Autor: Andreas HeinemannPräsident Weko

Eine wichtige Rolle bei den Absprachen soll jeweils der Graubünderische Baumeisterverband gespielt haben. Er habe die Sitzungen organisiert, an denen die Preisabsprachen getätigt wurden, so der Vorwurf der Weko.

Der Verband räumt zwar ein, zu den Sitzungen eingeladen zu haben. Von den Absprachen will er aber nichts gewusst haben. Der Baumeisterverband weist deshalb die Kritik der Weko zurück. Doch Andreas Heinemann bleibt bei seiner Einschätzung: «Wir haben festgestellt, dass der Baumeisterverband bis 2008 der Dreh- und Angelpunkt des Kartells war.»

Schutz von Whistleblowern soll ausgebaut werden

Den Fall der Engadiner Baukartelle aufgedeckt hat ein Bauunternehmer. Nach eigenen Angaben hat der Informant allerdings einen hohen Preis dafür bezahlt. Nach seinen Enthüllungen erhielt er keine Bauaufträge mehr – sein Unternehmen ging 2013 Konkurs. Es sei kein einfacher Entscheid, einen Missstand aufzudecken, erklärt auch Weko-Präsident Heinemann: «Ein Whistleblower muss sich wegen der Konsequenzen genau überlegen, ob er zur Behörde geht und die Existenz von illegalen Verhaltensweisen aufdeckt. Diese Entscheidung kann ihm niemand abnehmen.»

«Ein Whistleblower muss sich wegen der Konsequenzen genau überlegen, ob er zur Behörde geht.»
Autor: Andreas HeinemannPräsident Weko

Gerade weil Kronzeugen oder Whistleblower oft eine wichtige Funktion hätten, wünscht sich Heinemann, dass der Schutz von Informanten in der Schweiz weiter verbessert wird: «Es gibt die öffentliche Diskussion darüber, wie der Status von Whistleblowern ausgestaltet werden soll.» So werde beispielweise im Arbeitsrecht diskutiert, welche Regeln gelten sollen. «Ich denke, es ist eine gute Idee, diese Regeln weiter zu präzisieren», erklärt Heinemann.

Der aktuelle Fall der Engadiner Baukartelle ist bislang das grösste Verfahren, dass die Weko je geführt hat. Und abgeschlossen sind erst acht von zehn Verfahren. Zudem können sich die betroffenen Unternehmen noch vor Gericht gegen den Entscheid und die Busse der Wettbewerbs-Kommission wehren.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

30 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Meier (ThomasMeier)
    Der Skanda um die Preisabsprache, Vetterwirtschaft, Betrug und Lügereien weitet sich gemäss den Sonntagsmedien weiter aus. Nun hat sie auch Teile der SP und Grünen erreicht. Die schon hinter dem KESB-Skandal stecken, welche diesen armen Mann so schlecht behandelt haben und ihn abführen liessen. Es ist klar, dass sich sowas nicht nur im Bündnerland erreignet. Das passiert überall. Auffällig oft in Links dominierten Städten und Gemeinden...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Wie ernst es den Bündner mit dem Aufräumen des kriminellen Filzes in Ihrem Kanton wirklich ist, wird sich bei den anstehenden kantonalen Regierungsratswahlen zeigen. Das Resultat wird ein interessantes Spiegelbild der vorherrschenden gesellschaftlichen Moral im Südosten der Schweiz abgeben. Hoffe dass es nicht nur beim aktuell grossen Aufschrei und sonst bei Allem wie gehabt bleibt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von JL Hug (JLH)
    Schutz für Whistleblower muss schon lange her! Da viele feine Herren Machenschaften wie Preisabsprachen usw unterstützen wollen diese natürlich diese Diskussion nicht. Die ewige Leier über den Schutz den Whistleblower rechtlich haben „müssten“ muss aufhören. Niedergang den Kartellen! Schutz für Whistleblower!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen