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Probleme mit Fahrenden Reden, reden, reden

Missverständnisse zwischen Fahrenden und Einheimische sind nicht selten. Der Dialog soll helfen, sie auszuräumen.

Legende: Audio Vermittlung zwischen Fahrenden und Einheimischen abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
03:54 min, aus Echo der Zeit vom 31.10.2017.

In der Schweiz gibt es zu wenige Durchgangs- und Transitplätze für Fahrende. Das ist ein altbekanntes, aber immer noch ungelöstes Problem. Und so kommt es vor, dass ausländische Roma mit ihren Fahrzeugen und Wohnwagen einen Parkplatz oder ein Landwirtschaftsgrundstück belegen, ohne dafür eine Bewilligung zu haben.

Oftmals würden dann schwierige Diskussionen beginnen, weiss der Bieler Regierungsstatthalter Philippe Chételat aus Erfahrung. «Dann versucht man mit den Leuten zu reden und zu schauen, ob es allenfalls eine Lösung gibt. Falls nicht, muss man sie höflich bitten, das Gelände zu verlassen.» Das führe auf Seiten der Roma gelegentlich zu lautstarkem Protest.

Kompromisse werden gesucht

Andreas Geringer hat Verständnis für beide Seiten – für Schweizer Behörden wie für die fahrenden Roma. Er ist Präsident des Verbandes Sinti und Roma Schweiz und seit Anfang Jahr auch als Mediator tätig, als Vermittler, wenn es zu Konflikten kommt. Immer wieder gelinge es ihm Brücken zu bauen.

«Wenn man das Gespräch sucht und aufeinander zugeht, kann man sehr vieles lösen», sagt Geringer. Im optimalen Fall findet man einen Kompromiss. So dürfen die Fahrenden beispielsweise für eine gewisse Zeit auf dem Areal bleiben, dafür erhält der Grundstückbesitzer eine finanzielle Entschädigung.

«Der Satz ‹ich muss aufs WC› ist verpönt»

Doch auch mit dieser Abmachung kann es noch zu Konflikten kommen. Etwa wenn fahrende Roma irgendwo auf einer Wiese ihre Notdurft verrichten, obwohl Toiletten-Kabinen zur Verfügung stehen würden. Für traditionelle Roma sei das ganze Thema ein grosses Tabu, erklärt Geringer.

«Durch die Reinheitsgebote ist es verpönt, den Satz ‹ich muss aufs WC› auszusprechen. Man geht einfach aus dem Blickfeld und ist kurz weg.»

Schweizer Umweltvorschriften werden ignoriert

Wenn die Toi-Toi-Häuschen für alle sichtbar auf dem Platz positioniert seien, würden sie fahrende Roma häufig nicht benutzen. Deshalb sollte man die Toiletten-Häuschen irgendwo am Rand, ausserhalb des Blickfelds aufstellen.

Problematisch ist es im Weiteren, wenn ausländische Fahrende in der Schweiz Handwerksarbeiten ausführen und dabei die Schweizer Umwelt- und Gesundheitsvorschriften ignorieren.

«Falls sie sich nicht daran halten, kommt es zu Anzeigen»

Hier sei das direkte Gespräch notwendig, sagt André Honegger, der bei der Kantonspolizei Zürich als Bezirkschef in Bülach arbeitet und schon seit vielen Jahren Kontakte zu ausländischen Fahrenden hat.

«Wir machen sie darauf aufmerksam, was zu tun ist und wenn sie sich nicht daran halten, werden sie selbstverständlich zur Anzeige gebracht. In der Regel genügt allerdings das Gespräch.»

«Es braucht guten Willen auf allen Seiten»

Direkt auf die Leute zugehen, offen mit ihnen reden, Kontakte knüpfen, Vereinbarungen treffen – das habe sich bewährt, sagt Honegger.

Sein Fazit klingt ganz optimistisch. «Die Erfahrung in den letzten Jahren hat mir persönlich auch gezeigt, was sind die Bedürfnisse der Roma und was sind die von uns und dann gibt es sicher Lösungen.» Dazu brauche es einfach guten Willen auf allen Seiten.

Das ist umso dringender, als ausländische Fahrende oft länger hier bleiben als bislang angenommen. Eine Erhebung der Gesellschaft für bedrohte Völker zeigt nämlich, dass sie häufig zwei oder drei Monate in der Schweiz sind.

Infografik zu Fahrenden in der Schweiz
Infografik zu den Roma-Transitplätzen in der Schweiz
Infografik zu den Roma-Transitplätzen in der Schweiz
Infografik zu Fahrenden weltweit

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Für die landesweit grossen Ablehnungen, einen Standplatz für ausländische "Fahrenden" zu erstellen und bereit zu machen, haben die Fahrenden zu 90% selber zu verantworten! Ihr Verhalten (die WC's nicht benützen, dafür die Notdurft überall verrichten, Abfälle nicht ordnungsgemäss entsorgen, bis hin zu arrogantem Verhalten mit den Behörden und Landbesitzern) schrecken viele Gemeinden ab! Diese Fakten sollten kein Grund sein, meinen 1. Kommentar von heute Morgen nicht aufzuschalten!
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  • Kommentar von pedro neumann (al pedro)
    Wovon leben die Romas eigentlich und finanzieren ihre teuren Mercedes und Wohnwägen? Haben sie Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen? Zahlen sie Steuern? Gerne würde ich hier seriöse Antworten sehen....
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Rainer Wendt (56), Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft: „Die Zuwanderung der Roma wird durch eine regelrechte Armutsmafia organisiert. Sie versklavt die Leute,(Prostitution, Kinderarbeit) beutet sie hemmungslos aus und zwingt sie zur Kriminalität.“ Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (36, SPD) sagt: „Allein meine Stadt wird das 15 Millionen Euro im Jahr kosten.“
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    2. Antwort von pedro neumann (al pedro)
      Danke, Herr Räumelt. Ich vermutete etwas in der Art. Das darf man bloss nicht laut sagen...ist dann wohl Diskriminierung...
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    3. Antwort von kurt trionfini (kt)
      Herr Räumelt: Ihr Beitrag zeigt die "schwarze Seite "der Medaille". Die war mir bekannt. Die mir weniger bekannte, "weisse Seite" der Medaille finden Sie in meinem Beitrag. Beides Aussagen von Fachleuten denen wir offensichtlich beide vertrauen. Was nun? "Schwarz"oder "Weiss"? Oder gar beides: "Armutsmafia" genauso wie "Korrektes Verhalten"?
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    4. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Hier gibt es keine weisse Seite.. vielleicht hellgrau.. größtes Problem sind einschlägig bekannte Roma-Clans. In der Abteilung für Organisierte Kriminalität BKA, gingen die Bandeneinbruchsdelikte zu weit über 50 % auf das Konto von Roma- / Rumänen-Gruppen. Diese Täter operieren in der Regel überregional; viele reisen aus Nachbarländern wie Belgien und Frankreich für die Einbruchssaison in die Schweiz und BRD und ziehen von hier aus über Wochen auf Beutetour durchs Land.
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    5. Antwort von kurt trionfini (kt)
      Herr Räumelt; Das wird so stimmen. Was ich nicht auf die Reihe bringe: Wer geht schon auf mit schwerfälligem Wohnwagen, Kind und Kegel sowie Standplatz bedingten Polizeikontakten auf Diebestour?
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  • Kommentar von kurt trionfini (kt)
    Kompliment für die informativen Grafiken. Der Beitrag im heutigen "Bund" mit dem Titel "Polizisten raten: Schafft Plätze" hat mich überrascht. Zitiert wird André Honegger; Kantonspolizei Zürich: "Als Bezirkschef (...) habe er erfahren dass "man von Roma korrektes Verhalten erwarten darf, wenn man selber korrekt auftritt". Laut "Bund" Artikel "steht er mit dieser Haltung durchaus für den Grundtenor" von "Kantonspolizisten aus den Kantonen Aargau, Bern und Thurgau". Danke für Ihre Kenntnisnahme.
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