Justizministerin in Dänemark Projekt gegen Radikalisierung: Sommaruga lobt «Aarhus-Modell»

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Sommaruga: Programm gegen Radikalisierung

4:51 min, aus 10vor10 vom 7.4.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei ihren Gesprächen in Dänemark hat sich Bundesrätin Sommaruga insbesondere auch über das sogenannte «Aarhus-Modell» zur Deradikalisierung und Prävention von Radikalisierung informiert.
  • Das «Aarhus-Modell» zeichnet sich durch eine enge Zusammenarbeit von Schulen, Sozialbehörden und Polizei aus.
  • Bis in die zweite Jahreshälfte 2017 soll der Nationale Aktionsplan der Schweiz zur Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus erarbeitet werden.

Über das dänische Programm zur Deradikalisierung und Prävention von Radikalisierung, das sogenannte «Aarhus-Modell» hat sich Bundesrätin Simonetta Sommaruga vor Ort ein Bild gemacht.

Zusammenspiel aller relevanten Akteure

Die Justizministerin zeigte sich beeindruckt von der breit abgestützten Zusammenarbeit. «Das Zusammenspiel aller relevanten Akteure auf den verschiedenen Ebenen ist zentral für das Gelingen des Programms», sagte Sommaruga. Die Schweiz könne von den Erfahrungen der Dänen profitieren.

Zuvor liess sich Sommaruga das Programm der Stadt Aarhus zeigen. Praktikerinnen und Praktiker von Jugend-, Sozialarbeit und Polizei berichteten von ihrer täglichen Arbeit mit den meist jugendlichen Personen, deren Familien und dem weiteren Umfeld.

Rückkehr ins Alltagsleben

Das «Aarhus-Modell» zeichne sich aus durch eine enge Zusammenarbeit von Schulen, Sozialbehörden und Polizei, schreibt das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) in einer Mitteilung. Diese so genannte SSP-Initiative sei bereits vor rund 40 Jahren ins Leben gerufen worden, um ganz allgemein der Kriminalität vorzubeugen. Heute umfasse das «Aarhus-Modell» verschiedene Programme, zum Beispiel auch in Gemeinschaftszentren oder in Schulen.

Diese Programme sollen zum einen Personen von einer gewalttätigen Radikalisierung abhalten. Zum anderen sollen sie Personen, die sich bereits strafbar gemacht haben, Chancen für einen Ausstieg und eine Rückkehr zu einem Alltagsleben bieten.

Schweiz arbeitet Aktionsplan aus

Begleitet wurde Sommaruga in Dänemark von André Duvillard, dem Delegierten für den Sicherheitsverbund Schweiz (SVS), der bis in die zweite Jahreshälfte 2017 mit Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden den Nationalen Aktionsplan der Schweiz zur Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus erarbeitet.

Auch in der Schweiz sei die Mitwirkung aller Stellen in allen Bereichen der Gesellschaft und auf allen Ebenen des Staates für das Gelingen entscheidend, sagte Sommaruga mit Blick auf den Aktionsplan. «Dazu gehören auch das familiäre Umfeld, Schulen und Arbeitgeber von betroffenen Personen.»

Auf betroffene Personen zugehen

Sommaruga betonte jedoch, dass es alleine mit der Ausarbeitung des Aktionsplans nicht getan sei. «Der Plan muss umgesetzt und gelebt werden», betonte sie. Man müsse auf die betroffenen Personen zugehen, sie begleiten und mit ihnen im Gespräch bleiben.

Ziel sei es, mit den Massnahmen möglichst früh anzusetzen, noch bevor die Strafverfolgungsbehörden eingreifen müssten.

Grosse Herausforderungen

Am Nachmittag tauschte sich die Justizministerin in Kopenhagen mit ihrem dänischen Amtskollegen Søren Pape Poulsen aus. Die beiden seien sich einig, dass Radikalisierung, gewalttätiger Extremismus und Terror auch für Dänemark und die Schweiz grosse Herausforderungen darstellen, schreibt das EJPD.

Und: Nicht nur in dänischen Gefängnissen sei Radikalisierung ein grosses Thema, so Sommaruga. «Auch in der Schweiz.»