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Tötungsdelikt Adeline M. Psychiater zweifeln an Therapierbarkeit des Täters

Die beiden Schweizer Gutachter haben ihre Prognose zum Fall Fabrice A. präsentiert. Sie schätzen das Risiko für Wiederholungstaten als sehr hoch ein. Sie betonen aber auch, keine Aussagen zur lebenslangen Verwahrung machen zu können.

Gerichtszeichnung von einem Mann im Profil
Legende: Fabrice A. hat gestanden, im September 2013 die Sozialtherapeutin Adeline M. auf einem Freigang getötet zu haben. Keystone

Keine Langzeit-Prognose

Der Angeklagte sei mit 42 Jahren noch relativ jung. Deshalb könne keine Therapieprognose auf Lebenszeit gemacht werden, betonten die Psychiater. Allerdings zweifeln die Experten in ihrem Gutachten daran, ob sich Fabrice A. ändern könne. Ihrer Ansicht nach will er sich immer in ein gutes Licht rücken.

Ich denke, dass er uns willentlich angelogen hat.
Autor: Alexandra RagethPsychiatrische Gutachterin im Fall Adeline M.

Gestern Nachmittag waren bereits die beiden französischen Gutachter an der Reihe. Auch sie wagten keine Prognose auf Lebenszeit.

Verwahrungsfrage allgegenwärtig

Die beiden Schweizer Experten beschrieben den Angeklagten als Psychopathen mit einem schwer gestörten Sexualtrieb. Die Einschätzung der beiden Experten-Duos ist entscheidend für die Frage einer lebenslänglichen Verwahrung, die im Zentrum des Prozesses steht.

Viele der Fragen an die Schweizer Experten drehten sich um dieses Thema. Nur wenn zwei Gutachten unabhängig voneinander zum Schluss kommen, dass der Angeklagte dauerhaft nicht therapierbar ist, kann die Höchststrafe im Sinne der Verwahrungsinitiative verhängt werden. Der Prozess wird morgen Donnerstag mit der Befragung der Angehörigen des Opfers sowie mit dem Plädoyer von Generalstaatsanwalt Olivier Jornot fortgesetzt.

Die Vorgeschichte:

  • Fabrice A. muss sich wegen Mordes, Freiheitsberaubung, sexueller Nötigung und Diebstahlt vor Gericht verantworten.
  • Er hat gestanden, die Genfer Sozialtherapeutin Adeline M. auf einem Freigang getötet zu haben.
  • Dem schweizerisch-französischen Doppelbürger droht die lebenslängliche Verwahrung.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Für die Mediziner gibt es nie 100% Sicherheit. Die operieren mit Tendenzzahlen. Die Enschätzung als "sehr hoch" sollte dem Richter aber den entscheidenden Hinweis für die Ernst der Lage liefern. Schliesslich liegt der Entscheid am Mut und Rückgrat des Richters. Ich persönlich möchte solche Typen nie mehr in der Öffentlichkeit wissen. Ein evtl-er Fehlentscheid sollte auch eher ihn benachteiligen, als unsere Gesellschaft.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Es geht nicht um Mut und Rückgrat. Die Richter müssen sich nach den Gesetzen richtigen, ansonsten wird das Urteil später kassiert. Der erste Prozess ist ja bereits geplatzt.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Doch, schon. Denn es braucht schon Mut vom Richter, den Ermessensspielraum voll auszuschöpfen und die höchstmögliche Strafe auszusprechen. Die LL-Verwahrung wird ja zusätzlich zum Strafmass ausgesprochen, nicht? Ich finde, solche gesellschaftlich wichtige Entscheide dürfen ruhig das Risiko der Kassation eingehen. Aber das ist natürlich nicht tröstend für die Opferfamilie, das sehe ich ein.
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    3. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Schauen Sie sich mal den entsprechenden Artikel (123a) in der BV an. Dieser gibt den Richtiger nur sehr wenig Spielraum und fordert unter anderem 2 unabhängige Gutachten, welche zum gleichen Schluss kommen müssen. Hier liegt der Knackpunkt und der Grund, wieso der 1. Prozess geplatzt ist.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Um die Gefährlichkeit eines/dieses "Mörders" einschätzen zu können, benötigt es keiner teuren Spezialisten - ein Mörder, gehört für immer hinter Gitter!!
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  • Kommentar von Michel Koller (Mica)
    Ich finde die Sache mit der Verwahrung schon etwas seltsam. Er mag ja nicht psychisch krank aber ein perverser Psychopath sein. Das ist ja noch wesentlich schlimmer. Psychopathen sind selten therapierbar aber dafür oftmals hoch anpassungsfähig. Die können jahrelang eine Rolle spielen und das Gegenüber in falscher Sicherheit wiegen.
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