Qualitäts-Journalismus wird zur Mangelware

Es steht schlecht um die Medien in der Schweiz. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Zürich . Zu oberflächlich sei die Berichterstattung – Ereignisse würden kaum in einen grösseren Kontext eingebettet. Der Qualitätsjournalismus verliere zudem weiter an Boden.

Ein Zeitungsständer mit mehreren Schweizer Zeitungstitel.

Bildlegende: Vor allem die Printmedien haben einen schweren Stand in der Schweizer Medienlandschaft. Keystone

Wohin geht die Schweizer Medienlandschaft? Diese Frage stellen sich die Mitarbeiter vom Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) dieses Jahr bereits zum vierten Mal. In der Studie «Qualität der Medien Schweiz» nehmen die Forscher der Universität Zürich die Entwicklungen in der Schweizer Medienlandschaft kritisch unter die Lupe.


Kurt Imhof im Gespräch zum Jahrbuch der Medien

4:19 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.09.2013

Das Resultat ist ernüchternd: Die Schweizer Medien ordnen Ereignisse zunehmend schlechter ein, die Berichterstattung sei oft Episodenhaft und vermittle kein Hintergrundwissen, so das Fazit. Die Forscher sehen darin einen weiteren Beleg für die andauernde Medienkrise. «Das was Recherchen nach sich zieht, was Geschichten mit Hintergrund sind und auch was reflexiv ist, das nimmt ab», erklärt Kurt Imhof vom fög im Gespräch gegenüber SRF.

Bemerkbarer Nutzungsschwund

Schlecht steht es laut den Forschern der Universität Zürich um die Informationsmedien von Presse, Radio und TV. Bei diesen mache sich ein Nutzungsschwund bemerkbar. Zu diesem Urteil kam die Studie bereits in den Vorjahren. Allein bei der Informationspresse seien die Werbeerlöse im Vergleich zu 2011 um 183 Millionen Franken zurückgegangen.

Dies stellt laut Imhof ein massives Problem dar: «Die Bürger müssen in der Lage sein, sich über ihr Gemeinwesen Gedanken zu machen. Das setzt einen professionellen Journalismus, der Hintergründe aufzeigt, zwingend voraus.» Doch genau dieser Journalismus verliere an Werbemittel und damit seine Lebensgrundlage. Für eine funktionierenden Demokratie sei der Journalismus aber unverzichtbar. Darum müsse man neue Wege finden diesen zu finanzieren, «das kann nicht nur vom Markt abhängig sein», so Imhof.

Qualität auf dem Abstieg

Am schlechtesten schneiden in der Studie die Gratiszeitungen und die Online-Angebote der Boulevard-Medien ab. Diese ordneten Ereignisse am wenigsten ein und der Anteil an Softnews sei überdurchschnittlich hoch. Ein besseres Zeugnis erhielten die Boulevard-Zeitungen.

Generell sei aber ein Rückgang bei der Qualität der Schweizer Medien zu verzeichnen. Medientitel mit hoher Qualität kämpfen mit sinkenden Auflagen und schwindenden Nutzerzahlen. Parallel hätten Angebote mit niedriger Qualität massiv zugelegt. Dieser Trend sei besonders bei den Westschweizer-Medien ins Gewicht gefallen.

Immer mehr Softnews

Schlecht steht es laut der Studie auch um die Qualität der Nachrichten. Die inhaltlich relevanten Hardnews mussten im Vergleich zum Vorjahr vermehrt den meist unterhaltsameren Softnews Platz machen. Das hat laut Imhof auch mit einer zu starken Publikumsorientierung der Medien. «Der Journalismus schaut generell zu fest auf das Publikum», so der Medienforscher.

Geht es um die Nachrichtenqualität, steht das öffentliche Radio an der Spitze, gefolgt von den überregionalen Abonnementszeitungen wie der «Neuen Zürcher Zeitung», «Le Temps» oder «Tages Anzeiger». Die Online-Portale schafften es aber nicht auf den Olymp der Qualität. Sie rangieren im Mittelfeld oder weiter unten.

Video «Ueli Maurers Medienschelte» abspielen

Ueli Maurers Medienschelte

75 min, aus Club vom 24.9.2013