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Schweiz Radioaktive Altlasten in Biel – Behörden schwiegen

Bei den Bauarbeiten für die Autobahnumfahrung von Biel ist 2012 radioaktives Material gefunden worden. Es lag auf einer Deponie und stammt wahrscheinlich aus der Uhrenindustrie. Die Bevölkerung wurde nie informiert. Der Bund und die Stadt Biel schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Karte Biel
Legende: Auf der ehemaligen Deponie gab es bis vor wenigen Jahren Schrebergärten. SRF

2012 haben Fachleute auf einer ehemaligen Deponie in der Stadt Biel radioaktives Material gefunden. Die Strahlendosis der radioaktiven Abfälle betrug bis zu 300 Mikrosievert pro Stunde. «Das ist ein hoher Wert, der die Grenzwerte übersteigt», sagt Sybille Estier, Sektionsleiterin Umweltradioaktivität im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Sie bestätigt damit einen Artikel der «SonntagsZeitung».

Nicht informiert

Trotzdem wurde die Bevölkerung damals nicht informiert. Wieso dies nicht geschah, ist unklar: Das BAG teilt mit, es habe die Stadt Biel aufgefordert, dies zu tun. Dies bestätigt die zuständige Gemeinderätin, Barbara Schwickert von den Grünen, gegenüber Radio SRF. Das BAG habe aber im Frühling dieses Jahres diese Aussage korrigiert und ganz klar die Empfehlung gegeben, nicht zu informieren.

Der ehemalige Leiter des Strahlenschutzlabors beim BAG, Heinz Surbeck, kritisiert das Vorgehen des BAG. «Im Nachhinein informieren, das sieht immer schlecht aus.» Die Zuständigkeit sei klar. «Der Bund ist verantwortlich für alles was mit Radioaktivität zu tun hat. Gemeinden oder Kantone haben da eigentlich gar nicht viel zu sagen.» Wie das BAG geht er aber davon aus, dass für die lokale Wohnbevölkerung keine Gefahr droht.

Boden und Wasser wird untersucht

Die radioaktive Kontamination war 2012 nur per Zufall beim Autobahnbau entdeckt worden. Der Kanton Bern als Bauherr der A5-Baustelle im Brüggmoos rüstete in der Folge die Bauarbeiter mit Dosimetern aus. Auch wurde am Ausgang der Baustelle der Aushub nach Radioaktivität untersucht. Seither wird sicher gelagert, was strahlt. Für die Bauarbeiter lag ab diesem Zeitpunkt keine Gefahr vor.

Auf dem Gebiet der ehemaligen Deponie befinden sich zahlreiche Wohngebäude. Für die Bewohner bestand laut Estier zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr, weil die Deponie abgedeckt wurde.

Um jegliches Risiko für die Bevölkerung ausschliessen zu können, will das BAG in den kommenden Wochen Erdreich und Grundwasser auch unterhalb der Wohngebiete analysieren. Das Amt rechnet damit, dass die Resultate im Verlauf des Sommers vorliegen.

20 Kommentare

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  • Kommentar von R.Käser, Zürich
    Die Schlagzeile wandert schon nach unten mit einer Halbwertszeit von einer Handvoll Tage. Leider zerfällt das zufällig gefundene und verschwiegene Gift nicht so schnell. Es mit einer kleinen Hoffnung zu hoffen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Ich bin mir sicher, dass die Behörden beweisen können, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Das werden wir dann auch glauben - ODER?
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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    Bis noch nicht mal so lange her hatten wir alle einen Wecker mit Radon Zifferblatt neben unserem Kopfkissen oder an der Hand. Wäre nun interessant zu wissen wie stark die Strahlung in diesem Gebiet wirklich war. Eventuell nicht stärker als die natürliche Strahlung in einem Granit-Alpen Bergdorf? Mit dem Wort Strahlung kann man scheinbar die Massen ganz einfach verängstigen...
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    1. Antwort von B. Küng, Biel
      Jaeger, wenn Sie das ja nicht so schlimm finden, kann man ja die Radium-verseuchte Erde aus dem Mühlefeld-Quartier in Ihrem Garten deponieren und vielleicht eine Kostprobe davon neben Ihr Kopfkissen hinlegen. Sie können dann in Ihrem Garten Gemüse à la Radium ziehen, gell?
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Gemäss Behörden gab es nie eine Gefahr für die Bevölkerung. Wie man aber liest, soll nun das Grundwasser analysiert werden, die Resultate werden im Sommer vorliegen. Man merke, wie seriös die Aussagen sind. Ohne weitere Analysen wird einfach angenommen, dass keine Gefahr besteht bzw. bestand... Diesem Muster begenet man immer und immer wieder: keine Gefahr heisst es. Beim genaueren Hinsehen: Aussage ohne die nötigen Untersuchungen, welche solch eine Aussage erlauben würden!
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