Radioaktive Altlasten in Biel – Behörden schwiegen

Bei den Bauarbeiten für die Autobahnumfahrung von Biel ist 2012 radioaktives Material gefunden worden. Es lag auf einer Deponie und stammt wahrscheinlich aus der Uhrenindustrie. Die Bevölkerung wurde nie informiert. Der Bund und die Stadt Biel schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Karte Biel

Bildlegende: Auf der ehemaligen Deponie gab es bis vor wenigen Jahren Schrebergärten. SRF

2012 haben Fachleute auf einer ehemaligen Deponie in der Stadt Biel radioaktives Material gefunden. Die Strahlendosis der radioaktiven Abfälle betrug bis zu 300 Mikrosievert pro Stunde. «Das ist ein hoher Wert, der die Grenzwerte übersteigt», sagt Sybille Estier, Sektionsleiterin Umweltradioaktivität im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Sie bestätigt damit einen Artikel der «SonntagsZeitung».


Das strahlende Erbe der Uhrenindustrie

3:14 min, aus Echo der Zeit vom 01.06.2014

Nicht informiert

Trotzdem wurde die Bevölkerung damals nicht informiert. Wieso dies nicht geschah, ist unklar: Das BAG teilt mit, es habe die Stadt Biel aufgefordert, dies zu tun. Dies bestätigt die zuständige Gemeinderätin, Barbara Schwickert von den Grünen, gegenüber Radio SRF. Das BAG habe aber im Frühling dieses Jahres diese Aussage korrigiert und ganz klar die Empfehlung gegeben, nicht zu informieren.

Der ehemalige Leiter des Strahlenschutzlabors beim BAG, Heinz Surbeck, kritisiert das Vorgehen des BAG. «Im Nachhinein informieren, das sieht immer schlecht aus.» Die Zuständigkeit sei klar. «Der Bund ist verantwortlich für alles was mit Radioaktivität zu tun hat. Gemeinden oder Kantone haben da eigentlich gar nicht viel zu sagen.» Wie das BAG geht er aber davon aus, dass für die lokale Wohnbevölkerung keine Gefahr droht.

Boden und Wasser wird untersucht

Die radioaktive Kontamination war 2012 nur per Zufall beim Autobahnbau entdeckt worden. Der Kanton Bern als Bauherr der A5-Baustelle im Brüggmoos rüstete in der Folge die Bauarbeiter mit Dosimetern aus. Auch wurde am Ausgang der Baustelle der Aushub nach Radioaktivität untersucht. Seither wird sicher gelagert, was strahlt. Für die Bauarbeiter lag ab diesem Zeitpunkt keine Gefahr vor.

Auf dem Gebiet der ehemaligen Deponie befinden sich zahlreiche Wohngebäude. Für die Bewohner bestand laut Estier zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr, weil die Deponie abgedeckt wurde.

Um jegliches Risiko für die Bevölkerung ausschliessen zu können, will das BAG in den kommenden Wochen Erdreich und Grundwasser auch unterhalb der Wohngebiete analysieren. Das Amt rechnet damit, dass die Resultate im Verlauf des Sommers vorliegen.