Randalierende Fans in Zügen: «Das ist unhaltbar»

Immer noch randalieren Sportfans in Zügen, demolieren Wagen, bedrohen Mitreisende oder ziehen die Notbremse. An einem neuen runden Tisch wurde nun vereinbart, die Vorfälle vorerst einheitlich zu erfassen und zu beobachten. Wie gravierend das Problem für die SBB ist, schildert Mediensprecher Scherli.

Jugendliche prosten sich in einem Zugabzeil sichtbar lautstark zu.

Bildlegende: Schlachtenbummler auf dem Weg zum Spiel: Nicht immer bleibt es beim fröhlichen Biertrinken. Keystone Archiv

Verschmierte Wagons, herausgerissene Sitze, eingeschlagene Scheiben: Fussballfans richten im Bahnverkehr immer wieder grossen Schaden an. Viele Ideen sind lanciert worden, wie das Problem anzugehen sei, doch Fortschritte sind bislang kaum festzustellen, wie SBB-Sprecher Reto Scherli im Interview darlegt.

SRF News: Hat sich die Situation in Bezug auf randalierende Sportfans in Eisenbahnzügen etwas beruhigt?

Reto Scherli, SBB-Mediensprecher: Leider nicht. Zwar hat es dank verbesserter Zusammenarbeit mit einzelnen Fanclubs punktuelle Verbesserungen gegeben. Doch bei vielen Fantransporten besteht eine potenzielle Gefahr: Unsere Mitarbeiter können sich nicht sicher fühlen, Mitreisende müssen geschützt werden. Auch Reisende auf Bahnhöfen sind nicht sicher, immer wieder fliegen Bierflaschen aus vorbeifahrenden Fanzügen auf die Perrons. Das ist kein haltbarer Zustand.

Welche Sachbeschädigungen stellen Sie in Fanzügen denn konkret fest? Welche Gefahren bestehen für Ihr Personal?

Grundsätzlich muss man betonen: Es ist immer nur eine kleine Minderheit, die sich in den Fanzügen nicht anständig benimmt. Trotzdem werden immer wieder Polster beschädigt, die Wagen werden stark verunreinigt indem Getränke und Esswaren einfach auf den Boden geworfen werden.

Im April musste in Pratteln ein Zug mit FCZ-Fans anhalten. Wie stark stört ein solcher Zwischenfall den Bahnbetrieb?

Leider kommen solche Zwischenfälle immer wieder vor. Es geschieht relativ häufig, dass die Notbremse gezogen wird und Fans dann aussteigen. Das ist lebensgefährlich, denn auf den benachbarten Geleisen fahren andere Züge vorbei. Deshalb müssen wir den Bahnbetrieb aus Sicherheitsgründen jeweils unterbrechen, wenn die Notbremse auf offener Strecke – oder auch in einem Bahnhof – gezogen wird.

«  Kostentreiber ist das für die Sicherheit nötige zusätzliche Personal. »

Sie sprechen von ungedeckten Zusatzkosten in Höhe von drei Millionen Franken, die dadurch für die SBB entstehen. Wieso sind die so hoch?

Für viele Fanzüge müssen wir zusätzliches Personal aufbieten und zusätzliche Sicherheitsmassnahmen treffen. Es sind nicht die verursachten Schäden an den Bahnwagen, welche die hohen Kosten ausmachen. Der eigentliche Kostentreiber ist das notwendige zusätzliche Personal. Dabei geht es darum, die Sicherheit unserer eigenen Leute, die auf den Fanzügen arbeiten, garantieren zu können, aber auch die Sicherheit der Mitreisenden. Die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste in den Fanzügen ist anständig und geniesst die Fahrt. Aber auch sie sind zuweilen von Ausschreitungen betroffen und müssen geschützt werden können.

Erstmals hat sich nun ein runder Tisch der involvierten Akteure getroffen. Nützt es etwas, zusammenzusitzen und miteinander zu sprechen?

Wir begrüssen es, dass alle Beteiligten zusammengekommen sind und sich konstruktiv zum Thema ausgetauscht haben. Es ist klar geworden, dass nur eine gemeinsame Stossrichtung zum Erfolg führen kann. Von unserer Seite her werden wir alles tun, damit dies möglichst schnell gelingt.

Sie wollen auch die Fanclubs in die Verantwortung nehmen. Was müssen sie unternehmen?

Eine Transportpartnerschaft, wie wir sie mit dem Berner Fussballclub Young Boys vereinbart haben, könnte ein guter Weg sein. Das funktioniert sehr gut und wäre mit allen Vereinen wünschbar. Leider waren bislang keine anderen Clubs bereit, in einer ähnlich engen Partnerschaft mit uns zusammenzuarbeiten.

Das Interview führte Christian von Burg.

Randale erfassen

Randale erfassen

An einem runden Tisch haben sich Vertreter von Bund, Kantonen und Städten, Transportunternehmen, Vereinen und Fans ausgetauscht. Es wurde beschlossen, dass Vorfälle mit randalierenden Fans künftig einheitlich beobachtet und erfasst werden. Projekte mit Fanclubs sollen vorangetrieben werden. In einem Jahr wird ein Fazit gezogen.