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Schweiz Regionaler Personenverkehr soll stärker privatisiert werden

Der Regionalverkehr soll nach den Plänen des Bundesamtes für Verkehr (BAV) in Zukunft vermehrt privatisiert werden. Dies geht aus der vom BAV erarbeiteten Strategie 2030 für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs hervor. Für die Eisenbahner-Gewerkschaft SEV sind die Pläne inakzeptabel.

Legende: Video ÖV soll stärker privatisiert werden abspielen. Laufzeit 1:21 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.07.2014.

Der Anteil der öffentlichen Hand am Besitz von Transportunternehmen soll spürbar verringert werden, heisst es in dem am Donnerstagabend auf der Homepage des BAV veröffentlichten Strategiebericht zur Zukunft des öffentlichen Verkehrs.

In Teilen des öffentlichen Personenverkehrs sei der Marktzugang umgesetzt und das Angebot werde zunehmend durch private, gewinnorientierte Unternehmungen erbracht, heisst es weiter.

Die Idee, die dahinter stecke sei, dass die Kantone ihre Beteiligungen an den kleinen regionalen Transportunternehmen – sei es Bahn oder Bus – an Private verkaufen, erklärte BAV-Sprecherin Olivia Ebinger. Es soll verstärkt Konkurrenz in diesem Bereich herrschen.

Ziel sei es, die Rollen klarer aufzuteilen: Die öffentliche Hand bestelle die Leistungen und bleibe verantwortlich für die Infrastruktur, während die Privaten die Leistungen erbringen sollen. Das BAV verspricht sich davon Kostensenkungen sowie neue Dienstleistungen für die Kundschaft.

Der Rückzug der Kantone und Gemeinden soll sich ausschliesslich auf das Aktionariat der Unternehmen beschränken, auf den Betrieb aber soll es keine Auswirkungen haben. Namentlich bei der Entschädigung für die nicht rentablen defizitären Verbindungen soll sich nichts ändern.

Im Visier hat das BAV mit seinen Plänen kleinere Gesellschaften wie etwa die MOB (Montreux-Berner Oberland), die Aare Seeland mobil (ASM) oder AAR bus+bahn.

Öffentliche Ausschreibungen

Weiter sieht das BAV mit seiner Strategie 2030 vor, dass die öffentliche Hand die Angebote im Regionalverkehr öffentlich ausschreiben soll, wie dies bereits bei den Busverbindungen geschieht. Das aktuelle Gesetz erlaubt dies der öffentlichen Hand, verpflichtet sie jedoch nicht dazu.

Das BAV hält weiter fest, dass es sich bei den Projekten im Rahmen der Strategie 2030 erst um Vorschläge handelt, die noch modifiziert werden oder sogar fallen gelassen werden können. Die Entscheidungshoheit ist und bleibe bei der Politik.

Die vorgeschlagenen Projekte stellten keine Vorentscheide für politische Weichenstellungen dar, sondern lediglich Arbeitsfelder des BAV in den nächsten Jahren. Nach politischen Entscheiden, welche im Widerspruch zur BAV-Strategie stünden, werde das BAV die Strategie entsprechend anpassen.

SEV kündigt bereits Opposition an

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) hat die Pläne des BAV scharf kritisiert. Es sei unbegreiflich, dass die Kantone und Gemeinden dazu zu ermuntert würden, ihre Transportunternehmen zu privatisieren, sagte SEV-Sprecher Peter Moor.

Im Fall der AAR bus+bahn hätten einige Gemeinden ihre Anteile an die Eurobus-Gruppe und Knecht verkaufen wollen. Aber die Gewerkschaft habe sich dagegen gewehrt, weil sie es abnormal finde, dass Private Gewinne realisieren und gleichzeitig Subventionen der öffentlichen Hand kassieren könnten über die vorgesehene Entschädigung für den Regionalverkehr.

Es gebe allerdings bereits Unternehmen, die teilweise privatisiert worden seien wie etwa die MOB, oder die Jungfraubahn, die sogar vollständig privatisiert worden sei. Aber diese Unternehmungen würden rentable touristische Verbindungen betreiben.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Wieder ein Stumpfsinn mehr. Wenn die Bahnen privatisiert werden, wird viel abgebaut, nur verteuert und die Leidtragenden sind die Angestellten. Da sollten sich die betroffenen Regionen wehren.
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  • Kommentar von M. Steiner, Winterthur
    Es ist ein bisschen wie in Italien: eigentlich immer nur die Wahl zwischen Tod und Verderben. Die Linken machen Ausverkauf unseres Staates und bekämpden immernoch den Klassenfeind, die Bürgerlichen verscherbeln alles, was demokratisch nicht niet- und nagelfest ist, die Rechten sind dem Verbotswahn und fehlendem Anstand anheimgefallen. Dabei wäre mehrheitsfähige (und lohnende) Politik so einfach...
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  • Kommentar von R.Käser, Zürich
    Der bürgerliche Filz will mit dieser Handlung das Volk bestehlen! Es gibt Dienstleistungen die können zu fairen Preisen nur vom Staat erbracht werden. Dazu zählen sicher Infrastruktur Investitionen wie Bahn, Verkehr, Energie u. Sozialversicherungen. Investitionen in die gesellschaftliche Lebensqualität können nicht von gewinngierigen Unternehmen betrieben werden, siehe PK Rentenklau welcher uns verlogen untergejubelt wurde. Der Liberalisierungsschaden wird vom Volk getragen u. ist gigantisch!
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    1. Antwort von W. Pip, Züri
      Sie können Ihren Allerwertesten drauf wetten, dass bei der Argumentation die Begriffe "EU-Recht" oder "zwingende Marktöffnung" vorkommen. Wir haben längst verloren. Die Angstmechanismen haben ganze Arbeit getan. Gebt auf!
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    2. Antwort von R.Käser, Zürich
      @Pip, wir sollten Baden Würtenberg und Bayern annektieren. Dann dürften alle Länder in der EU das selbe Rating erhalten. Das Schweizer Volk hat nicht verloren und wird nicht verlieren! Die Schweizer Politiker haben bereits verloren - die Glaubwürdigkeit. Es wird bei den nächsten Wahlen ein gigantisches und längst fälliges Sesselrutschen in Bern geben. Die Volkswut ist gigantisch gegen die Pfründenjäger und die ständigen Rückenschüsse.
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