Zum Inhalt springen
Inhalt

Reine Zeitverschwendung? Strassenverkehrsämter wollen Nothelferkurs abschaffen

Seit 40 Jahren ist der Kurs Pflicht bei der Fahrausbildung. Jetzt werden Zweifel am Sinn der Übung laut.

Legende: Audio Ist das Nothelfer-Obligatorium noch zeitgemäss? abspielen. Laufzeit 02:13 Minuten.
02:13 min, aus HeuteMorgen vom 05.09.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 40 Jahren ist der Nothelferkurs obligatorischer Teil der Fahrprüfung.
  • Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hält das Knowhow an der Unfallstelle für unerlässlich.
  • Die Strassenverkehrsämter zweifeln allerdings am Sinn der Übung: Die Unfallzahlen sinken seit Jahren – und dank Handy ist professionelle Hilfe schnell vor Ort.

Schon Generationen haben in der Schweiz für die Fahrprüfung den Nothelfer machen müssen, die stabile Seitenlage oder die Mund-zu-Mund-Beatmung geübt. «Gibt er Antwort, atmet er, blutet er?», fragte schon 1982 eine Ausbildnerin in einer Radio-Reportage. Damals starben auf Schweizer Strassen 1076 Menschen, letztes Jahr waren es weniger als ein Fünftel davon: 208 Unfalltote.

Für die Strassenverkehrsämter, die die Fahrprüfungen durchführen müssen, ist dieser grosse Rückgang einer der Gründe, warum sie sagen, das Nothelfer-Obligatorium für die Fahrprüfung sei nicht mehr zeitgemäss.

Aufs Wesentliche konzentrieren: Das Fahren

Sven Britschgi, Geschäftsführer des Verbands der kantonalen Strassenverkehrsämter, sagt: «Das Risiko ist heute viel höher, einen Unfall oder medizinischen Zwischenfall im Verein, im Sport oder im Privatleben zu haben als auf der Strasse.» Und wenn auf der Strasse etwas passiere, seien die professionellen Rettungskräfte dank dem Handy viel schneller auf der Unfallstelle als früher.

Legende:
Verkehrstote Schweiz (Quelle: BfS/Astra)

Die Strassenverkehrsämter finden, die neue Fahrausbildung müsse sich auf das Wesentliche konzentrieren, aufs Fahren: «Es ist an der Zeit, die Ausbildung anzuschauen und sie auch einmal von etwas zu entlasten», sagt Britschgi. Das Erste-Hilfe-Wissen solle darum nicht mehr praktisch geübt werden, sondern vielleicht noch Bestandteil der Theorieprüfung sein, fordern die Strassenverkehrsämter.

Was tun am Unfallort?

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) findet den Ansatz falsch. Gerade der praktische Teil sei wichtig, sagt Marc Bächler, Sprecher der bfu: «Es zeigt sich, dass der Erinnerungseffekt mit praktischen Übungen immer noch am höchsten ist und so mehr vom Gelernten im Gedächtnis bleibt.»

Dass die Zahl der Unfalltoten von Jahr zu Jahr sinke, sei sicher eine erfreuliche Tatsache, so Bächler weiter: «Dennoch ist immer noch jedes Todesopfer im Strassenverkehr zu viel. Deswegen ist es gut, wenn Autofahrende wissen, wie sie sich zu verhalten haben.» Nur schon, wenn es darum gehe, die Rettungskette auszulösen oder einen Unfallort zu sichern.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

30 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Roman Hablützel (Habluetzelroman)
    Besser die teuren 2-Phasenkurse abschaffen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Greenturo Unschärferelation (Greenturo)
    Nun der Nothelfer kurs ist sicherlich von Nutzen, aber nicht nur beim auto fahren sondern auch in anderen bereichen. Deshalb sollte der Nothelferkurs nicht im Rahmen der Autoprüfung sondern sonst wie obligatorisch sein für alle und damit hätte es sich gegessen...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beat Brunner (Beat Brunner)
    Keine Ahnung was in den Nothilfekursen überhaupt behandelt wird! Der Verkehrsunfall ist ja nur ein kleiner Teil in den 10 Std. Der Schwerpunkt liegt meiner Meinung nach ganz klar darin, das in verschiedenen Notsituationen der Patient beurteilt werden kann und man zu Helfen beginnt und dann die Rettungskette durch eine Alarmierung in Gang gesetzt wird. Die Notfälle Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzkreislaufstillstand sind sehr Prioritär behandelt, was meiner Meinung nach auch richtig ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen