Reisehinweise des EDA: «Wir zeigen die Kehrseite der Medaille»

Für fast 180 Länder hält das EDA Reisehinweise bereit: Nüchterne Analysen darüber, welche Gefahren in einem Land lauern und worauf Reisende besser achten sollten. Drei Mitarbeiter passen die Hinweise regelmässig an. Nicht immer passt das allen.

Strand in Ägypten

Bildlegende: Strand in Ägypten: Wer wissen will, wie die Sicherheitslage in einem Land ist, landet früher oder später beim EDA. Keystone

Zuständig für die Reisehinweise des Bundes ist das sogenannte Krisenmanagement-Zentrum innerhalb des Aussendepartements in Bern (EDA). Drei Mitarbeitende schreiben die Hinweise, die anschliessend auf der Webseite veröffentlicht werden.

Systematische Hinweise seit Luxor

Relevante Informationen zur Sicherheitslage in den jeweiligen Ländern kommen zunächst einmal von den Schweizer Botschaften vor Ort, erklärt Esther Leupp vom EDA. «Dort, wo es keine Botschaften hat, gibt es Kooperationsbüros der Schweiz. Und je nach Thema fliessen auch Informationen der Nachrichtendienste mit ein.»

Entstanden sind die Reisehinweise nach den Terroranschlägen von Luxor im November 1997. Damals waren 62 Menschen getötet worden, darunter 36 Schweizer.

Damals sei die Verunsicherung sehr gross gewesen, sagt Leupp. Viele Leute hätten Fragen zur Sicherheit im Ausland gehabt. 1998 begann das EDA systematisch, Reisehinweise zu publizieren.

Dabei die richtige Tonalität zu finden, sei manchmal schwierig, gesteht Esther Leupp. «Es gilt, realistisch zu sein – also weder Panik zu verbreiten noch zu beschönigen.»

Subtile Druckversuche

Ziel sei es, Schweizerinnen und Schweizer über mögliche Schwierigkeiten zu informieren und vor Gefahren zu schützen. Anders als in Reiseführern gehe es in den Hinweisen nicht um die schönen Strände und Sehenswürdigkeiten im jeweiligen Land, sagt Esther Leupp. «Wir zeigen quasi die Kehrseite der Medaille.»

Die Kehrseite – also das, was die Reiseanbieter oder auch die jeweiligen Länder selber nicht gerne zeigen. Und auch nicht gerne hören. Schliesslich möchten die meisten Länder den Tourismus fördern.

Da gebe es, sagt Esther Leupp, manchmal schon subtile Druckversuche. «Es kann sein, dass eine ausländische Botschaft bei uns vorspricht, weil sie die Reisehinweise zu negativ findet oder einzelne Passagen nicht gefallen.»

Dafür habe man aber kein Gehör, versichert Leupp. Auch wirtschaftliche Interessen, seien es jene der Schweiz oder anderer Länder, hätten keinen Einfluss auf die Reisehinweise.

176 Länder werden bei den EDA-Reisehinweisen aufgeführt. Darunter hat es solche, die schon seit längerem als gefährlich gelten: Afghanistan beispielsweise oder Somalia. Andere, wie Jemen oder Syrien sind erst in den letzten Jahren dazugekommen.

Aktuell: Hinweise für Tunesien

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Während mehrere westliche Bürger nach dem jüngsten Terroranschlag in Tunesien ihre Bürger zur Heimreise auffordern, ändert die Schweiz ihre Reisehinweise bislang nicht. Das EDA warnt: «Im ganzen Land besteht das Risiko von terroristischen Akten», rät aber lediglich zu «erhöhter Wachsamkeit». Mehr.

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