Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schweizer Parlament will Rentenalter für Frauen auf 65 erhöhen
Aus Echo der Zeit vom 09.06.2021.
abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
Inhalt

Rentenalter 65 für Frauen Der bürgerliche Schulterschluss – mit Risiken

Die Bürgerlichen haben aus der letzten gescheiterten AHV-Reform ihre Konsequenzen gezogen. Die letzte Reform wurde wesentlich von der früheren CVP, der SP und den Grünen getragen. Daraus zogen die Bürgerlichen die Konsequenz, dass sie bei der aktuellen Reform den bürgerlichen Schulterschluss gegen das links-grüne Lager suchen.

Mit dem Resultat, dass die Mitte, die FDP und die SVP das Rentenalter der Frauen von 64 auf 65 erhöhen wollen und dafür gewisse Kompensationsmassnahmen vorsehen – gegen den Widerstand von links-grün. Die Ratslinke kritisiert die Erhöhung des Rentenalters grundsätzlich, zudem seien die Kompensationsmassnahmen viel zu tief.

Linke kritisiert «Rentenabbau»

Zur grundsätzlichen Kritik: Während die Bürgerlichen argumentieren, dass mit der Erhöhung des Rentenalters keine Rente gekürzt würde, sieht die Linke darin eine Abbaumassnahme im Vergleich zur heutigen Situation. Tatsächlich erhalten Frauen, die heute mit 64 in Rente gehen, eine normale Rente; künftig hätten diese Frauen eine Rentenkürzung, weil sie mit 64 vorzeitig in Rente gingen. Der Abbau beträfe aber auch Frauen, die mit 65 in Rente gehen. Wer künftig mit 65 in Rente geht, bekäme die normale Rente; heute hingegen können Frauen, die über das heutige Rentenalter von 64 hinaus bis 65 arbeiten ihre Rente aufbessern.

Bürgerliche mit Zuversicht an die Urne

Trotz dieser linken Kritik sind die Bürgerlichen zuversichtlich, dass sie eine Volksabstimmung gegen die SP, die Grünen, die Gewerkschaften und auch die Frauenorganisationen gewinnen dürften. Sie argumentieren, die Erhöhung des Frauenrentenalters sei ein Gebot der Stunde, entspreche den gesellschaftlichen Entwicklungen und sie verweisen auch auf die Kompensationsmassnahmen für eine Übergangsgeneration.

Zu den Kompensationsmassnahmen: Hier meldet die Ratslinke eine weitere grundsätzliche Kritik an. Sie argumentieren, die Kompensationsmassnahmen seien viel zu tief, auch im Vergleich zu früheren Rentenalterserhöhungen. Diese seien nur dann erfolgreich gewesen, wenn sie grosszügig kompensiert worden seien. Die aktuelle Reform schneidet da tatsächlich schlecht ab. Die Linke ist deshalb zuversichtlich, dass sie eine solche Vorlage «auf dem Buckel der Frauen» vor dem Volk bodigen könnten. Das Referendum ist bereits angekündigt.

Nationalbank als Zünglein an der Waage?

Nun geht die Vorlage zurück in den Ständerat. Aber an den Grundsätzen – Erhöhung des Frauenrentenalters, Kompensationsmassnahmen und Erhöhung der Mehrwertsteuer – dürfte sich nicht mehr viel ändern. Die Chancen der Linken sind dabei durchaus intakt, die Vorlage vor dem Volk bodigen zu können.

Doch hier kommt nun noch ein weiterer Punkt ins Spiel – die Frage nämlich, ob die Gewinne der Nationalbank aus den Negativzinsen in die AHV fliessen sollen. Der Nationalrat sagte heute Ja, der Ständerat zwar nein. Aber wenn der Ständerat kippen sollte, wäre dies eine substantielle Zusatzfinanzierung. Das könnte die Chancen vor dem Volk möglicherweise verbessern.

Oliver Washington

Oliver Washington

Bundeshausredaktor, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Oliver Washington ist seit 2003 bei SRF. Ab 2007 war er Mitglied der Inland-Redaktion, von 2014 bis 2019 berichtete er als EU-Korrespondent aus Brüssel. Nun ist er in der Bundeshausredaktion von SRF tätig. Washington hat Soziologie, Geografie und Wirtschaftsgeschichte studiert.

Echo der Zeit vom 09.06.2021, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

76 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Wenn wir jetzt nicht mal die AHV sanieren, dann geht eben mal das Geld aus. Wird den Reichen weniger weh tun als dem Mittelstand und darunter.
    Sollten sich mal Alle überlegen die aus Eigennutz immer nur dagegen sind.
  • Kommentar von Christoph Heierli  (help)
    Ich freue mich schon auf die Abstimmung. Wenn der Stimmbürger schlau ist, stimmt er gegen diese Revision. Heute wieder bei SRF zu lesen Reiche werden ohne Ende noch reicher. Eine Luxussteuer würde die AHV komplett sanieren. Wir können und dürfen nicht mehr wirtschaftlich wachsen. Dann müssten vor allem diejenigen zahlen, die schon zuviel haben. Nicht die Frauen mit tieferen Löhnen und gesellschaftlicher Doppelbelastung.
  • Kommentar von Daniel Müller  (Filter11)
    Nun ist es wiedermal soweit: Die Bürgerlichen haben sich durchgesetzt. Das kann ich akzeptieren. Leider ist es so, dass die Frauen nun unter dem Strich schon schlechter dastehen als vorher. Man darf die Finanzlücken bei der Pensionskassen nicht einfach ausklammern. Da muss unbedingt nachgebessert werden. Oder die Sozialdienste erhalten einfach mehr Arbeit. Das kann es doch nicht sein, oder?
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Daniel Müller: Die Frauen mit tiefen Einkommen und auch alle anderen Arbeitnehmer mit tiefen Einkommen, stehen schlechter da, wenn die AHV nicht saniert wird. Wenn die AHV in Schieflage gerät, zahlen diejenigen mit tiefen Einkommen den Preis. Länger zu arbeiten bedeutet auch, dass endlich wieder genügend Einnahmen für anständige Renten vorhanden sind und es nicht mehr ein Kampf um den letzten Rappen ist, wie jetzt. Warum bloss verstehen das gewisse Leute nicht?
    2. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Müller Wenn der Rentenbeginn für Frauen und Männer entsprechend der Lebenserwartung berechnet würde, müssten Frauen länger arbeiten und Männer dürften früher in Rente. Männer haben aktuell eine Lebenserwartung von 81.4 und Frauen von 85.4 Jahren. Das würde bedeuten: Männer gehen mit 65 und Frauen mit 69 in Rente, bei gleichen Bezügen selbstverständlich. Rentengerechtigkeit gemessen an der Lebenszeit. Was gibt es gerechteres?
    3. Antwort von Christoph Heierli  (help)
      @Leu/ Niemand ist gegen eine Sanierung Herr Leu. Sie muss aber ausgeglichen und fair sein. Wenn die AHV mehr kostet, dann soll die neue Belastung alle treffen. Die Arbeitnehmer, die Arbeitgeber, die guten Steuerzahler und der Staat. Auch das BVG muss verbessert werden. Hier gilt das gleiche. Alle müssen sich an den Kosten beteiligen. Beim BVG haben zu viele private Unternehmen die Finger drin. 1.Säule erhöhen, 2.Säule verkleinern.