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Regine Sauter: «Ich erwarte von Frauen, dass sie berufstätig sein können»
Aus Tagesschau am Vorabend vom 10.06.2021.
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Rentenalter 65 für Frauen Verstehen Sie den Ärger der Frauen, Frau Sauter?

Das Rentenalter für Frauen wird auf 65 Jahre erhöht. So hat es gestern nach dem Ständerat auch der Nationalrat beschlossen. An vorderster Front setzte sich FDP-Nationalrätin Regine Sauter dafür ein. Im Interview sagt sie, was sie an der Haltung der Linken stört – und was sie von den Frauen erwartet.

Regine Sauter

Regine Sauter

FDP-Nationalrätin

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Regine Sauter ist seit 2015 für die FDP im Nationalrat und ist Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK). Seit 2012 ist sie ausserdem Direktorin der Zürcher Handelskammer.

SRF News: Viele Frauen haben sich gestern aufgeregt, weil sie mit der Rentenaltererhöhung die Last dieser AHV-Reform allein tragen. Haben Sie Verständnis?

Regine Sauter: Dafür habe ich kein Verständnis. Ich habe auch positive Feedbacks erhalten von Frauen, die sagen: Es ist Zeit, dass das Rentenalter gleich ist. Es stimmt auch nicht, dass man das auf dem Buckel der Frauen macht. Hier geht es um eine gesellschaftliche und nicht um eine Frauenvorlage.

Fakt ist, dass Frauen bei der Rente schlechter dastehen, wenn man auch die Pensionskassen einbezieht. Man spricht, je nachdem, von einem Drittel. Verstehen Sie nicht, dass man jetzt nicht auch noch ein Opfer bringen will bei der AHV?

Sie haben recht, die Altersvorsorge ist bei den Frauen schlechter ausgestaltet als bei den Männern. Das liegt ausschliesslich an der zweiten Säule, an der beruflichen Vorsorge, der Pensionskasse. In der AHV haben die Frauen keine tieferen Renten als die Männer. Jetzt gehts um die AHV. Die Pensionskasse müssen wir aber anschauen, das ist unbestritten.

Was kann man tun, um die Situation der Frauen in der Pensionskasse zu verbessern?

Wer Teilzeit, mit tiefen Pensen und Löhnen arbeitet, kann sich keine gute Altersvorsorge in der zweiten Säule aufbauen. Meistens sind dies Frauen. Weil man eben erst ab einem gewissen Einkommen ein Pensionskassen-Guthaben aufbauen kann. Das ist falsch, das muss man ändern. Man soll auf dem ganzen Lohn Vorsorgekapital bilden können. Das würde vor allem den Frauen helfen.

Viele Frauen haben einen Beruf gelernt; es ist gibt keinen Grund, den aufzugeben, wenn sie eine Familie haben.

Sie sagten gestern im Rat, Sie wunderten sich etwas über das Frauenbild der linken Frauen, die diese Rentenaltererhöhung bekämpfen. Wie meinten Sie das?

Ich hörte immer nur: Frauen leisten Gratisarbeit, Frauen leisten Familienarbeit etc. Möglicherweise war das so. Aber heute muss eine Frau doch dafür sorgen, dass sie selbständig und eigenbestimmt ist. Ich erwarte von einer Frau, dass sie Familienarbeit mit ihrem Partner, mit ihrem Mann teilt. Ich erwarte von Frauen auch, dass sie berufstätig sein können. Viele Frauen haben einen Beruf gelernt; es ist gibt keinen Grund, den aufzugeben, wenn sie eine Familie haben.

Die wichtigsten Fragen zur Reform

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Wann tritt die Reform in Kraft? Die Vorlage ist noch lange nicht im Trockenen: Zuerst müssen die grossen Differenzen zwischen den Räten bereinigt werden, dann muss die Vorlage noch eine Volksabstimmung überstehen, weil die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer eine Änderung der Bundesverfassung erfordert. Erst danach könnte der Bundesrat die Vorlage in Kraft setzen. Das dürfte frühestens im Jahr 2023 der Fall sein, wohl eher 2024.

Wer gehört zur Übergangsgeneration? Zur Übergangsgeneration gehören gemäss heutigem Beschluss des Nationalrates die ersten sechs Frauen-Jahrgänge, die nach Inkrafttreten der Vorlage pensioniert werden. Der Ständerat wollte für die ersten neun Jahrgänge Kompensationsmassnahmen vorsehen.

Entscheidet am Ende das Volk? Die Vorlage erfordert wegen der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer ohnehin eine Volksabstimmung, weil dafür die Bundesverfassung geändert werden muss. Die Frage eines Referendums würde sich nur dann stellen, wenn das Parlament entscheiden sollte, die Mehrwertsteuererhöhung vom Rest der Vorlage zu trennen

Die Frauen sind gewissermassen selbst schuld an der schlechten Rentensituation? Sie sollen einfach mehr arbeiten und das Problem wäre gelöst?

Nein. Aber man kann nicht einfach sagen, alle Frauen leisteten nur Gratisarbeit. Mich stört bei der Linken, dass sie für sich in Anspruch nimmt, alle Frauen zu vertreten. Es gibt Frauen, die nicht privilegiert sind, das ist so. Ihnen müssen wir gezielt helfen. Aber jetzt zu sagen, deshalb könne man das Rentenalter nicht erhöhen, das finde ich völlig falsch.

Die Frauen können auch nicht mehr darauf vertrauen, dass die Ehe eine ökonomische Absicherung ist.

Aber es ist wohl einfach eine Tatsache, dass immer noch viele Frauen viel Arbeit zu Hause bei der Familie leisten.

Das ist so. Das kann aber kein Zukunftsmodell sein. Heute braucht es doch partnerschaftliche Lösungen in einer Familie. Die Frauen können auch nicht mehr darauf vertrauen, dass die Ehe eine ökonomische Absicherung ist. Das Bundesgericht hat kürzlich entschieden, dass auch Frauen nach einer Scheidung für sich selbst sorgen können müssen. Und deshalb ist es schlecht, wenn eine Frau nach der Heirat einfach ihren Beruf aufgibt.

Das Gespräch führte Gion-Duri Vincenz.

Tagesschau, 10.06.2021, 18:00 Uhr;

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212 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Meier  (wm)
    Ich kenne keine einzige Frau, die gegen das AHV-Alter 65 ist. Alle anerkennen die Notwendigkeit, das AHV-Alter von Männern und Frauen anzugleichen.
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Das Männerargument "höhere Lebenserwartung" ist unberechtigt! Zahlreiche Studien im Netz belegen, es ist nicht nur eine Frage der Biologie, sondern vorab verhaltensbedingte Gründe! Männer leben ungesünder u.risikovoller als Frauen. Unbeachtet hier auch die Kulturen. Ein deutlich spürbarer Teil unserer Gesellschaft würde ganz gerne an unserer patriarch.Vergangenheit festhalten. Arbeiten bis 65, aber daneben wie gehabt. Gewisse zugewanderte Kulturen sehen das bestimmt auch in Zukunft ganz anders.
  • Kommentar von Urs Imboden  (Noba)
    Einige statistische Fakten zur AHV: (Stand 2020): 54% der Beitragszahler sind männlich. Diese leisten 66% der Beiträge und beziehen 45% der Leistungen.
    @Gürr: Arbeit ist für die Mehrheit der Menschen sinngebend - fragen Sie Arbeitslose! Es kann nicht das Ziel einer Gesellschaft sein, 30% der Lebenszeit im Ruhestand zu verbringen. Der Fortschritt ist gerade ein Ergebnis von vielen kreativen Menschen, die arbeiten und am Wettbewerb um die besten Ideen teilnehmen.