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Schweiz Resistente Keime machen dem Bundesrat Sorgen

Antibiotika haben seit ihrer Entdeckung vielen Menschen das Leben gerettet. Ganz grundsätzlich will der Bundesrat erreichen, dass sie nicht mehr unsachgemäss verschrieben werden. Denn der Einsatz von Antibiotika hat auch problematische Seiten: Die Krankheitskeime können resistent werden.

Bundesrat Berset an einer Medienkonferenz.
Legende: Massnahmen gegen Antibiotika-Resistenzen: Gesundheitsminister Alain Berset präsentiert die Strategie des Bundesrates. Keystone

Als die antibakterielle Wirkung von Schimmelpilzen entdeckt wurde, galten diese als Wundermittel. Es war eine wichtige Entdeckung in der Medizingeschichte. Später merkte man jedoch, dass sich die Krankheitskeime den Antibiotika so anpassen können, dass sie nicht mehr wirken. Diese Bildung von Resistenzen sind für Menschen und Tiere gefährlich – es bedeutet, dass gegen gewisse Keime kein Medikament mehr bekannt ist.

Um diesem Effekt vorzubeugen, hat der Bundesrat nun eine Strategie verabschiedet. Sie heisst Star, abgekürzt für Strategie Antibiotikaresistenz. Damit will er die Resistenzbildung eindämmen und die Wirkung langfristig sichern. Schon letztes Jahr hat der Bundesrat ein Forschungsprogramm für 20 Millionen Franken lanciert.

Tablettensammlung, bunt
Legende: Antibiotika: Fluch und Segen der modernen Medizin in einem. (Symbolbild) Keystone/Archiv

Berset: «Eine gesundheitspolitische Herausforderung»

Antibiotika werden in der Tiermedizin und in der Humanmedizin eingesetzt. Um eine nützliche Strategie zu erarbeiten, hat der Bundesrat auch die Landwirtschaft, die Lebensmittel- und Ernährungssicherheit und die Umwelt einbezogen. Es sei eine gesundheitspolitische Herausforderung, die nur gemeinsam an die Hand genommen werden könne, sagte Gesundheitsminister Alain Berset.

Die Massnahmen beinhalten Überwachung, Prävention, sachgemässer Einsatz von Antibiotika, Resistenzbekämpfung, Forschung, Entwicklung, Kooperation, Information, Bildung sowie die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen. Ganz grundsätzlich will der Bundesrat erreichen, dass klare Verschreibungsrichtlinien ausgearbeitet werden. Denn für die zunehmenden Resistenzen sind der unsachgemässe und übermässige Einsatz von Antibiotika verantwortlich, schreibt der Rat in seiner Medienmitteilung.

Wer nimmt wie viel Antibiotika ein?

In welchen Mengen in der Schweiz Antibiotika verschrieben werden, ist nicht genau bekannt – weder in der Tiermedizin noch in der Humanmedizin. Erfasst wird bei Menschen nur der Antibiotikakonsum in den Spitälern. Was ihnen ambulant von Ärzten verschrieben wird, dafür gibt es kaum Zahlen. Der Bundesrat will nun genauer erheben, für welche Erkrankungen welches Antibiotikum verschrieben wird.

In der Tiermedizin ist nur die Gesamtmenge der verkauften Antibiotika bekannt. Neu soll nun in einer Datenbank erfasst werden, welche Tiere wie häufig mit Antibiotika behandelt werden. Auch festgestellt wird, bei welchen Produktionsformen viel antibiotische Medikamente verwendet werden, beispielsweise in der Ferkelaufzucht, in der Kälbermast oder in der Milchviehhaltung. Von diesen Zahlen verspricht sich der Bundesrat, dass präzis festgestellt werden kann, in welchen Spitälern, Arztpraxen, Tierarztpraxen und Landwirtschaftsbetrieben überdurchschnittlich viel Antibiotika verbraucht wird. So können die Fachleute besser ausgebildet werden.

In die gleiche Richtung zielt eine andere Massnahme, die der Bundesrat heute angekündigt hat, nämlich die Prävention. Je weniger Antibiotika eingenommen werden, desto weniger Resistenzen können sich bilden. Deshalb sollen zum Beispiel spitalbedingte Infektionen vermieden werden und die Diagnostik gestärkt werden. Kann schnell zwischen bakteriellen und viralen Erregern unterschieden werden, können die Antibiotika zielgerichteter verschrieben werden.

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