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Revolution im Instrumentenbau Schweizer Holz wird zu Tropenholz – Musiker sind begeistert

Wissenschaftler produzieren aus Schweizer Fichte ein Hartholz mit den Eigenschaften von Tropenholz. Jetzt wurden die ersten Meistergeigen und -bratschen umgerüstet. Die Reaktionen sind eindeutig.

Legende: Video Schweizer Forscher wollen Instrumentenbau revolutionieren abspielen. Laufzeit 09:14 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 28.11.2017.

Ebenholz und Palisander gehören zu den am stärksten bedrohten Tropenholzarten überhaupt. Doch trotz strengem Artenschutz nehmen die Bestände dramatisch ab. Zu lukrativ ist das Geschäft mit dem dunklen Hartholz. Ob ganze Klarinetten und Oboen, Griffbretter von Geigen und Bratschen oder schwarze Tasten bei Pianos: Edle Tropenhölzer waren im Instrumentenbau bisher unverzichtbar.

Schweizer Forschern gelingt der Durchbruch

Durch den intensiven Raubbau nimmt Quantität und Qualität von Ebenholz und Palisander stetig ab. Darum suchten Instrumentenbauer seit Jahren nach einem Ersatzmaterial. Doch weder Kunst- noch Verbundstoffe konnten sich als Alternative durchsetzen.

Deshalb gelangten Schweizer Geigenbauer an Holzwissenschaftler der EMPA und der ETH. Und diese konnten im Oktober nach intensiver Forschung den Durchbruch vermelden: Durch Verdichtung können sie aus Schweizer Fichte ein Holz mit den physikalischen und optischen Eigenschaften von edlem Tropenholz produzieren: dunkel und hart.

Aargauer Geigenbauer rüstet erste Instrumente um

Instrumentenbauer der Firma «Wilhelm Geigenbau» in Suhr haben nun begonnen, aus dem modifizierten Holz Griffbretter für Geigen und Bratschen zu fertigen: «Ein Holz mit diesen Eigenschaften haben wir noch nie bearbeitet. Hobeln lässt es sich leicht wie Fichte, aber auf Druck reagiert es hart wie Ebenholz. Und wirklich überrascht haben uns die Klang-Eigenschaften.»

Berufsmusikerin spielt erstmals auf umgebauter Meisterbratsche

Die Bratschistin Chin-Ting Huang vom renommierten «Pacific Quartet Vienna» hat sich bereit erklärt, ihre italienische Meisterbratsche aus dem 19. Jahrhundert mit dem neuartigen Schweizer Holz umrüsten zu lassen. Jetzt hat sie in Suhr erstmals auf der umgebauten Bratsche gespielt:

Ich bin erleichtert und erfreut, mein Instrument klingt jetzt klarer und besser.
Autor: Chin-Ting HuangBratschistin

Dieses Resultat ist für die Geigenbauer aus Suhr Ansporn, weitere Meisterinstrumente mit dem neuartigen Holzmaterial umzurüsten.

Zeithorizont von über 100 Jahren

Instrumentenbau ist ein langfristiges Geschäft, das weiss auch der Inhaber der Suhrer Geigenbau-Werkstatt, Mark Wilhelm: «Erstklassige Bratschen, Geigen und Celli haben eine Lebensdauer von mehreren 100 Jahren. Heute wissen wir noch nicht, ob sich dieses neuartige Holzmaterial auch langfristig bewährt. Wenn wir jetzt aber nichts unternehmen, dann stehen wir vielleicht schon bald mit leeren Händen da – denn der natürliche Ebenholzbestand kann schon in wenigen Jahren kollabieren.»

Spin-Off soll Schweizer Ebenholz auf den Markt bringen

Die Holzwissenschaftler Oliver Kläusler von der EMPA und Munish Chanana von der ETH sind von der langjährigen Beständigkeit ihres Holzes überzeugt: «Im Labor konnten wir dazu aussagekräftige Tests durchführen, dass macht uns zuversichtlich». Schon im nächsten Jahr wollen die Forscher mit dem neugegründeten Spin-Off «Swiss Wood Solutions» ihre Entwicklung auf den Markt bringen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Ist dem Autor bekannt dass es seit langer Zeit ein Verfahren zur Verdichtung von Holz gibt das im Sport, nämlich beim Hornussen eingesetzt wird? So werden die "Träf" hergestellt, die ans Ende der Hornusserstöcke geschraubt werden und dann beim Schlag dem Nouss den nötigen Impuls geben. Bei diesen Verfahren ist die Verdichtung sehr stark so dass der Werkstoff kaum noch gehobelt werden kann. Durch Erwärmen unter Druck wird ein dem Holz eigener "Leim" innen aktiviert der den Stoff "zusammenhält".
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  • Kommentar von Robert Frei (RFrei)
    Wäre interessant, mehr über das Verfahren an sich zu hören. Aber, wieviele Fussbaldfelder von Regenwald wurden jährlich für Musikinstrumente gefällt? Wohl kaum nennenswert. Wenn man etwas erreichen will, sollte man zuerst dort ansetzen, wo die grossen Mengen gebraucht werden.
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    1. Antwort von Rolf Wildhaber (Sueno)
      Es geht hier nicht primär um die Rettung der Tropenwälder, sondern um die Rettung der Instrumente, die in die Jahre kommen und taugliches Holz brauchen :-)
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Kann es noch nicht ganz glauben. Der Faktor Zeit lässt sich nicht so leicht ausschalten. Im Einstein Bericht klappte auf jeden Fall noch nicht. Ein langsam gewachsenes und langsam getrocknetes Holz das zur rechten Zeit geschlagen wurde und richtig gelagert, lässt sich nicht mit ein paar Tricks nachmachen. Wäre interessant mehr über das Verfahren zu hören.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ich denke es geht nicht ums nachmachen. Nach dem Bericht dürfte der so entstandene Werkstoff durchaus Vorteile gegenüber dem Original haben.
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