Rotstift bei den Pfadfinderlagern angesetzt

Pfadfinder, Fussballer und Turnerinnen müssen ab August mit einem Viertel weniger Mittel aus dem Topf des Förderprogramms von «Jugend und Sport» auskommen. Der Bund hat angekündigt, die Beiträge für Sport- und Freizeitvereine zu kürzen.


Weniger Geld für Jugend und Sport

4:45 min, aus SRF 4 News aktuell vom 30.03.2015

Thomas Rosenblum ist 30 Jahre alt, IT-Spezialist und seit über 20 Jahren begeisterter Pfadfinder. «Meine Geschwister und Kollegen sind schon dort dabei gewesen. Es war irgendwie klar, jawohl, dann geht der Kleinste auch noch in die Pfadi.» Und der Kleine bekam bald einen Pfadinamen: Phönix. Fragt man Phönix, was ihn an der Pfadi so fasziniere, muss Rosenblum nicht lange überlegen.

Die Pfadfinderei ist für ihn die Lebensschule schlechthin: «Man hat zum ersten Mal in ein Lager gehen müssen, weg von zuhause. Da waren keine Eltern, man musste selber das Bett beziehen oder den Schlafsack ausrollen. Das fördert einen.»

Knapp zwei Franken weniger Pro Kind und Tag

Rosenblum alias Phönix hat Pfadilager geleitet und Kurse organisiert. Im Kantonalverband St. Gallen-Appenzell ist er zuständig für die «Jugend und Sport»-Gelder. Diese werden nun gekürzt. Ab August gibt es nur noch 5.70 Franken statt 7.60 Franken pro Tag und Kind. Das findet er nicht nur wegen des Geldes schade.

«Ich bin der Meinung, es kommt bei unserem Programm nicht auf das Geld an. Wir können auch ohne Geld etwas ganz Gutes erreichen.» Ihm gehe es um die Wertschätzung. «Damit habe ich, als einer der das ehrenamtlich macht, Mühe.»

Mehr als eine halbe Million Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr aus dem Jugendsporttopf unterstützt. Ob Trainingslektionen des Judoclubs oder des Turnvereins, Leiterkurse des Fussballclubs, Blauring- oder Pfadilager: Hunderttausende von freiwilligen Helfern und Trainern geben ihre Freizeit, ihre Wochenenden, und häufig auch ihre Ferien dafür her.

Sportamt: «Es ist einfach ein schlechtes Zeichen»

Rosenblum, der jede Woche mindestens einen Tag für die Pfadi beschäftigt ist, bekommt dafür keinen Rappen. Das Geld des Bundes wird für die Pfadilager gebraucht. Deshalb hat Patrik Baumer Verständnis für ihn und alle anderen freiwilligen Phönixe. Baumer ist der Leiter des Sportamtes des Kantons St. Gallen.

«Es ist einfach ein schlechtes Zeichen. Es war eine Belohnung, der Betrag ging rauf, und jetzt geht er wieder runter. Kaum hat man mit den erhöhten Sätzen Werbung gemacht, geht man retour», sagt Baumer. Wir seien ein Volk von Stubenhockern, sagte alt Bundesrat und Sportminister Samuel Schmid einmal bei der Vorstellung eines Bewegungsförderungsprogramms.

Erfolgreiche Werbung für mehr Skilager

2012 wurde ein Sportförderungsgesetz verankert. Seither gilt der Grundsatz: mehr Geld für mehr Sport. Die Kantone reagierten und motivierten Schulen und Vereine. Baumer sagt: «Wir konnten das seit zweieinhalb Jahren positiv kommunizieren. Wir haben vor allem für Schneesportlager Werbung gemacht.» Das habe gefruchtet.

«Und kaum läuft das so schön, müssen die Beitragssätze gesenkt werden. Das ist wirklich ausserordentlich bedauernswert.» Das Bundesamt für Sport gibt zu: «Wir haben uns etwas verschätzt.» Man sei Opfer des eigenen Erfolgs geworden.

Man stellte zwar mehr Geld zur Verfügung. Doch dann wurde davon so viel verwendet, dass es nun zu wenig davon hat. Der Bund musste mit millionenschweren Nachtragskrediten aushelfen, und das Bundesamt musste die «Jugend und Sport»-Beiträge wieder senken – was das Gesetz aber ausdrücklich zulasse, sagt Baspo-Sprecher Christoph Lauener.

Hauptmittel gehen weiterhin an «Jugend und Sport»

Der Bund gebe mit der einen Hand Millionen aus für allerlei Bewegungsmotivations- und Gesundheitspräventionsprogramme, um es mit der anderen Hand wieder bei den Freiwilligen wegzunehmen, die Kinder und Jugendliche Tag für Tag gratis bewegen: Dieser Vorwurf nervt Lauener. «Wir haben überhaupt kein Interesse, dort etwas zu kannibalisieren oder Geld abzuzwacken. Unsere Hauptmittel gehen nach wie vor und unbestritten an Jugend und Sport.» Das werde auch in Zukunft so sein.

Nicht immer nur dort viel Geld reinpumpen, wo etwas nicht gut läuft, sondern einmal diejenigen belohnen, die etwas machen, das gut läuft. Das ist der Wunsch des Pfadfinders Phönix. Gleichzeitig zählt für ihn der alte Pfadispruch: Allzeit bereit. Rosenblum ist überzeugt, «dass die Pfadi immer einen Weg finden wird, ihre Programme durchzuführen, egal wieviel Geld zur Verfügung steht».