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Schweiz Salzsäure-Abtransport nach Entgleisung in Daillens war zu riskant

Ende April entgleiste ein Güterzug in Daillens (VD). Dabei mussten 50 Tonnen Salzsäure in einen ungeeigneten Kesselwagen gepumpt werden. Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) bezeichnen den anschliessenden Abtransport als «rollende Zeitbombe». Für die SBB war es ein «bedauerlicher Fehler».

Legende: Video Inakzeptabler Salzsäure-Abtransport nach Entgleisung abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 15.06.2015.

Ende April entgleiste bei Daillens (VD) ein Güterzug mit fünf Zisternenwagen. Ein mit Salzsäure beladener Wagen kippte dabei um. Nach dem Unfall mussten 50 Tonnen Salzsäure abgepumpt und in einen Ersatz-Tankwagen umgefüllt werden.

Der Abtransport erfolgte aber unter risikoreichen Umständen, denn die SBB setzte dafür einen Zisternenwagen aus normalem Stahl ein. Salzsäure (HCl) wirkt stark zersetzend auf Metalle und kann normalen Stahl zerfressen. Darum hätte ein Kesselwagen mit Innenbeschichtung eingesetzt werden müssen.

«Rollende Zeitbombe» in der Romandie

Beim Abtransport mit dem normalen Stahlkesselwagen wurde eine 50 Tonnen schwere «rollende, tickende Zeitbombe» auf der Schiene durch die Westschweiz bis nach Schweizerhalle (BL) gefahren. Das schreibt die Umweltorganisation Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz (AefU) auf ihrer Website. Die AefU wurde über den Transport von einem Insider informiert.

Durch die chemische Reaktion der Salzsäure mit dem Metall sei zudem explosiver Wasserstoff entstanden, schreibt die AeFU weiter. Je länger der Güterwagen mit der Ladung unterwegs war, desto höher stieg der Druck im Tank. Gleichzeitig schwächte die Salzsäure den Tank immer mehr.

SBB untersucht den Vorfall

Diese «tickende Zeitbombe» sei zuerst nach Monthey (VS) gebracht worden und von dort aus nach Schweizerhalle (BL) weitergefahren. Der Leiter Sicherheit und Qualität der SBB, Hans Vogt, bezeichnete es in einer von der AefU veröffentlichten Stellungnahme als «nicht akzeptabel, dass Gefahrengut in unzweckmässigen Kesselwagen transportiert wird.»

Es sei nicht klar, warum in Monthey die Salzsäure nicht umgepumpt wurde oder warum auf dem Schadenplatz in Daillens nicht direkt ein beschichteter Kesselwagen eingesetzt wurde.

Bei der Ankunft des Wagens in Schweizerhalle hätten Mitarbeiter am Tankwagen die chemische Reaktion in Form von Rauch gesehen und die Chemiewehr aufgeboten. Vor der Entladung musste beim Zisternenwagen zuerst eine Druckentlastung vorgenommen werden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Max Müller, Wangen
    Keine Sorge es war doch nicht so schlimm, schliesslich bekommen die Verantwortlichen doch immer noch ein nettes Gehalt.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Ich glaube, ich bekomme Sodbrennen. Oh, Wunder dürfen wir das erfahren. Hat da jemand gezwitschert? Freiwillig hängt wohl kaum jemand einen so gravierenden Fauxpas an die grosse Glocke. Interessant wäre noch zu wissen, wie konzentriert das umgeladene HCL war. So oder so, geht es sich um Grundwissen der Chemie und dann noch 50 Tonnen davon. Zum Glück haben sie nicht noch Wasser reingeschüttet, sonst wäre das Ungeheure schon vor Ort passiert. Kopfkratzen.
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  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    "Für die SBB ein «bedauerlicher Fehler»." - Das war doch geradezu grobfahrlässig! Und die Herrschaften nennen sich Fachleute?!
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