Zum Inhalt springen

Sans-Papier-Kinder Nationalratskommission will Rechte einschränken

Legende: Audio Lehrerinnen und Lehrer als Spitzel? abspielen.
4:41 min, aus Echo der Zeit vom 08.04.2018.

Kinder von Sans Papiers – von Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus –, die in der Schweiz leben, dürfen die Schule besuchen. Die Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) des Nationalrates will dies nun aber strenger regeln. Zum Beispiel sollen Lehrer Schüler ohne Papiere den Behörden melden müssen.

Laila ist die Tochter von Sans Papier-Eltern aus Mazedonien. Die 15-Jährige lebt in Bern bei ihren Grosseltern – bis vor kurzem illegal. «Mein Vater war schon lange hier und er wollte, dass ich eine Ausbildung abschliessen kann», erzählt sie.

Lehrerin wusste nichts davon

Laila fand Hilfe bei der Beratungsstelle für Sans Papiers. Dort wurde für sie ein Sprachkurs organisiert und eine Schule gefunden. Denn laut Schweizer Verfassung haben alle Kinder in der Schweiz ein Recht auf Bildung.

«Am Anfang war es für mich schwierig, weil ich kein Deutsch konnte. Nun habe ich Freunde in der Schweiz und will hier bleiben.» Dass die Mazedonierin lange keine Aufenthaltsbewilligung hatte, wissen ihre Mitschüler nicht. Ihre Lehrerin weiss es erst, seit es um die Berufswahl geht.

Demonstranten mit Plakat.
Legende: Zwischen 90'000 und 250'000 Sans Papiers leben und arbeiten in der Schweiz. Keystone

«Bilden alle aus – egal welchen Status sie haben»

«Im ersten Moment bin ich erschrocken. Ich hatte noch nie ein Umgang mit einem Sans-Papier-Kind», erzählt Lailas Lehrerin. Sie hätten sich dann gefragt, ob und was sie in so einem Fall unternehmen müsse. Doch Laila habe alles mitgemacht und sei auch schnuppern gegangen.

Die SGK will nun, dass Lehrer solche Schüler wie Laila melden müssen. Ihr Lehrerin sagt: «Ich hätte sehr viel Mühe damit, das zu machen. Das würde das Vertrauen zu den Schülern schädigen. Wir bilden alle Kinder aus, egal welche Nation oder welchen Status sie haben.»

Vorschlag von Kommission sei keine gute Lösung

Auch Karin Jenny, Beratungsstelle für Sans Papier Bern, ist gegen die Forderung der Nationalratskommission: «Wenn Lehrer diese Kinder melden müssen, ist klar, dass die Kinder nicht mehr in die Schule geschickt würden.» Die Kinder würden zuhause bleiben, ist Jenny überzeugt. «Und das wäre verehrend für ihre Zukunft.»

Jenny bezweifelt, dass es durch verschärfte Regeln weniger Sans Papiers in der Schweiz geben würde. Pro Jahr führt sie und ihre Kollegen 2000 Beratungen durch. 25 Mal jährlich wird ein Härtefallgesuch bei der Stadtberner Fremdenpolizei eingereicht. Wird dieses von der Polizei und schliesslich vom Staatssekretariat für Migration (SEM) bewilligt, erhält die Person eine Aufenthaltsbewilligung.

Schülerin Laila hatte Glück: Ihr Gesuch wurde vor Kurzem bewilligt. So ist sie ihrem Berufswunsch näher gekommen. Sie will Ärztin werden und hat ihren langen Ausbildungsweg bereits geplant «Nach dem 10. Schuljahr will ich eine Krankenschwester-Lehre machen, dann die Matura nachholen und studieren», so das Mädchen.

47 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Da gibt es einen Skandal nach dem Anderen, Oeltransport nach Syrien, Ruag, Goldhandel mit geächtetem Land und viele mehr. Diejenigen die sich hier ein Auskommen wegen der unaushaltbaren Lebensbedigungen, wegen Krieg, Ausbeutung, Diktatur u.a. verursacht durch den Westen, inkl. Schweiz, deren Kinder will man nun auch noch diesen Schaden bezahlen lassen - super! Die Knallharten beschimpfen dann diejenigen, die Verständnis für die Sans Papiers haben, als Gutmenschen, auch gut, denn das sind sie!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
      " beschimpfen dann diejenigen, die Verständnis für die Sans Papiers haben, als Gutmenschen," Wo gibt es Beschimpfungen. Bitte diese doch beachtliche Behauptung belegen und Wortwörtlich zitieren. 2. Es geht hier nicht um eine Grundfarge um die Aufnahme von Flüchtlingen. Es geht um Sans Papiers. Man kann gerade von verfolgten und von Eltern Allgemein erwarten, dass sie den Kindern zuliebe mit den Behörden zusammenarbeiten und einen legalen Asylantrag stellen. Wenn man nichts zu verheimlichen hat
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Lobermann: Sie verwechseln Sans papiers und abgewiesene Asylbewerber. Das ist nicht und war noch nie dasselbe.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
      Mit welchen Worten soll ich denn Verdacht verschuldet haben dies zu verwechseln. Ich verwechsle es doch nicht. Ich sage wer Kinder hat, soll mit den Behörden erst recht zusammenarbeiten. Und ja Sans Papiers können gar keine abgewiesen Asylbewerber sein, da sie ja gar keinen Antrag stellten. Und dies verurteile ich. Aber darf ich nun erfahren mit welchen Worten ich in Verdacht geraten bin irgendwas zu verwechseln?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Lobermann (Weihnachtsfreude)
    Und natürlich auch bei diesem Thema kommen unsere Grünen Dauerschreiber und bezeichnen JEDE Kritik an der Praxis und an Sans Papiers als "Hetze" Es ist so einfach, so simpel immer wieder jede Kritische Stimme populistisch, polemisch niederzuschreien. Nein wenn man Eltern kritisiert welche nicht mit Behörden zusammenarbeiten. Sans Papiers welche jegeliche Auskunft über ihre Herrkunft verweigern zu kritisieren ist nicht hetze. Aber klar. Es gibt auch hier Grenzfälle wo man nicht pauschalisiert
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Alle Kinder muessen der Behoerde gemeldet werden, DIE muss wissen wer zur Schule geht, gehen muss, es ist deren Aufgabe und auch deren Pflicht zu kontrollieren. Es heisst ja nicht, dass Kinder die illegal in der CH sind unser Sozialsystem nicht nuetzen duerfen! Das ist keine Gewissensfrage sondern eine Pflichtfrage.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen