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Schweiz Satte Managerlöhne trotz Abzocker-Initiative

«Stopp der Abzockerei» – das versprach die Initiative von Thomas Minder. Seit Anfang Jahr ist sie in Kraft. Nach den ersten grösseren Aktionärsversammlungen zeigt sich: Tiefere Gehälter beim Management – Fehlanzeige. Hat die Minder-Initiative ihr Ziel verfehlt?

Legende: Video «Wirkt die Abzocker-Initiative?» abspielen. Laufzeit 1:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.05.2014.

Mit seiner Abzocker-Initiative hat der parteilose Thomas Minder den Nerv des Schweizer Stimmvolkes getroffen. Fast im Alleingang und mit höchstens halbherziger Unterstützung der Parteien brachte der Schaffhauser das Wirtschaftsestablishment zum Zittern.

Aktionäre segnen weiter hohe Gehälter ab

Seit 2014 ist die Gesetzesvorlage, welche aus der Initiative hervorging, in Kraft. Mit ernüchterndem Resultat. Nachdem mehrere Grosskonzerne ihre Generalversammlungen abgehalten haben, wird klar: Von tieferen Managerlöhnen wollen die Aktionäre weiterhin nichts wissen.

Zwar konnten die Aktionäre noch keine bindenden Entscheide zu den Löhnen der Verwaltungsräte und Führungspositionen fällen. Erst ab dem nächsten Jahr gehört dies zu ihrem Pflichtenheft.

Initiant Minder sieht zu viele Schlupflöcher

Das bringt Initiative-Vater Minder auf die Palme. Die Umsetzung dauere zu lange. Die Verordnung des Bundesrates sei mangelhaft. «Es stört mich ganz gewaltig, dass die Verordnung so viele Hintertüren offen lässt», sagt der Ständerat gegenüber der «Tagesschau».

«Das Volk begreift nicht, dass sie diese Initiative vor 15 Monaten mit einem hohen Ja-Anteil gutgeheissen hat. Und jetzt lassen die Unternehmen ihre Aktionäre nicht einmal über die Vergütungen der Kader abstimmen.»

Das Justizdepartement antwortet auf diese Kritik schriftlich, die Verordnung sei «zwei Monate früher als gefordert umgesetzt» worden. Der Bundesrat habe dabei den Geist der Initiative «sehr wohl berücksichtigt».

Die Grossaktionäre sind in erster Linie an hohen Gewinnen interessiert und weniger an tiefen Managerlöhnen
Autor: Peter V. KunzProfessor für Wirtschaftsrecht

An den hohen Managerlöhnen und –boni werde sich auch in naher Zukunft nichts ändern. Davon überzeugt ist Wirtschaftsprofessor Peter V. Kunz von der Universität Bern. Die Minder-Initiative habe in erster Linie dazu geführt, dass die Aktionäre entscheiden.

«Bei vielen Publikumsgesellschaften in der Schweiz sind es ausländische Aktionäre, die dominieren. Diese Grossaktionäre sind in erster Linie an hohen Gewinnen interessiert und weniger an tiefen Managerlöhnen», so Kunz. Daran werde sich auch nichts ändern, wenn die Initiative vollständig umgesetzt sei.

28 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Also wenn eine Bank eine Busse von enigen Milliarden..MILLIARDEN....(lass Dir das mal auf der Zunge vergehen) einfach so einsteckt und dann noch zufrieden ist, dann sollte man doch nicht wegen einigen Managerloehnchen streiten.. Lohn.. kommt ja von Belohnung.. wenn man was gut gemacht hat.. Verdienst von etwas durch Leistung verdienen... hmmmmmmm.. so gesehen .. sollte die Bank was von ihren "Managern" bekommen!
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  • Kommentar von Frederic Weil, Adliswil
    Wann wird endlich einmal das Aktienrecht revidiert? Stimmen dürften an einer GV nur anwesende Aktionäre. Vertreter und Stimmenpools bei Verwaltungsrat freundlichen Treuhänder und Anwälten sollten unzulässig sein. Nur so hat der kleinere Aktionär überhaupt Chancen sich Gehöhr zu verschaffen. Ansonsten empfehle ich die Abschaffung des Konstrukts AG. Es könnte doch auch UBS GmbH heissen. Dann kann man in der Tat machen was man will.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Je ungleich verteilt die Vermögen, desto schwächer die Demokratie. Das ist nicht nur bei Unternehmen so.
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