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Schweiz «Sauver Lavaux»: Franz Weber und der Wille Gottes

In der Waadt wird nächstes Wochenende nicht nur über den Gripen abgestimmt, sondern auch über die Zukunft des Lavaux. Die Rebberge zwischen Montreux und Lausanne sind Weltkulturerbe – und von Immobilienfirmen bedroht, meint Franz Weber. Der Umweltschützer legt dem Volk eine radikale Initiative vor.

Franz Weber wirbt in Lausanne für seine Initiative. Neben ihm links seine Frau Judith Weber.
Legende: «Jetzt ist alles bedroht»: Franz Weber wirbt in Lausanne für seine Initiative zum Schutz der Reben. Keystone

Franz Weber hat eine Mission. «Als Gott die Welt erschuf, verfügte er, dass hier im Lavaux Reben stehen sollen», philosophiert er. «Nach Gott kamen die Menschen. Sie erbauten zwischen Himmel und See die schönste Treppe der Welt. In jahrhundertelanger Liebe und Mühe errichteten sie einen Dom aus Gemäuer und Weinstöcken.»

Nun sei das alles bedroht, sagt Weber. Es werde getrickst, die Gemeinden missbrauchten ihren Spielraum konsequent zugunsten von Spekulanten.

Tatsächlich wird vereinzelt noch immer gebaut im Lavaux. Obwohl Weber schon zwei Volksinitiativen zum Schutz der Reben durchbrachte. Deshalb tritt er nun mit einer dritten Initiative an, die wirklich alle oberirdischen Bauten verbietet und den Schutz des Lavaux auf die angrenzenden Gebiete ausweitet. Damit der Volkswille endlich geschehe.
Der Kampf um die Landschaft des Lavaux: In der Waadt ist er das Thema vom kommenden Sonntag. Für die Weinbauern ist die dritte Initiative zur Rettung des Lavaux der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Erstmals schalten sich die Winzer in die Auseinandersetzung ein, hängen Transparente an die Natursteinmauern: Nein zu Sauver Lavaux, steht darauf.

Die Gegner wollen auch mehr Schutz, aber nicht zu viel

Zum Beispiel Bernard Gorjat, 57-jährig, in der vierten Generation Winzer in Aran. Er schenkt ein Glas Chasselas ein. Ein fruchtiger, ein schöner Jahrgang. Gorjat ist stolz auf seinen Wein. Und stolz auf die Schönheit der Rebberge. Trotzdem will er auf die Hilfe der Landschafts- und Naturschützer verzichten.

«Nein zu Sauver Lauvaux»
Legende: «Nein zu Sauver Lauvaux»: Eins von vielen Protestplakaten in den Weinbergen Keystone

Er wolle nicht unter einer Käseglocke leben, sagt Gorjat. Die Betriebe müssten sich entwickeln können. Es brauchte zum Beispiel Möglichkeiten zur Bewirtung von Gästen – für Anlässe wie hier und jetzt: eine Degustation des neuen Jahrgangs.

Vier lange Tische hat Gorjat vor sein Haus gestellt, zehn Weine bietet er zum Probieren an. Dazu Prospekte: Nein zur Initiative, Ja zum Gegenvorschlag der Regierung, weil so der Schutz verstärkt, aber nicht jeder Neubau ausgeschlossen werde.

Bei den Liebhabern von Landschaft und Wein zündet diese Parole: mehr Schutz, aber nicht zu viel. Das sei eine typische Waadtländer Lösung, sagt eine Rentnerin auf der Strasse. Weder ganz falsch noch ganz richtig. Den Schutz ausbauen, aber massvoll – das überzeuge auch Leute, die sonst der Initiative zugestimmt hätten, sagt eine andere.

Es geht um Lebensart

Ein nüchternes Abwägen – bei einem eigentlich sehr emotionalen Thema. Denn im Lavaux wurzeln nicht nur Reben. Das Lavaux sei Heimat, erklärt ein Lausanner Weinliebhaber. Mitten in den Weinbergen zu leben – das sei Lebensart. Und die müsse bewahrt werden.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Ruth Dunseath-Forrer, Coronado, Kalifornien
    Lavaux ist eine der schoensten Gegenden in der Welt. Man sollte die herrliche Gengend, die Weinproduktion schuetzen und nicht mit Ueberbauungen zestoeren.
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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Wenn ich sehe, wie mit der Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative jetzt, genau jetzt umgegangen wird, wird mir beim Gedanken wie dieses Land in Zukunft aussehen wird kotzübel. Die Bau- und Immobilienbranche ist ein grosses gesellschaftliches Übel, in jeder Gemeinde haben deren Vertreter und Lobbyisten ihren Einsitz und Einfluss.
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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    In diesem Land gibt es einige die tiefst davon überzeugt sind, dass Gott ihnen eine Mission in die Wiege gelegt hat. Warum handeln sie nicht konsequent und geben "Gott" das Seeufer zurück, das sie sich illegal angeeignet haben?
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