SBB bricht Versuch mit neuen Einsteigekonzepten ab

Mehr Pünktlichkeit, das ist das Ziel der SBB. Angesichts der zunehmenden Pendlerströme ist das aber kein einfaches Unterfangen, denn das Ein- und Aussteigen verursacht Verzögerungen. Mit einem neuen Halte-Konzept will die SBB dem Problem begegnen. Ein Pilotversuch ist jetzt aber gescheitert.

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Pünktlicher sein – ein schwieriges Unterfangen

0:28 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.7.2014

Die SBB führt keine weiteren Pilotversuche für ein flüssigeres Ein-und Aussteigen der Passagiere mehr durch und bestätigt damit einen Bericht von Radio SRF: Bei einem ersten Probebetrieb im Laufental haben sich die getesteten Massnahmen als zu aufwendig und als zu kostenintensiv erwiesen.

Zu wenig Nutzen für eine halbe Million Franken

Auf den Bahnhöfen Aesch, Duggingen, Grellingen, Zwingen und Laufen hatte die SBB die Perrons in einheitliche 50 Meter lange Sektoren eingeteilt und in verschiedener Weise markiert. So sollten Kunden ihre Plätze rascher finden und Personenflüsse und Haltezeiten optimiert werden. Die Kosten hatte die SBB bei Versuchsbeginn im August 2013 mit rund 550'000 Franken beziffert.

Den ersten Pilotversuch ihres Projekts «Personenkapazitäten Bahnhöfe» hatte die SBB vor rund einem Jahr gestartet. Der Versuch laufe zwar erst Ende August aus, doch kenne man die Ergebnisse jetzt schon in groben Zügen, sagte Philippe Gauderon, Leiter SBB Infrastuktur.

Andere Methoden wählen

Die Versuchsidee sei eine erhöhte Produktionsgenauigkeit gewesen, so Gauderon. Gezeigt habe sich nun, dass die Züge genauer angehalten und die Kunden sich auf den Perrons besser verteilt hätten. Zudem sei der Fahrplan nicht beeinträchtigt worden, wie dies dieLokführer befürchtet hätten.

Allerdings hätten die Tests auch negative Ergebnisse ergeben. So haben die Bodenmarkierungen auf den Perrons nicht viel gebracht. Zudem war die erforderliche Technik zu komplex.

Dem ersten Pilotversuch will die SBB daher keine weiteren Versuche an anderen Testbahnhöfen in der Schweiz folgen lassen. Mehr Pünktlichkeit und kürzere Fahrgastwechsel bleiben indes ein wichtiges Ziel. Die SBB verfolgt dazu jedoch andere Methoden, etwa auf dem Netz der S-Bahn Zürich.

Kritik von Anfang an

Kritik ausgelöst hatte der Versuch schon von Anfang an beim Verband Schweizer Lokführer (VSLF) und der Gewerkschaft SEV. Die Halteorte würden laufend ändern, monierten sie. Das zwinge die Lokführer ablenke und zu langsamerem Einfahren. Die Lokführer sollten aber entlastet und nicht mit neuen Aufgaben konfrontiert werden, sagten die Verbände mit Verweis auf das damalige Zugsunglück von Granges-Marnand (VD).