Zum Inhalt springen

SBB kämpft mit neuer Software Stress vor baldigem Fahrplanwechsel

Legende: Audio Fahrplanwechsel bei der SBB abspielen.
3:06 min, aus Rendez-vous vom 23.11.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gut zwei Wochen vor dem Fahrplanwechsel kämpft die SBB mit einer neuen Software, welche die Lokführer disponiert. Zugausfälle und Verspätungen sind die Folge.
  • Die Eisenbahnergewerkschaft SEV spricht von «enormen Problemen». Wenn das System nicht bald klappe, sehe man für den Fahrplanwechsel schwarz.
  • Die Bahnleitung hat eine Task Force eingesetzt und ist zuversichtlich, die Lösung noch rechtzeitig zu finden. Die Software sei nur ein sehr kleiner Teil der Koordination.

Die Software heisst Sopre. Doch was ein wenig klingt wie «super» war bisher alles andere als das. Die Software dient dazu, die Lokomotivführer zu disponieren. Sie ist also verantwortlich dafür, dass in jeder Lokomotive auch ein Chauffeur sitzt.

In den vergangenen Wochen funktionierte das in vielen Fällen nicht: Züge fielen aus, weil kein Lokführer disponiert war. Die SBB gibt denn auch zu, dass die Einführung der neuen Software nicht sehr gut geklappt hat.

Nun habe die Bahn reagiert, sagt Jeannine Pilloud, Leiterin des SBB-Personenverkehrs: «Wir haben eine Task Force eingesetzt. Wir haben das jetzt zu über 90 Prozent gut im Griff», erklärt Pilloud. Ein wenig angespannt sei man trotzdem, falls es viele unvorhergesehene Vorkommnisse gäbe. Denn bei zu vielen Umplanungen sei der Zeitfaktor das kritische Element.

Wenn alles läuft wie geplant, kann es – egal mit welcher Software – sehr gut bewältigt werden.
Autor: Jeannine PilloudLeiterin Personenverkehr SBB

Aber reicht es, das Problem zu 90 Prozent im Griff zu haben? Denn Pannen und Störungen gibt es auf dem intensiv genutzten SBB-Netz fast täglich. Und mit dem Fahrplanwechsel vom Sonntag, 10. Dezember kommt noch eine zusätzliche Herausforderung auf die Bahn zu.

Von einem «vorprogrammierten Chaos» will Pilloud trotzdem nicht sprechen. Die neue Software sei nur ein sehr kleiner Teil dessen, was bei einem Fahrplanwechsel koordiniert werden müsse. «Wenn alles läuft wie geplant, kann es – egal mit welcher Software – sehr gut bewältigt werden.»

Lokführer: «enormes Problem»

Aber eben, die teure neue Software Sopre bereitet immer noch Probleme. Im Akkord arbeiten Softwarespezialisten daran, das Programm endgültig fit zu kriegen. Man sei aber momentan auf gutem Kurs, sagt Pilloud. Speziell für den Fahrplanwechsel seien noch zusätzliche Kräfte eingesetzt worden. «Wir hoffen, dass wir das gut meistern werden.»

Der SEV erwartet die sofortige Behebung der Mängel. Sonst sehen wir für den Fahrplanwechsel schwarz.
Autor: Jürg HurniGewerkschaft des Verkehrspersonals SEV

Kritischer sehen die Personalvertreter die Situation. Die Gewerkschaft der Lokführer schreibt in einer Stellungnahme von «enormen Problemen»: Das System Sopre lasse «kein zuverlässiges Arbeiten» mehr zuۚ. Jürg Hurni von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV sagt klipp und klar: «Der SEV erwartet die sofortige Behebung der Mängel. Sonst sehen wir für den Fahrplanwechsel schwarz.»

Trotz dieser grossen Skepsis des Personals schaut die SBB-Spitze dem Fahrplanwechsel recht gelassen entgegen. Die SBB müsse zuversichtlich sein. Aber es sei trotzdem immer wieder eine grosse Herausforderung, einen solchen Fahrplanwechsel zu meistern.

Wir müssen zuversichtlich sein. Ein Fahrplanwechsel ist immer wieder eine grosse Herausforderung.
Autor: Jeannine PilloudLeiterin Personenverkehr SBB

Auf jeden Fall ist bereits heute klar, dass nicht nur Bahnfreaks den Fahrplanwechsel am 10. Dezember genau verfolgen werden.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Moser (PaulM)
    Einmal mehr wird von der Spitze das riesige Problem kleingeredet. Wenn ein Automat kein Billett druckt oder die Anzeigetafel dunkel ist, ist das ziemlich sekundär. Wenn aber die Disposition der Lokführer mangelhaft ist (nur 90%), dann ist das für den reibungslosen Betrieb fatal. Was die Lokführer inkl. Einteilung und Lenkung zZ an Zusatzaufwand leisten, um den Betrieb am Laufen zu halten, ist enorm. Aber solches geht nicht auf Dauer. Sopre ist über 4 Jahre alt und läuft immer noch so mangelhaft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Wenn die Fahrplanpflicht aufs Minimum der Ankunft am gleichen Tag im Nachbarort minimiert wird, kann man getrost gelassen beiben. Und die Kunden nicht entschaedigt nicht nur bei zu spaeten und lausigen Vorbereitungen eines Fahrplanwechsels sondern gar bei sofort reumbaren Bagatellen als Vorwand fuer lange Streckenunterbrueche mehrere Stunden einfach stehen lassen kann....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen