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Schweiz SBB will im Wohnungsmarkt noch stärker mitmischen

Die SBB ist nicht nur ein Transportunternehmen, sie ist auch eine der grössten Immobilienfirmen der Schweiz – und die Weichen stehen auf Ausbau. In den nächsten zehn Jahren sollen mehrere Tausend weitere Wohnungen dazukommen.

Die Europaallee in Zürich im Bau.
Legende: Prestigeprojekt Europaallee: In Zürich stellt die SBB bis 2018 schrittweise ein neues Quartier zur Verfügung. Keystone/Archivbild

Hinter der Armee ist die SBB bereits die zweitgrösste Eigentümerin von Immobilien in der Schweiz. Nun will das Transportunternehmen in den kommenden zehn Jahren 3000 bis 4000 weitere Wohnungen bauen. Das Bahnunternehmen investiert dabei 500 bis 600 Millionen Franken. Von den Gewinnen aus dem Immobiliengeschäft profitiert auch die Infrastruktur.

Jährlich flössen Gewinne in Höhe von 150 Millionen Franken in den Ausbau der Bahninfrastruktur, sagte SBB-Immobilien-Leiter Jürg Stöckli in einem Interview mit den Zeitungen «24heures» und «Tribune de Genève».

Mit der Entwicklung der Städte in den vergangenen zehn Jahren seien die Bahnhöfe und ihre Areale immer weiter ins Zentrum gerückt. «Es wird für die SBB deshalb attraktiver, auch in die Quartiere ausserhalb des Stadtzentrums zu investieren.»

Lukratives Geschäft

Heute erwirtschaftet die SBB 4 Prozent ihres Jahresumsatzes aus der Vermietung ihrer Immobilien. «Unser Ziel ist es, diesen Anteil auf 11 bis 15 Prozent des Gesamtumsatzes zu steigern», sagte Stöckli.

Wichtige Projekte seien bereits aufgegleist: die Europaallee in Zürich mit 1,3 Milliarden Franken, die Pont-Rouge in der Genfer Praille für 650 Millionen Franken, das Quartier «Morges Gare Sud» für 180 Millionen Franken oder das Genfer Viertel «Eaux-Vives» für 130 Millionen Franken.

Der frühere Bundesbetrieb ist nicht verpflichtet, den sozialen Wohnungsbau zu fördern. Angesprochen auf dieses Angebot, sagte der SBB-Immobilien-Chef, dass «die SBB bereits 1000 Wohnungen zu vorteilhaften Preisen vermietet und zusätzlich 37 Genossenschaften unterstützt, welche insgesamt 1700 Wohnungen verwalten».

Wohnungsbau: Gut, aber nicht ausreichend?

Das reiche nicht, findet SP-Nationalrätin Evi Allemann, Mitglied der Verkehrskommission. Das Potenzial der SBB liege viel höher, sagte sie gegenüber SRF. Man müsse den Konzern in die Pflicht nehmen.

«Ich finde es richtig, dass die SBB sich auch im Immobilien-Bereich dem Wohnungsbau verpflichtet. Enttäuschend ist nur, dass der gemeinnützige Wohnbau kein Schwerpunkt der Bautätigkeiten ist – das müsste sich dringend ändern.» Ins gleiche Horn blies auch CVP-Nationalrat Martin Candinas.

SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner hält jedoch entgegen: Man erwarte, dass die SBB endlich wie ein Unternehmen arbeite und selbsttragend werde. Und durch die Immobilien könne eben Gewinn generiert werden.

11 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Mit Land oder Immobilien verdientes Geld beruht zur Hauptsache auf Aneignung fremder Leistungen dank Eigentum eines Gutes, welches hohe Monopolrenten abwirft. Einer wirklichen Marktwirtschaft, in der Leistungen honoriert werden, unwürdig. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass der Boden als Geldanlage die Marktwirtschaft zerstört und eine der Hauptursache für die Schulden- und Vermögenskrise der Industrieländer darstellt (wie auch für die schlimmsten Blasenbildungen!).
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  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    "Der frühere Bundesbetrieb ist nicht verpflichtet, den sozialen Wohnungsbau zu fördern." - Das merkt man deutlich! Was er freiwillig macht, ist nur ein Feigenblättchen im Vergleich zum Ganzen.
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  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Liebes SRF interessanter ist doch wie die SBB zu ihrem (Bau-)Land gekommen ist: Entweder hat sie es von den Gemeinden oder Katonen für symbolische Rappen Beträge pro m² gekauft oder die Grundstücke sind von Privaten Zwangsenteignet worden. Darübe sollen sie mal berichten.
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    1. Antwort von andreas furrer, prilly
      @ p.meier: das ist generell eine interessante sache, wie wer (und warum überhaupt) zu land kommt.
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    2. Antwort von Klaus Juch, Starrkirch-Wil
      Auch enteignetes Land wird zu Marktwerten entschädigt. Somit darf angenommen werden, dass alles Land das die SBB im Besitz hält damals zu Marktwerten zugesprochen wurde. Das sich das Land entsprechend positiv entwickelt hat, ist durchaus auch ein Verdienst der öffentlichen Verkehrsanbindung. Der Beitrag der SBB hierzu ist hoffentlich nicht bestritten.
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