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Schweiz SBB will Lokführer für sich behalten

Um die Ausbildung der Lokführer wird seit Jahren gerungen. Die SBB will ihre Mitarbeiter neu wieder selbst ausbilden. Damit verfolgen die Bundesbahnen eigene Interessen beim Kampf um die besten Lokführer.

Ein Lokführer im Zug auf der Strecke von Zürich nach Bern.
Legende: Kindheitstraum Lokführer: Die SBB will den Beruf wieder attraktiver machen. Keystone

Lokführer kann man nicht direkt nach der Schule werden. Es ist eine Zweitausbildung. In den letzten Jahren machten die Anwärter von verschiedenen Bahnunternehmen diese Ausbildung bei Login. Das ist der Ausbildungsverbund vieler Schweizer Unternehmen des öffentlichen Verkehrs.

Damit ist es jetzt aber vorbei: Die SBB macht die Schulung wieder selbst. Das bestätigt SBB-Sprecherin Lea Meyer, und sie sagt auch warum: «Das fachliche Know-how, das wir in sehr grossem Masse besitzen, soll besser im Unternehmen bleiben. Wir möchten längerfristig die Leute näher an uns binden.»

Der Kampf um gute Lokführer

Die SBB möchte also dafür sorgen, dass die angehenden Lokführer dem Unternehmen möglichst treu bleiben. Denn die Suche nach guten Lokführern ist nicht immer einfach, und der Kampf um gute Lokführer zwischen den Bahnunternehmen eine Realität. 3500 Lokführer arbeiten heute allein bei der SBB. Bis in zehn Jahren braucht die Bundesbahn 1000 neue.

Um die Lokführer schneller in den Führerstand zu bekommen, hat die Bahn schon vor einigen Jahren die Ausbildung auf ein Jahr verkürzt. Ein Fehler, denn die Fahrpraxis komme heute in der Ausbildung tendenziell zu kurz, findet Hubert Giger vom Lokführer-Personalverband: «Wir wünschen uns, dass die Ausbildung verlängert wird, damit mehr Erfahrungen im praktischen Betrieb gesammelt werden können.»

SBB-Sprecherin Meyer widerspricht: «Die Praxiserfahrung ist nach wie vor enorm hoch. Die Lokführer bewandern Tunnel, gehen auf Abstellfeldern und machen Trainings auf stehenden Fahrzeugen.» Dazu kommen laut Meyer 80 bis 90 effektive Fahrtage in der Ausbildung.

Ausbildung attraktiver gestalten

Ob die Ausbildung nach dem tödlichen Unfall bei Payerne und anderen Zwischenfällen mit Fahrfehlern von Lokführern allenfalls angepasst wird, ist offen. Die SBB will sich dazu erst äussern, wenn der offizielle Untersuchungsbericht vorliegt.

Unabhängig davon will die SBB die Ausbildung attraktiver machen. Ein Versuch mit einem berufsbegleitenden Lehrgang in Zürich für zwölf Männer und Frauen ist geglückt. Weitere sollen folgen. Ein anderer Anreiz, Lokomotivführer zu werden, könnte sein: Die Ausbildung wird zu einem Lehrgang aufgewertet, der mit einem eidgenössischen Fähigkeitsausweis abgeschlossen wird.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Frank Schütte, 58239 Schwerte
    Grundsätzlich muss die Lokführerausbildung überdacht werden !!! Meine Meihnung ist grundsätzlich eine Ausbildung als (Informationselektroiker,kommunationselektroniker und etc Energieanlagenelektroniker) vorangug und danach eine Ausbildung zum Lokfüher 2-3 Jahre mit dem Abschluss Ingeneur / Bachelor abzuschliessen.
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  • Kommentar von Meyer Stefan, Basel
    Das ich nicht lache, die SBB hat vor Jahren die Ausbildung an Login Outgessourced, nach jahrelangem Kampf und stetig steigendem Frust bei den neuen Kollegen wurde jetzt endlich der Weg zurück zur SBB gefunden. Unsere liebe Pressesprecherin Lea Meyer hat absolut keine Ahnung, der SBB ist jeder Franken zu teuer in der Ausbildung, learningby doing im Lokführerjob nachder Ausbildung. Sogar bei den gestanden Lokführern heisst es, nein diese Ausbildung brauchst Du nicht, ist zu teuer.
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    1. Antwort von Paul Moser, Genf
      Solche Dinge sind natürlich sehr "motivierend" für die Mitarbeitenden. Manager haben es immer noch nicht geschnallt, dass nur zufriedene und motivierte Mitarbeitende einen guten Job machen - Zufriedenheit misst sich nicht nur am Lohn, sondern hat auch viel mit Wertschätzung und der Förderung eines guten Betriebsklimas (dazu gehört auch Weiterbildung) zu tun. Aber eben, wenn Mitarbeitende nur als reiner Kostenfaktor betrachtet werden, dann muss man sich über nichts nicht wundern.
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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Endlich wird was gegen den "Fachkräftemangel" getan; weis man ja nicht erst seit Heute, das geoutsourcte "Ausbilder" genau das Minimum schulen... Hingegen weis man, das die SBB, je mehr die Ausbildung zu regionalen Betrieben ausgelagert wurde, immer lauter nach Fachkräften geschrien hat... Schade zählt niemand 1 und 1 zusammen... Immerhin geht es überal so; Bahn, Bus, Krankenpflege... Jeder will "das fertige Produkt", anstatt sich selber um die Ausbildung zu bemühen...
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    1. Antwort von Paul Moser, Genf
      Hoffentlich gibt man in der "neuen" Ausbildung auch das Konzept auf, nur noch Spezialisten auszubilden. Die Ausbildung und die spätere Praxis soll alles umfassen können (Regional- und Fernverkehr) und dies auf möglichst alle Fahrzeugen. Nur so kann der Beruf interessant und abwechslungsreich sein und damit auch attraktiv bleiben. Das kostet etwas mehr - aber wie die Praxis (einmal mehr) zeigt, kann nur das die Zukunft des Berufs sein.
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    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      P. Moser: SBB Cargo nicht vergessen (ok, dort könnte man eine Ausnahme machen), aber sie haben recht. Vor allem weil es dann nicht "zu viele Regional-Lokführer bei zu wenigen Fernverkehrs-Lokführern" geben kann... Hald eben so, wie es vor der Privatisierungs-Manie war... Jeder konnte alles, und darum war CH-Personal auf der Welt das, was jetzt Deutsche in der CH sind: willkommener als heimisches Personal...
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