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Grösster Schweizer Betrugsfall Schadenersatz in Höhe von 207 Millionen Franken – theoretisch

Nach dem Strafverfahren und der Verurteilung 2016 hat das Bundesstrafgericht den Zivilforderungen im Fall Dieter Behring stattgegeben. Die Geschädigten erhalten Schadensersatzansprüche von 207 Millionen Franken. Behring will das Urteil jedoch weiterziehen.

Legende: Video «Behring muss Anlegern Millionen zahlen» abspielen. Laufzeit 1:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.03.2017.

Das Bundesstrafgericht hat sich erneut mit dem Betrugsfall Dieter Behring beschäftigt. Nach dessen Verurteilung wegen gewerbsmässigen Betrugs im September 2016 ist nun das Urteil über die Zivilforderungen gefallen.

Behring hat nicht so viel Geld

Laut Bundesstrafgericht haben die Geschädigten Anrecht auf Schadensersatz von insgesamt 207 Millionen Franken. Bei vielen geht es um Summen von einigen Zehntausend Franken, ebenso vielen wurden mehrere hunderttausend Franken zugesprochen, bei wenigen geht es um Millionen. Doch diese Höhe der Entschädigung wird nicht Realität werden.

207 Millionen – so viel kann Behring nicht aufbringen. Die Geschädigten werden ihr Geld nicht erhalten.
Autor: Daniel SchäferSRF-Korrespondent im Tessin

Laut dem Richter wurde bei Behring lediglich ein Vermögen eines «mittleren zweistelligen Millionenbetrags» beschlagnahmt.

Legende: Video «Einschätzungen von Korrespondent Daniel Schäfer» abspielen. Laufzeit 2:14 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.03.2017.

Eine riesige Enttäuschung für die Geschädigten, sagt SRF-Korrespondent Daniel Schäfer. Einzelne seien für den Prozess extra angereist. Das Verfahren dauere schon über 12 Jahre – und nun hätten sie erfahren, dass sie weniger als 20 Prozent ihres Geldes zurückerhalten, so Schäfer.

Das Gericht hat insgesamt 1189 Schadensersatzforderungen berücksichtigt, nachdem sich einige der 1300 Privatkläger zurückgezogen hatten. 370 weitere Opfer, die mit diesenm Entscheid nicht berücksichtigt wurden, müssen versuchen, ihre Forderung auf dem zivilen Weg durchzusetzen. Bei ihnen lag unter anderem keine bezifferte Forderung vor oder der Fluss der Investitionen war nicht nachvollziehbar.

Behring zieht Urteil weiter

Bevor aber überhaupt Schadensersatzforderungen ausbezahlt werden können, muss das Urteil rechtskräftig sein. Laut dem Richter soll das begründete Urteil «in einigen Wochen» vorliegen.

Behrings Privatverteidiger kündigte nach der Urteilsverkündung an, dass er und sein Mandant das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen werden.

«Es wird ein weiteres Kapitel aufgeschlagen und wohl bis 2018 weitergehen», sagt SRF-Korrespondent Schäfer. Allerdings könnte der Prozess in einem Punkt schneller gehen: bei den Zivilforderungen. Wenn Behring diese akzeptiere, könnte mit der Verteilung des Geldes begonnen werden, so Schäfer.

Was bisher im Fall Dieter Behring geschah

Der Schweizer Investor Dieter Behring lockte mit seinem Trading-System rund 2000 Anleger aus ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an. Von der Kleinkinderzieherin bis zum Pilot – alle sollten Traumrenditen erhalten. Behring aber verlor das Geld. Die Schadensumme beläuft sich offiziell auf 800 Millionen Franken. Er selber lebte aber in Saus und Braus. Ab 2004 wurde 12 Jahre lang gegen Behring ermittelt. Ende September 2016 wurde er wegen gewerbsmässigen Betrug schliesslich vom Bundesstrafgericht zu 5 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Edi Steinlin (stoni)
    Dass Behring heute, nachdem 12 Jahre vergangen sind, noch völlig frei herumläuft ist eine Schande für unsere Justiz. Dieser Mann gehört seit Jahren ins Gefängnis. Würde ich ein paar Parkbussen nicht bezahlen, würden diese umgewandelt und innerhalb von ca. einem Jahr müsste ich sie absitzen. Ich schäme mich für unsere unfähige teure Justiz.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, die leichtsinnigen Leute, die solchen Finanzjongleuern ihr Geld anvertrauen sterben anscheinend nie aus.
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    2. Antwort von Verena Casagrande (Verena Casagrande)
      Eine Parkbusse sind auch nicht Millionen, heute muss man anscheinend im grossen Stil betrügen.
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    3. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Die Schweiz ... wie Russland, wo die grossen korrupten Gauner mit Samthandschuhen angefasst werden ...
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    4. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Solche kriminelle Geldeintreiber können nur so lange ihr Unwesen treiben, wie es unüberlegte und labile Geldgeber (Anleger) gibt! Solches blindes nacheifern, nach hohen versprochenen Zinsen, beginnt schon im Kleinen: Werbefahrten-Abzocker gehören ins gleiche Kapitel! Nur jene Gauner fahren weiterhin täglich ihre "Opfer" halb vergebens zu den Werbe-Veranstaltungen und drehen ihnen (oft unter Druck!) völlig überrissene Waren an! Behring war ein "grosser" Gauner, der viele in den Ruin trieb!
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