Schlechte Noten für Bildungsdirektorin Aeppli

Regine Aeppli soll bei der Entlassung von Christoph Mörgeli ihre Kompetenzen überschritten haben. Auch weitere Führungsleute hätten versagt. Zu diesem Urteil kommt die Bildungskommission des Zürcher Kantonsrats.

Regine Aeppli

Bildlegende: Aussage gegen Aussage – für Regine Aeppli dürfte das letzte Kapitel noch nicht geschrieben sein. Keystone

Der Bericht der Kommission Aufsicht Bildung und Gesundheit (AGB) des Zürcher Kantonsrats geht mit der Führungsriege der Universität Zürich hart ins Gericht. Das schreibt die «Sonntagszeitung», welcher der Bericht zur Entlassung von Christoph Mörgeli vorliegt – dem damaligen Kurator des Medizinhistorischen Museums.

«Kollektives Führungsversagen»

Ebenfalls entlassen wurde in dem Zusammenhang die Professorin Iris Ritzmann. Der damalige Rektor Andreas Fischer trat vorzeitig zurück.

Fischer, Prorektor Daniel Wyler und dem Dekan der medizinischen Fakultät müsse «ein kollektives Führungsversagen attestiert werden.» Als ungenügend hätten sich auch der Rechtsdienst und die Kommunikationsabteilung der Uni erwiesen.

Insbesondere Bildungsdirektorin Regine Aeppli kommt im Bericht schlecht weg: Sie soll ihre Kompetenzen überschritten haben. Demnach hat Aeppli die Universitätsleitung aufgefordert, den damaligen Kurator des Medizinhistorischen Museums zu entlassen. Aeppli bestreitet den Vorwurf aber weiter vehement.

Medienkonferenz vorverlegt

Am Dienstag wollte die AGB an einer Medienkonferenz über die Ergebnisse ihrer sechsmonatigen Tätigkeit informieren. Die «SonntagsZeitung» hat jedoch bereits vorab aus dem als geheim eingestuften Bericht zitiert.

Damit hat sie die AGB in Bedrängnis gebracht. Diese entschied noch am Sonntag, die Medienkonferenz auf den morgigen Montagnachmittag vorzuverlegen, wie Kommissionspräsident Jörg Kündig (FDP) sagte.

In ihrem Bericht verweist die Kommission auf ein Gespräch vom 17. September 2012. Teilgenommen hatten neben Aeppli der damalige Unirektor Andreas Fischer, die zuständige Personalverantwortliche sowie der Chef des Hochschulamtes, Sebastian Brändli.

Fischer und die Personalverantwortliche sagten laut Bericht übereinstimmend aus, dass Regierungsrätin Aeppli in dieser Besprechung «ziemlich aufgebracht gewesen sei und den Rektor zur Kündigung von Prof. Mörgeli aufgefordert habe.» Dabei sei auch das Wort «fristlos» gefallen. Diese Aussagen bestätigt habe auch der Leiter des Uni-Rechtsdienstes, dem Rektor Fischer anschliessend die Ergebnisse des Gespräches geschildert hatte.

Aeppli dementiert

Eine mutmassliche Falschaussage soll Aeppli in einem Interview mit der «Rundschau» am 19. September 2012 gemacht haben. Sie sprach von einer «Bewährungsfrist» von sechs Monaten, die man Mörgeli auferlegt habe. Dies widerspricht laut der Kommission den Tatsachen. Später bereute Aeppli die Verwendung dieses Begriffs.

Gemäss dem Kommissionsbericht verteidigte sich die Bildungsdirektorin, sie habe den Rektor «sicherlich nie zu einer Kündigung aufgefordert». Zudem wies sie in einer Stellungnahme den Vorwurf der Kompetenzüberschreitung zurück.

Causa Mörgeli

Ausgelöst wurde die Affäre um Christoph Mörgeli im Spätsommer 2012 durch einen Artikel im «Tages-Anzeiger», in dem aus einem damals noch nicht freigegebenen Akademischen Bericht zitiert wurde. Es ging dabei um eine schlechte Beurteilung von Mörgelis Tätigkeit als Leiter des Museums. Die Angelegenheit zog rasch weitere Kreise.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Universität Zürich strukturiert nach «Fall Mörgeli» um

    Aus Tagesschau vom 6.5.2014

    Das Medizinhistorische Museum bildete die Kulisse für den Arbeitskonflikt zwischen Christoph Mörgeli und der Universitätsleitung. Nun will die Uni das Museum entstauben und publikumsnaher machen. Das Museum wird vom Medizinhistorischen Institut getrennt.

  • Fall Mörgeli: Aufsichtskommission schaltet sich ein

    Aus Tagesschau vom 14.11.2013

    Was passierte wirklich am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich? Dieser Frage geht nun auch die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit des Zürcher Kantonsrates nach.