Schulen rüsten auf gegen mögliche Amokläufe

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit rüsten sich immer mehr Schweizer Schulen gegen mögliche Amokläufe. Behörden installieren spezielle Schliessmechanismen und Alarmanlagen. Was bringt das?

Leeres Schulzimmer mit Pulten und Stühlen.

Bildlegende: Schüler und Lehrer sollen dank Schloss und Alarm vor Amokläufen geschützt werden. Keystone

Elf Schulmassaker hat es in den letzten 15 Jahren in Deutschland gegeben. In der Schweiz kam es bisher zum Glück nur zu Drohungen. «Trotzdem», sagt Beat Zemp, Präsident der Schweizer Lehrer, «rüsten die Schulen auf».

In vielen Kantonen werde umgebaut. «Es geht da vor allem um Schliessmechanismen, dass man Schulzimmer blockieren kann. Und es geht um Alarmierungssysteme; Lehrer sollen informiert werden können, wenn ein Amoklauf im Gang ist.» Erfahrungen im Ausland hätten gezeigt, dass das Einschliessen der Klassen viele Opfer verhindert.

In der Stadt Zürich zum Beispiel sollen nächstes Jahr alle 140 Schulhäuser gesichert werden. In Basel hat die Polizei in den Ferien eine mehrtägige Polizeiübung in einem Schulhaus durchgeführt.

« Prävention ist noch wichtiger »

Was bringen diese Massnahmen? Sie sind sicher nützlich, sagt die Kriminalpsychologin Karoline Roshdi aus Frankfurt. Noch wichtiger sei aber die Prävention: «Wir wollen erst gar nicht, dass diese Taten überhaupt passieren. Sondern, wir wollen Schüler in krisenhaften Lagen entdecken und sie aus dieser Krise rausführen.»

Die Kriminalpsychologin empfiehlt den Schulen, sogenannte Krisenteams zu bilden. Diese Teams klären mögliche Gefahren – nicht nur Amokdrohungen – genauer ab und sammeln Hinweise. Im Kanton Solothurn machen die Schulen das bereits flächendeckend. Darüber hinaus gibt es eine spezielle Software mit der Lehrer verhaltensauffällige Schüler überprüfen können.

Profitables Geschäft

Der Schutz vor Amoktaten ist unterdessen zu einem profitablen Geschäftsfeld für Psychologen geworden. Der Zürcher Gerichtspsychiater Frank Urbaniok findet den Einsatz dieser Mittel nicht schlecht: «Das führt zu einer Sensibilisierung. Aber das allein reicht nicht.»

Eine einfache Check-Liste ersetze auf keinen Fall die genaue Analyse des Einzelfalls. «Vorkehren ist gut», sagt Urbaniok, «aber es gilt, dabei Mass zu halten». Denn Amokläufe sind zum Glück doch relativ selten. Und die totale Sicherheit gibt es nicht.

(basn; engf)