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Schweiz Schulen und Verwaltungen warten auf Jodtabletten

Alle zehn Jahre verteilt der Bund im Umkreis von AKW Jodtabletten – zum Schutz vor Radioaktivität. Während bei den Haushalten die Verteilung einwandfrei geklappt hat, kam es bei Schulen und Verwaltungen jedoch zu Verzögerungen.

Packung mit Jodtabletten liegt auf einem Tisch.
Legende: Die Haushalte haben die Tabletten schon Ende 2014 erhalten. Keystone

Die Jodtabletten sind im Ernstfall die erste Massnahme zum Schutz vor Radioaktivität bei einem AKW-Unfall. Alle zehn Jahre verteilt der Bund diese im Umkreis von Atomkraftwerken – heuer erstmals in einem Radius von 50 Kilometern um ein AKW. Bislang waren es 20 Kilometer.

Die Privathaushalte haben ihre Jodtabletten bereits Ende des letzten Jahres erhalten. Bei der Verteilung in Betrieben, Verwaltungen und Schulen ist es aber zu Verzögerungen gekommen.

Nicht alle Daten eingereicht

Eigentlich hätten Betriebe und öffentliche Einrichtungen ihre Jod-Tabletten bis Ende März erhalten sollen. Hätten – sagt Max Zulliger von der zuständigen Geschäftsstelle Kaliumiodid-Versorgung. Hauptgrund für die Verzögerung seien die Daten zu den Angestellten – bei den rund 300‘000 betroffenen Betrieben liegen erst die Zahlen zum Jahr 2012 vor. Und zu den Angestellten von Spitälern, Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen fehlten die Angaben aus den Gemeinden noch.

Was also bei einem Störfall in einem Atomkraftwerk? Zulliger: «Die Betriebe und öffentlichen Einrichtungen in den Zonen 1 und 2 sind ja von der frühen Verteilung mit Jod-Tabletten versorgt. Und darüber hinaus, was ausserhalb dieser 20 Kilometer-Zone ist, die Zone 3, auch dort hätten wir genügend Jod-Tabletten, die wir unmittelbar zur Verfügung stellen könnten.» Bis Mitte Jahr sollen dann alle im 50-Kilometer-Umkreis ihre Jodtabletten erhalten haben.

Gleich zwei Projektleiter ausgefallen

Auch die Antworten der Gemeinden gehen zögerlicher ein als erwartet. Gemeinden innerhalb eines Radius' von 50 Kilometern rund um ein Atomkraftwerk müssen der Geschäftsstelle melden, wie viele Schüler ihre Schulen besuchen und wie viel Personal sie in öffentlichen Einrichtungen wie Spitälern beschäftigen. Kleine Gemeinden hätten sich rasch einen Überblick verschaffen können, bei grossen Gemeinden und Städten sei das schwieriger.

Daneben wurde die Geschäftsstelle selbst noch vom Pech verfolgt: Die beiden Projektleiter verunfallten beide innerhalb von zwei Tagen bei Sportunfällen und fielen für mehrere Wochen aus. «Bis die für sie Eingesprungenen richtig eingearbeitet waren, gingen zwei bis drei Wochen ins Land», sagte Zulliger. Dadurch verzögerte sich die Verteilung zusätzlich.

Kein Schutz vor anderen Substanzen

Die Tabletten dürfen nur auf Anordnung der Behörden eingenommen werden. Bei einem AKW-Unfall kann radioaktives Jod in die Umgebung austreten. Dieses wird vom Menschen durch die Atemluft aufgenommen und reichert sich in der Schilddrüse an. Die Tabletten verhindern die Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisiert, die Jodtabletten schützten zwar gegen radioaktives Jod, nicht aber gegen andere radioaktive Substanzen, die bei einem Atomunfall austreten könnten. Ein wirksamerer Schutz sei die Stilllegung der Atomkraftwerke.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont, Küsnacht
    Wie schlau Greenpeace immer wieder ist: "Alle AKW stilllegen - und durch Kohlekraftwerke ersetzen (Demos gegen CO2 lassen grüssen), wie es heute im grossen Stil geschieht - ist tatsächlich ein wirksamer Schutz vor möglichen Opfern durch radioaktive Verstrahlung, Nur, dann müsste man sehr vieles stilllegen. Z.B. den Individualverkehr, der nicht nur mögliche Opfer sondern jedes Jahr mit 100%iger Sicherheit hunderttausende von Toten und Millionen von Verletzten / Behinderten produziert!
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Dupont, so ein Gugus! AKWs werden nicht durch Kohlekraftwerke ersetzte. Machen Sie sich mal schlau wie sich der Strommix in Deutschland entwickelt hat, dann merken Sie, dass Ihre Aussage nicht richtig ist. Die Deutschen diskutieren nicht lange, die handeln - da sollten wir uns eine Scheibe davon abschneiden. Wir sollten in Lösungen denken und Handeln und nicht in Problemen. Vielleicht ist es auch ein Glück, dass die Merkel Physikerin ist und so die Technik besser erfasst.
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    2. Antwort von Urs Dupont, Küsnacht
      @Müller: Nicht alles ist Gugus, was einem nicht in den Kram passt. Genau DE ist ein gutes Beispiel. Allein 2014 kamen dort Kohlekrafwerke mit der Kapazität von 10 x Mühleberg an's Netz.Weltweit wird sogar mit der Kapazität von 1400 x Gösgen geplant. Alles aus der Sonntagszeitung, die ja doch eine einigermassen seriöse Zeitung ist. Was sind denn Ihre Quellen?
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    3. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Dupont, hier meine Quelle, im Internet finden Sie viele mit ähnlichen Angaben. Suchen Sie unter Energiemix 2014 Deutschland: http://www.unendlich-viel-energie.de/strommix-deutschland-2014
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    4. Antwort von Urs Dupont, Küsnacht
      Die erneuerbare Energie innerhalb von 25 Jahren von 20 Mia. kWh auf knapp 160 Mia. (25.8%) auszubauen ist sicher eine gewisse Leistung. DE deswegen als Vorbild darzustellen, ist aber fehl am Platz, denn deutlich über die Hälfte des Stromes wird immer noch mit viel CO2 produziert (Kohle, Gas). Da ist doch die Schweiz um Lichtjahre weiter, wo dieser Anteil gerade mal ca. 6% beträgt, während der Rest CO2 frei (Wasser 58%) bzw. CO2 arm (KKW) produziert wird. CH hat eben viel früher gehandelt als DE!
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  • Kommentar von Kari Warmbrodt, Thun
    Wirklich alles nur Geldverschwendung. Eine Umverteilung der Steuergelder zur Chemiebranche. Verschiedene Bundesangestellte, die Post als Verteiler und sonstige "Denker" werden super bezahlt. Der noch grössere Irrsinn als Tamiflu,
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Jodtabletten sind Verschwendung von Steuergeldern, zusätzlicher Müll u. ein Beitrag an die Volksverblödung. Jodtabletten führen die Unwissenden in eine politisch arglistig gewollte Scheinsicherheit. Jod schützt gegen das kleinste Übel bei einem Gau, gegen das kurzlebige radioaktive Jod. Jodtabletten schützen nicht gegen Plutonium, Cäsium, usw. Die Einnahme von Jodtabletten ist der Entscheid gegen Schilddrüsen Krebs aber für Knochenkrebs und Leukämie. Wann sagen das die Politiker dem Volk?
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    1. Antwort von J.B. Chardin, Basel
      nie! Die haben ja selbst keine Ahnung!
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