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Lehren aus Fall Rehetobel Schutzwestenpflicht ist weitherum kein Thema

Nach der Bluttat bleibt die Frage, ob sich die verletzten Beamten zu wenig gut schützten. Die Antwort steht noch aus.

Legende: Audio Sicherheit für die Polizei – Fall Rehetobel wirft Fragen auf abspielen. Laufzeit 03:20 Minuten.
03:20 min, aus Rendez-vous vom 04.01.2017.

Bei der Hausdurchsuchung in Rehetobel waren die beiden Polizisten ohne Schutzwesten unterwegs. Einer der angeschossenen Beamten ringt noch immer mit dem Tod, traf ihn doch ein Schuss mitten ins Herz. Auch der andere Beamte ist noch im Spital. Ob Schutzwesten in diesem Fall gewirkt hätten, bleibt noch abzuklären. Sicher ist aber: Die vermeintliche Kooperation des Verdächtigen erwies sich letztendlich als Fehleinschätzung.

Die Betroffenheit beim Ausserrhoder Polizeikorps ist weiterhin gross. Nichts habe darauf hingedeutet, dass der Mann nach der Vorladung auf dem Polizeiposten gewalttätig werden könnte und gar auf die Beamten schiessen würde, sagt Marcel Wehrlin, Sprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei: «Aufgrund der Visitierung konnte man davon ausgehen, dass die Person ungefährlich ist.» Der Mann sei auch während der Hausdurchschung sehr kooperativ gewesen. Seine Handlung sei unverständlich.

Aufgrund der Visitierung konnte man davon ausgehen, dass die Person ungefährlich ist.
Autor: Markus WehrlinSprecher der Kantonspolizei Appenzell-Ausserrhoden

Aus diesem Grund trugen die Beamten laut Wehrlin auch keine Schutzwesten. Polizisten würden bei einer Hausdurchsuchung auch körperlich gefordert. Es sei deshalb absolut nachvollziehbar, dass sie auf den zusätzlichen Schutz einer Weste verzichtet hätten: «Eine Schutzweste schränkt die Körperfreiheit ein. Aufgrund der Lage konnten die Beamten davon ausgehen, dass die Person unbewaffnet war.»

Schutzwesten: Eine Tragpflicht der sperrigen Begleiter will aber nicht einmal die Polizeigewerkschaft.
Legende: Schutzwesten: Eine Tragpflicht der sperrigen Begleiter will nicht einmal die Polizeigewerkschaft. Keystone/Archiv

Eine generelle Tragpflicht einer kugelsicheren Weste gibt es nicht nur bei den Appenzellern nicht. Die meisten Korps in der Schweiz überlassen es ihren Beamten, wann sie eine Schutzweste tragen wollen.

Beim Verband Schweizerischer Polizeibeamter (VSPB) will man von einer generellen Tragpflicht für Schutzwesten nichts wissen. Wichtig sei aber, dass jeder Polizist in der Schweiz über eine Schutzweste verfüge. Über das Tragen müsse man dann situativ entscheiden.

Gerichtspsychiater: Risikofaktor frühere Gewalt

Für den Gerichtspsychiater Josef Sachs ist aber klar, dass sich die Beamten im Fall Rehetobel hätten schützen müssen – trotz anfänglicher Kooperation des späteren Täters. «Die Gefährlichkeit ist vor allem dann gegeben, wenn man weiss, dass die Person bereits früher zu Gewalt gegriffen hat. Das war hier der Fall.»

Die Gefährlichkeit ist gegeben, wenn man weiss, dass die Person bereits früher zu Gewalt gegriffen hat.
Autor: Josef SachsGerichtspsychiater, Brugg

Stapo Zürich: Ausnahmen aus taktischen Gründen möglich

Nicht so bei der Zürcher Stadtpolizei mit dem drittgrössten Korps in der Schweiz. Die Schutzweste gehöre grundsätzlich zur Ausrüstung, sagt Medienchef Marco Cortesi: «Alle Beamten ziehen die Schutzweste an, wenn sie in den Einsatz gehen, wobei es Ausnahmen aus taktischen Gründen geben kann.» Denn mit einer Schutzweste könnten nicht nur Schussverletzungen, sondern auch Verletzungen mit Steinen oder Messern verhindert werden.

Beim Fall in Ausserrhoden zweifelt man jedoch daran, ob eine Schutzweste die beiden Polizisten wirklich so viel besser geschützt hätte, wie Sprecher Wehrlin sagt. Dies würden erst die genauen Untersuchungen zeigen. Das Wichtigste sei jetzt erst einmal, dass es den beiden Polizisten bald wieder besser gehe.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Blatter (blatti)
    Was wir wahrscheinlich nie erfahren ist das es keine Indoor Hanfanlage gegeben hat demzufolge die Haus Durchsuchung reine Schikane war und der Täter einfach durchgedreht hat.... Es rechtfertigt die Tat nicht! Wer sein Leben liebt hat immer die richtige Kleidung dabei!
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Das ist ja allerhand. man riskiert lieber das Leben der Polizisten, aus Spargründend, als dass man sie in der heutigen Zeit von Terror und Gewalt mit den nötigen Schutzbekleidung ausrüstet. Sind wir in einer Bananenrepublik, oder was ist los in diesem Land? Man muss befürchten, dass der Polizeiberuf nicht mehr gefragt ist und so der Polizeibestand nach und nach sinkt. Und dann????
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    1. Antwort von Daniel Unedan (D. Unedan)
      Im Artikel heisst es, dass die beiden keine Schutzweste angezogen hatten. Oder in anderen Worten aus Bequemlichkeit darauf verzichteten, jedoch eine zur Verfügung hätten. Der Artikel beschäfigt sich mit der taktischen Frage, ob die Beamten grundsätzlich gezwungen werden sollen eine Weste anzuziehen oder ob es ihnen weiterhin frei steht zu entscheiden sie weg zu lassen.
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  • Kommentar von Christian Mueller (Christian Mueller)
    Es wäre eventuell ratsam dafür zu sorgen, dass weniger Waffen im Umlauf sind. Jedes Auto ist registriert. Aber ein nationales Waffenregister? Fehlanzeige. Obwohl eine Mehrheit der Polizisten das wünscht, haben die Schweizer leider dagegen gestimmt. Aber kein Wunder, wenn sogar die Armee jährlich 140 Selbstmorde in Kauf nimmt (offizielle Zahlen des BAG und des VBS), nur um dem Mythos der Wehrhaften Schweiz zu dienen. Alle wissenschaftliche Studien belegen: Mehr Waffen: Mehr Tote durch Waffen.
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Immer die selbe naive Sichtweise. Wer eine Waffe besitzen will kann dies tun, mit oder ohne Waffenregister. Und noch etwas: Tötungsdelikte können auch ohne Schusswaffen ausgeführt werden.
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    2. Antwort von Ramon Lang (Zarathusta)
      Die Schweiz hat nach der USA und Jemen die höchste Schusswaffen-Dichte. Nach ihrer Logik und der Logik der sicherlich ach so wissenschaftliche Studien, müssten es in der Schweiz ja ziemlich viele Tote durch Waffen geben. Und die Selbstmorde sind natürlich die Schuld der Waffen. Es ist einfach schrecklich wie Waffen und Züge so viele Menschen zum Selbstmord treiben.
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    3. Antwort von Philipp Etter (Philipp Etter)
      Zwischen einem Auto und einer Waffe besteht ein erheblicher Unterschied. Eine Waffe lässt sich problemlos verstecken, unabhängig davon, ob sie registriert ist oder nicht. Wahrscheinlich sind viele Lokführer froh, wenn sich Selbstmörder nicht vor den Zug werfen, sondern sich erschiessen. Verbrechen mit Schusswaffen werden durch Schusswaffenregistrierung oder Entzug kaum verhindert, weil der Schwarzmarkt nicht kontrolliert werden kann. (siehe Prohibition)
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