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Schweiz Schweiz, Adieu!

Rund 715'000 Schweizer leben im Ausland – Tendenz: steigend. Eine Stimme haben sie mit der Organisation der Auslandschweizer. Sie beklagt zurzeit vor allem eines: Immer mehr Konsulate im Ausland schliessen. Nicht wenige Auslandschweizer müssen für einen Pass deshalb sogar in ein Nachbarland reisen.

Eine Schweizer Flagge vor dem Eingang eines Deutschen Warenhauses
Legende: In Deutschland haben sich rund 80'000 Schweizer niedergelassen. Reuters

Schweizer wandern nicht nur leidenschaftlich gerne in ihre Berge, sondern auch über die Landesgrenze: Laut dem Bundesamt für auswärtige Angelegenheiten ist die Anzahl der Auswanderer 2012 um fast zwei Prozent auf 715'000 gewachsen. Tendenz steigend.

Neben der Globalisierung und der wachsenden Mobilität ist es die Mentalität der Schweizer, die sie wegzieht. «Schweizer sind neugierig auf das Leben im Ausland. Sie wollen etwas Neues lernen», sagt Irène Beutler Fauguel. Sie ist Leiterin des italienischen Dachverbandes der Auslandschweizer und lebt seit nunmehr 40 Jahren in bella Italia.

«Wunsch, die Welt zu entdecken»

Neugier war es damals auch bei Heinz Odermatt. Der Schweizer liess sich mit seiner Familie vor fast 40 Jahren in Neuseeland nieder, wo er lange Zeit lebte und arbeitete. «Ich hatte den Wunsch, die Welt zu entdecken», sagt er heute. Die Natur dort sei besonders reizvoll, weil sie klimatisch bedingt ganz anders sei als in der Schweiz.

In alle Ecken der Welt reist er jetzt noch. Thailand, Singapur, Irland. Momentan weilt er in Köln. Der Auswanderer arbeitet für einen internationalen Energie- und Transportkonzern.

Doch jenseits der Landesgrenzen ist nicht alles besser. Die Organisation der Auslandschweizer (ASO), die sich um die Bürger in der sogenannten fünften Schweiz kümmert und sie in der Öffentlich vertritt, weiss, wo der Schuh drückt.

Eine schmerzende Stelle: Die zunehmende Schliessung von Schweizer Konsulaten im Ausland. Gründe sind unter anderem Sparmassnahmen und «globale Machtverschiebungen».

«Sie werden an wichtigen Orten geschlossen und an einem anderen, unpraktischen Ort wieder geöffnet», kritisiert ASO-Chefsprecherin Ariane Rustichelli.

Für Sotschi, einer russischen Stadt nahe der Grenze zu Georgien, ist eine Vertretung in Planung. Schweizer gäbe es dort wenige, doch finden 2014 die Olympischen Winterspiele statt. Die Imagepflege der Schweiz im Ausland habe offenbar Vorrang.

Auslandschweizer als Vermittler

Laut Rustichelli sehen sich viele Auslandschweizer dadurch als minderwertige Schweizer behandelt. Dabei würden sie dazu beitragen, dass die Schweiz in Sachen Politik und Wirtschaft besser verstanden werde.

«Gerade jetzt, da die Schweiz wegen des Bankgeheimnisses alleine dasteht, sind solche Bürger hilfreich». Oder aber, als hierzulande über das Minarett-Verbot abgestimmt wurde und sich das Ausland über die Annahme brüskierte.

Bereits stehen die nächsten Schliessungen bevor. Nächsten Sommer werden die Generalkonsulate in Chicago und in Toronto ihre Schweizer Flaggen entfernen müssen.

«Dafür hat die Schweiz im Jahr 2012 zwei neue Botschaften in Katar und Myanmar eröffnet, und das Kooperationsbüro in Kirgisistan wurde in den Rang einer Botschaft erhoben», schreibt die Regierung in ihrem aktuellen aussenpolitischen Bericht. Fast 16 Millionen Franken sollen damit eingespart werden. Heute bestehen weltweit 41 Generalkonsulate.

Für den Pass von Budapest nach Wien

Der Schwund hat Folgen: Müssen etwa die fast 2000 in Ungarn lebenden Schweizer ihren Pass erneuern oder den biometrischen Pass beantragen, reisen sie dafür nach Wien, weil es das Konsulat in Budapest nicht mehr gibt. Dieses baute der Bund vor zwei Jahren ab.

«Von der Arbeit muss man sich extra ein bis zwei Tage frei nehmen», sagt Rustichelli. Komme hinzu, dass sich nicht alle die Reisekosten leisten könnten.

Abgebaut wurden in den vergangenen Jahren auch die Konsulate in Hamburg, Düsseldorf, Bordeaux, Edinburgh und Genua.

In Italien, wo rund 50'000 Schweizer leben, bestehe nur noch das Konsulat in Mailand und Rom, sagt Irène Beutler Fauguel vom italienischen Dachverband der Auslandschweizer. «Eine 82-jährige Schweizerin in Apulien ist nun seit über drei Jahren ohne Pass», weiss sie. Die Reise nach Rom könne sich die Frau kaum leisten. Ein Nachteil am Leben im Ausland.

«Alles geschieht nur noch im Sinne der Wirtschaft, der Hilfe suchende Mensch wird dabei ignoriert», klagt sie. Viele fühlten sich durch den Rückzug der Vertretungen aus wichtigen Orten verloren.

Das Anliegen seiner Mitglieder will die ASO während des Kongresses dieses Wochenende auf den Tisch bringen. Immerhin finden sich auf den Teilnehmerlisten Namen wie Evelyn Widmer Schlumpf, Franz von Däniken, ehemaliger Staatssekretär und politischer Direktor des Aussendepartements, Ständeratspräsident Filippo Lombardi oder Nicolas Bideau, Direktor «Präsenz Schweiz».

Die «fünfte Schweiz» in Davos

Seit Freitag tagt der Kongress der Auslandschweizer in Davos. Auf dem Programm stehen neben der politischen Rolle der Schweiz im Ausland auch Brennpunkte wie der Rückgang der Konsulate weltweit. Mehr.

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77 Kommentare

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  • Kommentar von André Dünner, Peru
    Danke Herr Burkhalter, bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir hier von den Sparmassnahmen verschont geblieben. Wünschenswert wäre doch, dass diese letztes Jahr noch "Botschafter der Schweiz" genannten Auslandschweizer auch ein Dach über dem Kopf haben welches den Staat Schweiz repräsentiert. Oder wird dank Sparmassnahmen das Bundeshaus nach Genf und Luzern gezügelt, weil sie alle Infrastrukturen hätten. Nur der Boden dort wäre ebenfalls teuer. Also gäbe es noch die Waldhütten zu nützen.
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  • Kommentar von Rolf Seeberger, Dimbulah
    Meine Guete, wo kommt denn Ihr her?! Die Schweiz braucht ihre Auswanderer genauso wie wir die Schweiz brauchen. Die gegenseitigen Verbindungen sind wichtig fuer den beiderseitigen Erfolg. Wir haben unsere Rechte und Pflichten genauso wie alle Schweizer und wir wollen nicht mehr aber auch weniger. Wird eine Botschaft geschlossen, ist das zwar aergerlich, aber man weiss sich zu helfen. Unterschiedlich zu Institutionen in der Schweiz ist man in den Botschaften sehr hilfreich und zuvorkommend.
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  • Kommentar von Ursula Hagmann, Männedorf
    Wenn es diesen sogenannten Schweizern im Ausland schlecht geht, kommen sie schnell in die Schweiz um zu abkassieren.
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    1. Antwort von R. Seeberger, Dimbulah
      Jaaaah....Frau Hagmann, wenn ein "sogenannter Schweizer", der im Ausland alles riskiert und alles richtig gemacht hat trotz aller Hilfestellung seiner Botschaft und seiner Schweizer Kollegen, alle auch "sogenannt" in Ihren Augen,wenn so ein "Schweizer" alles verloren hat, warum sollte er, falls er wirklich in die Schweiz zurueck geht, schlechter behandelt werden als ein sogenannter Auslaender?
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    2. Antwort von Heinz Moll, Prag
      Frau Hagmann, Ihr gehässiger Kommentar über "sogenannte Schweizer" ist beleidigend, unwahr und dumm.
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    3. Antwort von André Dünner, Lima
      Aber sicher nicht nach Männedorf ... Frau Hagmann Wissen Sie, es ist einfacher aus dem Sofa heraus den Bauch zu füllen in einem Land wo Lebensmittel für den Luxus-Hauslieferdienst aus dem Ausland stammen, weil der Acker im Inland absäuft.
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