«Schweiz darf sich auch etwas als Nobelpreisträger fühlen»

Stephan Mogl, Chef des Fachbereichs Chemie im Labor Spiez, war einst selbst Chemiewaffeninspektor bei der OPCW. Er sagt, auch die Schweiz habe ihren Teil zum Erfolg der UNO-Organisation beigetragen.

Das biologische Sicherheitslabor auf dem Gelände des Labors Spiez von aussen.

Bildlegende: Das biologische Sicherheitslabor auf dem Gelände des Labors Spiez. Keystone

Stephan Mogl vom Labor Spiez hat viele Jahre für die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen OPCW gearbeitet – unter anderem als Chemiewaffeninspektor. Dass die OPCW nun mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist, freut ihn sehr.

«Ich bin sehr überrascht und auch ein bisschen stolz», sagt Mogl gegenüber SRF. Die Schweiz dürfe sich auch ein bisschen als Nobelpreisträger fühlen. «Die politische Schweiz, aber auch die Fachexperten hier im Labor Spiez, haben die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention seit der Mitte der 90er Jahre sehr aktiv unterstützt.»

Bestätigung und Motivation für Inspektoren

Die Schweiz geniesse ein sehr gutes Ansehen innerhalb der Organisation und habe viel zum Gelingen des Auftrags der OPCW – der C-Waffen-Abrüstung – beigetragen, sagt Mogl weiter. Für die Inspektoren, die ihre Aufgaben zum Teil unter widrigsten Bedingungen wahrnehmen, sei der Friedensnobelpreis eine Motivationsspritze.

Das gelte insbesondere für die Inspektoren, die im Moment in Damaskus unterwegs sind: «Der OPCW-Generaldirektor Ahmet Uzumcu hat in einem Interview gesagt, die sind alle freiwillig dort, weil die Sicherheitslage doch sehr sehr heikel ist. Für all diese Personen ist das sicher eine Bestätigung für ihren Entscheid, für diese Organisation zu arbeiten.»

Durch den Friedensnobelpreis steigt der Druck

Noch sind nicht alle chemischen Kampfstoffe dieser Welt vernichtet worden. «Was sehr interessant sein wird, ist, zu beobachten was allenfalls in den nächsten Monaten passiert», sagt der Experte. Aus politischer Sicht sei man stets davon ausgegangen, dass einige Staaten es voneinander abhängig machen, ob sie dem Abkommen beitreten oder nicht. Nun ist eines dieser Länder, Syrien, dem Abkommen beigetreten.

Für Mogl stellt sich deshalb die Frage: «Löst das vielleicht eine Folgebewegung aus, so dass weitere Staaten dem Chemiewaffenabkommen beitreten?» Zu den Ländern, die noch nicht mitmachen, gehören beispielsweise Ägypten, aber auch Israel. «Israel hat die Übereinkunft zur Zerstörung von Chemiewaffen zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.» Durchaus möglich, dass auch dieser Staat nun beitritt, so Mogl.

Mehr Aufmerksamkeit führt zu mehr Mitteln

Wird der Nobelpreis der OPCW auch helfen, in Syrien weiterzukommen? Er rückt die OPCW ins Rampenlicht, dessen ist sich Mogl sicher. «In der Vergangenheit hat sie eher im Stillen operiert. Sie erhält jetzt viel mehr Aufmerksamkeit.» Wichtig und positiv daran sei, dass jetzt darauf geachtet würde, dass die OPCW genügend Ressourcen habe, um ihren Auftrag zu erfüllen. «Allerdings gibt es auch immer Gefahren, wenn man im Rampenlicht steht: Entscheidend ist, dass die OPCW nicht zum Spielball der internationalen Politik wird.»