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Schweiz «Schweiz könnte Seerettung über Frontex unterstützen»

Die Schweiz kann bei der Bewältigung der Flüchtlingslage im Mittelmeerraum verstärkt mithelfen. Dies sagt der Leiter des UNHCR-Büros in Italien, Beat Schuler, im SRF-Interview. Neben der Aufnahme von Flüchtlingen denkt er vorerst vor allem an finanzielle Hilfe an Frontex für vermehrte Seerettungen.

Das jüngste Flüchtlingsdrama im Mittelmeer mit Hunderten Toten empört auch in der Schweiz. Fragen an den Leiter des Büros des UNO-Flüchtlingshochkommissariats in Rom, Beat Schuler.

SRF News: Was kann die Schweiz zur Linderung der Notlage beitragen?

Beat Schuler: Die Schweiz kann in Teilbereichen helfen, zum Beispiel mit der Aufnahme von genügend syrischen Flüchtlingen. Natürlich ist es vorerst einmal ein europäisches Problem, aber die Schweiz kann sich solidarisch zeigen.

Das hat der Bundesrat mit dem zweiten Syrien-Kontingent gemacht. Gibt es weitere wünschenswerte Massnahmen?

Die Schweiz arbeitet auch bei Frontex mit, der EU-Agentur zum Schutz der Aussengrenzen. Das ist gut, und diese Mitarbeit soll weitergehen. Gerade bei den nötigen umfassenden Seerettungsmassnahmen könnte die Schweiz vielleicht einen finanziellen Beitrag leisten. Es ist aber auch wichtig, dass die Schweiz die Bemühungen zur legalen Einreise von Flüchtlingen in Europa unterstützt und die entsprechenden Verhandlungen mitverfolgt.

Linke kritisieren Frontex als Teil des Problems, weil deren jüngste Aktion «Triton» eher der Abwehr von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer diene. Warum also die Hilfe an Frontex ausbauen?

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Grenzbeamten bei Frontex ist etwas Gutes und eröffnet Perspektiven. Die Arbeit hört nicht an der Grenze auf. Das nimmt Frontex wahr, auch wenn teilweise eine gewisse Abwehrhaltung vorhanden ist. Aber auch Frontex beteiligt sich an Seerettungen.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat sich letztes Jahr offen gezeigt für eine Diskussion in der EU für Aufnahmezentren an der nordafrikanischen Küste. So müssten die Menschen die gefährliche Reise nicht antreten?

Grundsätzlich ist das eine gute Idee. Im Moment sind wir aber mindestens zwei Jahre oder länger davon entfernt, dass so etwas funktionieren kann. Die Menschenrechtslage in den entsprechenden Ländern muss abgeklärt werden. Auch müsste das Land ein solches Zentrum auf seinem Hoheitsgebiet zulassen. Verträge und Vereinbarungen mit Europa wären nötig. Das wird dauern, bis das steht und funktioniert. Es ist also keine kurzfristige Lösungsvariante.

Das Interview führte Dominik Meier.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Rudolf R. Blaser, Aeschi
    Eine scheue Frage hätte ich dann schon: Wieso soll Schweiz - auf unsere Kosten - das reparieren, was der Schurkenstaat, der grosse Satan und Mutter aller Demokratien verbockte? Hat die Schweiz etwa den Muhammad al-Gadaffi bombardiert und das gegenwärtige Chaos verursacht? Leute erwacht doch endlich und zieht doch endlich die Bushmänner und die Frau mit der grossen Klappe zur Verantwortung! Die MÜSSEN für den Schaden den sie angerichtet haben, bezahlen mit Hab und Gut und Leib und Leben.
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    1. Antwort von Markus Fuchs, Bern
      Zu den Machtspielen von Gadaffi gehörte es Flüchtlingsboote Richtung Europa zu schicken, um von Europa Geld oder andere wirtschaftliche Vorteile zu erpressen. Daran hat sich in Libyen nichts geändert, nur dass es jetzt zwei Verhandlungsparteien gibt. Fazit auch unter Gadaffi wurde das Schleppertum geduldet und gefördert.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Die Idee vor Ort zu helfen mit Menpower finde ich gut. Zumal die Schweiz relativ viele Arbeitslose hat. Das Problem hier ist wohl eher dass dermassen hohe Anforderungen gestellt werden, dass kein ungebundener Schweizer finden lässt der diese erfüllt. Und einfach Geld senden dass dann irgend wo versickert ist keine Lösung. Daher wird die Schweiz wohl nichts tun können als diese zurück zu fliegen.
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    1. Antwort von W. Pip, Züri
      Was wollen Sie denn vor Ort helfen? Mit was für Heerscharen von Arbeitslosen (wir haben die kleinste AL-Quote in Europa, sollte ihnen das entgangen sein) ??? Eritrea ist relativ modern, aber eine Miltiärdiktatur und ein Bespitzelungsstaat, zehnmal schlimmer als die Ex-DDR. Wer nur schon den Mundwinkel bei der falschen Frage verzieht, wird erschossen. DAS ist das Problem. Wir müssten mit vereintren Kräften deren Regierung stürzen. Alles andere bringt nicht viel.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      W. Pip, die AL-Quote in der Schweiz ist eine Farce und sagt nicht wieviele Leute in der Schweiz tatsächtlich ohne Arbeit sind. Wir haben z.B. 145'000 Arbeitslosengeldempfänger + 30'000 Ausgesteuerte. Man könnte dort Flüchtlinge betreuen oder ein paar Seeüberwachungsysteme kaufen und diese dort einsetzen. Punkto Eritrea, er stützt dieses System und warum unternimmt die Afrikanische Union und die UNO nichts dagegen?
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  • Kommentar von V. Humbert, Carouge
    Ja nicht! Herrgott nochmal, wir sind doch.... keine Gutmenschen! Hat das inzwischen nicht auch der Hinterletzte kapiert? Sorry für den Zynismus, aber bei meinen Vorrednern, resp Schreibern.....
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